Gymnasiasten erfolgreich
Gewinne hüben – Zweifel drüben

Greven -

Ein ausgezeichnetes Händchen für die passenden Aktien an der Börse bewiesen die SoWi-Kurse des Augustinianum beim bundesweiten Planspiel Börse: Die Teams „SUMme“ und „Sandmänner“ aus der EF (Jahrgangsstufe 10) sowie der selbst ernannte „Arbeiter- und Malocherclub“ aus der Q2 (Jahrgangsstufe 12) räumten im Kreis Steinfurt die ersten drei Plätze von insgesamt 127 teilnehmenden Teams ab.

Mittwoch, 14.02.2018, 19:02 Uhr

Schulleiter Dr. Volker Krobisch (links), Christian Topphoff von der Kreissparkasse (Mitte) sowie Lehrer Christian Prinz (rechts) sind mit dem Abschneiden der Teams überaus zufrieden.  
Schulleiter Dr. Volker Krobisch (links), Christian Topphoff von der Kreissparkasse (Mitte) sowie Lehrer Christian Prinz (rechts) sind mit dem Abschneiden der Teams überaus zufrieden.  

Die Gruppen aus der EF setzten auch über den Kreis hinaus Akzente, wobei das reine Mädchenteam „SUMme“ deutschlandweit den neunten Platz von 26 831 Schülergruppen belegte und sein Kapital auf 58 136 Euro steigern konnte. Aus dem fiktiven Geld wurde zur Belohnung echtes, denn die Teams holten zusammen ein Preisgeld von 1350 Euro nach Greven. Das geht aus einer Pressemitteilung der Schule hervor.

Beim Planspiel Börse kann mit einem fiktiven Kapital von 50 000 Euro einen Monat lang an der Börse gehandelt werden. Die Schüler erhielten unter Anleitung ihres Lehrers Christian Prinz interessante Einblicke in eine sonst im schulischen Kontext wenig thematisierte Welt. Zudem veranschaulichen die Vorgänge an der Börse sehr gut die aus dem Unterricht bekannten Aspekte der Marktpreisbildung durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Modellhaftes wurde somit greifbar.

Aber Schule wäre nicht Schule und SoWi-Kurs nicht SoWi-Kurs, wenn man die Thematik nicht auch unter einer kritischen Perspektive betrachten und somit die Gegenposition zu den schönen Gewinnen beleuchten würde: Schließlich haben die Teams unter anderem mit Aktien von Amazon und VW satte Gewinne eingefahren. Wieso lässt sich überhaupt so viel Gewinn erzielen? In diesem Kontext wurden Rationalisierung und Effizienzdenken als Wege identifiziert, um möglichst profitabel zu sein. Die Auswirkungen dieser wirtschaftlichen Herangehensweise kann man an diesen Unternehmen gut verdeutlichen.

Amazon und viele andere globale Konzerne, so erarbeiteten die Kurse, errichten beispielsweise ihre Hauptsitze in EU-Ländern mit geringen Steuersätzen, obwohl die Hauptumsätze woanders erzielt werden „und verschieben Gewinne zwischen Staaten, zum Beispiel durch zweifelhafte interne Dienstleistungen. In diesen Fällen wird es aber nicht Steuerhinterziehung genannt, sondern Steuervermeidung. Das ist effizient und lässt die Gewinne steigen, aber ist es auch legitim?“, heißt es in der Mitteilung der Schule. Ohne diese Steuern stehe weniger Geld für Bildung und Soziales zur Verfügung. Die Löcher stopfe dann die Allgemeinheit, obwohl der Chef von Amazon, Herr Bezos, mit einem Vermögen von 116 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt sei.

Oder VW, ein Unternehmen, das mit sauberen Dieselfahrzeugen geworben habe und die technischen Möglichkeiten dafür auch besitze, diese aber aus Gründen der Rationalisierung nicht eingebaut sondern stattdessen lieber eine „Betrugssoftware“ verwendet habe, die Sauberkeit auf dem Messstand vortäuscht, um so die Gewinne zu maximieren.

Bei entsprechend eingesetztem Kapital ist man schnell bei Verdiensten, die sich durch Erwerbsarbeit nicht erzielen lassen. Damit stießen die Kursmitglieder auf ein weiteres Problem: das Öffnen der sozialen Schere, die Disparitäten zwischen Arm und Reich. Auch im nächsten Jahr werden Teams vom Augustinianum am Planspiel Börse teilnehmen.

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