Fußgängerzone
Die Opfer der Poller

Greven -

Tatort Fußgängerzone. Ein DHL-Zusteller steht mit seinem gelben Lieferfahrzeug vor der Volksbank. Es ist Viertel nach zehn. Der Fahrer hat das erlaubte Lieferzeitfenster bereits um 15 Minuten überschritten. Wären die geplanten versenkbaren Poller an den Zufahrten der Fußgängerzone schon installiert, säße er jetzt in der Falle. Doch diesmal hat der Fahrer noch Glück. Er entkommt.

Donnerstag, 15.02.2018, 10:02 Uhr

Kaum ein Durchkommen. In Grevens Fußgängerzone wird es zu den Lieferzeiten schon mal enger. Aber auch außerhalb der Lieferzeitfenster wird die Fußgängerzone befahren.
Kaum ein Durchkommen. In Grevens Fußgängerzone wird es zu den Lieferzeiten schon mal enger. Aber auch außerhalb der Lieferzeitfenster wird die Fußgängerzone befahren. Foto: Frederik Taube-Bergmann

Was den Paketzusteller zur mutwilligen Missachtung der geltenden Regelungen in der Fußgängerzone trieb, liegt auf der Hand: Zeitdruck. Bis 10 Uhr mit der Auslieferung fertig zu sein, sei kaum zu schaffen. Zweimal schon habe er ein Bußgeld von 35 Euro zahlen müssen, berichtet der Fahrer.

Auch Denise Rottewert vom selben Zusteller kennt das Problem. „Die meisten Geschäfte öffnen erst zwischen 9 und 10 Uhr, das Anliefern bis um 10 Uhr zu beenden, ist dadurch extrem stressig und manchmal gar nicht möglich“, sagt sie. „Wenn die Fußgängerzone wenigstens bis um 11 Uhr befahrbar wäre, wie in Emsdetten oder Rheine, aber so ist man manchmal gezwungen, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen.“

Doch nicht nur Paketzusteller sind betroffen. Julia Camane fährt für „ Meyer Menü “ Essen aus. „Die Kundin möchte ihr Mittagessen um 11 Uhr. Dann müsste ich an der Hauptstraße einen Parkplatz suchen und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen“, sagt sie.

Da eine Beschilderung hier also offensichtlich nicht reicht, hat die Stadt Greven beschlossen, den Fußgängerbereich zu „bepollern“. Bereits Ende Mai bis Anfang Juni sollen die technischen Voraussetzungen geschaffen sein, teilte Pressesprecherin Dr. Andrea Rauße-Rüther mit.

Im April 2017 hat die Stadt 88 Passanten in der Fußgängerzone befragt. Das Ergebnis: Nur ein Viertel der Befragten, also gerade einmal 22 Personen fühlten sich „manchmal“ bis „häufig“ vom Lieferverkehr gestört. Bei den 54 befragten Anliegern war es knapp die Hälfte.

Eine stichprobenartige Befragung dieser Zeitung ergab: Die wenigsten Passanten fühlen sich tatsächlich vom Lieferverkehr gestört. Viele zeigen Verständnis für den Zeitdruck der Paketzusteller.

Stattdessen kritisieren viele Grevener das Radfahren in der Fußgängerzone. Für die Radfahrer ändert sich durch die Poller allerdings nichts. Die Durchfahrt bleibt ihnen nur zwischen 19 und 8 Uhr erlaubt. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Verwarngeld in Höhe von 15 Euro rechnen, sollte er kontrolliert werden.

Einzig zuverlässiges Mittel, um die Fußgängerzone sicherer zu machen, sind regelmäßige Kontrollen durch die Polizei, das räumt auch die Stadt ein. Allerdings fehle es an Personal für eine dauerhafte Überwachung der Fußgängerzone.

Welche Regelungen in Zukunft für den Lieferverkehr gelten sollen, ist noch unklar. Vorgeschlagen wurde ein tägliches Lieferzeitfenster von 8 bis 14 Uhr. Zudem könnten Anlieferräume zur Anlieferung zu Fuß oder per Sackkarre außerhalb der Lieferzeiten eingerichtet werden. Die Kostenfrage ist hingegen schon geklärt. 95 000 Euro wird die Maßnahme kosten. Die Städtebauförderung NRW bezuschusst die Maßnahme mit 66 500 Euro, 28 500 Euro trägt die Stadt Greven.

Zum Thema

Zu diesem Thema findet am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr eine Informationsveranstaltung im großen Sitzungssaal des Rathauses statt.

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