Leben beim VSE
Ein Zuhause auf Zeit

Greven -

Der VSE hilft Jugendlichen mit Problemen. Über ihre Erfahrungen sprechen Carsten Roß und Frederyk Saschek.

Samstag, 27.01.2018, 11:01 Uhr

Die Villa Samin an der Nordwalder Straße ist ein Ort zum Erwachsenwerden. Carsten Roß (links) und Frederyk Saschek stehen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. Bei Kummer tröstet der Haus-Elch.
Die Villa Samin an der Nordwalder Straße ist ein Ort zum Erwachsenwerden. Carsten Roß (links) und Frederyk Saschek stehen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. Bei Kummer tröstet der Haus-Elch. Foto: Monika Gerharz

VSE? Die wenigsten Bürger im Grevener Westen werden genau wissen, was sich hinter den Buchstaben verbirgt. Aber die meisten werden die Arbeit der Jugendhilfeeinrichtung spätestens seit ihrem Einzug in die Villa Samin 2006 kennen. Kein Wunder – seit 40 Jahren kümmern sich die Sozialarbeiter des VSE im Josefsviertel um Jugendliche, die beim Erwachsenwerden besondere Unterstützung brauchen – erst am Schwarzen Weg, dann an der Grimmstraße, heute an der Nordwalder Straße. „Der VSE ist im Viertel verankert, wir laden auch mal zu Nachbarschaftsfesten ein“, berichten Sozialarbeiter Frederyk Saschek und Sozialpädagoge Carsten Roß. „Man kennt uns hier.“

Über 500 junge Leute haben in diesen 40 Jahren bei den Mitarbeitern des VSE ein Zuhause auf Zeit gefunden. „Die meisten sind ein oder zwei Jahre hier. Aber Jugendlichen mit psychischen Schwierigkeiten sind auch schon mal vier, fünf Jahre bei uns. Das kann sich bis ins Erwachsenenalter ziehen“, sagen die Betreuer. Das Team des VSE kann zwar die Eltern, zu denen viele der jungen Leute ein gespanntes Verhältnis haben, nicht ersetzen. „Aber wir bieten das, was auch eine Familie bieten sollte: Vertrauen, Verlässlichkeit, Verfügbarkeit“, sagt Roß.

Die zehn Mitarbeiter betreuen derzeit 20 junge Leute. Zwölf wohnen in der Villa Samin, drei davon sind junge Mütter mit ihren Kindern. „Unsere Spezialität ist dieses Mischkonzept“, sagt Saschek. Die andern leben in acht Wohnungen, die der VSE bei Privatleuten oder Hausverwaltungen angemietet hat. „Viele Vermieter schätzen es, wenn sie eine Telefonnummer haben, wo sie bei Bedarf jederzeit anrufen können“, weiß Saschek. Und außerdem gibt es ganz nebenbei einen besonderen Service: Der Hausmeister der Villa Samin repariert auch mal schnell etwas in einer angemieteten Wohnung, wenn Not am Mann ist – ein toller Service für Vermieter.

Zum Verständnis der Arbeit des VSE ist es wichtig zu wissen, dass der Verbund Einzelfallhilfe macht. Mit dem Jugendlichen und seinen Eltern wird, unter Federführung des Jugendamtes, ein Hilfeplan erarbeitet. „Der Hilfeplan ist kein Wunschkonzert“, machen Saschek und Roß deutlich, dass dabei auch der Jugendliche verpflichtet ist, aktiv mitzuwirken. Alle drei bis sechs Monate wird überprüft, ob der Plan greift. „Unser Anliegen ist es, mit den Jugendlichen daran zu arbeiten, dass aus ihnen etwas wird“, sagen Roß und Saschek. Dabei geht es nicht darum, Vorstellungen der Eltern zu erfüllen, sondern darum, ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben zu führen. „Sehr, sehr oft gelingt das – wenn auch manchmal auf verschlungenen Wegen“, wissen die Sozialpädagogen.

Neben dieser Einzelfallhilfe bietet der VSE seinen 20 Klienten in Greven etwas ganz Wertvolles: Ein Ersatz-Zuhause in den Gemeinschaftsräumen der Villa Samin. An Weihnachten wurde unter einem üppig geschmückten Baum gefeiert. Frederyk Saschek war diesmal als Betreuer dabei, er hat seinen privaten Heiligabend eigens um einen Tag verschoben – und fand es richtig schön. „Solche Rituale sind wichtig“, sagt er.

Und das sehen offenbar auch die Jugendlichen so: An Weihnachten melden sich viele, nun erwachsen geworden, nach 40, 30 oder 20 Jahren wieder bei ihrer „Familie“ – beim VSE, beim „Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen“ in Greven.

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