Wirtschaftsstrafkammer
Luhns: Der Prozess dauert an

Reckenfeld/Ibbenbüren -

Wibarco – mit dem Namen der ehemaligen chemischen Fabrik in Ibbenbüren-Uffeln und der Firma Luhns (später: AT Abfüllbetriebe) in Reckenfeld ist einer der größten deutschen Wirtschaftsstrafprozesse verbunden. Es geht um Millionen-Schäden, verhandelt wird seit Ewigkeiten am Landgericht in Münster.

Dienstag, 13.03.2018, 22:03 Uhr

Der Name Luhns ist längst verschwunden. Die Begleitumstände des wirtschaftlichen Niedergangs werden vor Gericht aufgearbeitet.
Der Name Luhns ist längst verschwunden. Die Begleitumstände des wirtschaftlichen Niedergangs werden vor Gericht aufgearbeitet. Foto: oh

Angeklagt sind vier Männer im Alter von 57 bis 69 Jahren. Ihnen wird schwerer Betrug oder Beihilfe zum Betrug zur Last gelegt. Mehr als 80 Verhandlungstage sind seit dem Prozessauftakt im Januar 2017 vergangen. Ein Ende des Mammutprozesses ist auch 2018 nicht in Sicht.

Wie bereits berichtet, müssen sich unter anderem zwei ehemalige Geschäftsführer eines Chemiekonzerns mit Produktionsstandorten in Greven (Luhns) und Ibbenbüren-Uffeln (Wibarco) wegen millionenschweren Betrugs verantworten. Die beiden Manager sollen zwischen 2009 und 2012 Bilanzen gefälscht und Kreditgeber über das Vermögen des Konzerns getäuscht haben. Der Schaden für die beteiligten Banken soll sich laut Anklage auf 57 Millionen Euro belaufen. Außerdem wird ihnen Subventionsbetrug von knapp neun Millionen vorgeworfen. Laut Anklage entsprachen die Bilanzen nicht dem tatsächlichen Vermögen und der Ertragslage.

Unter den weiteren Angeklagten befindet sich auch ein Mann aus Ibbenbüren. Er war Geschäftsführer der Unternehmenstochter Wibarco. Später gehörte er auch zum Vorstand der Konzernmutter namens Hansa-Group AG (zu der damals auch Luhns gehörte). Die hatte 2014 Insolvenz anmelden müssen. Auch für die Tochtergesellschaften der Hansa Group AG – darunter die chemische Fabrik Wibarco GmbH und Luhns GmbH, – wurden Insolvenzverfahren eröffnet. 2015 gab es das endgültige „Aus“ für den Wibarco-Standort in Uffeln. Rund 80 Mitarbeitern wurde gekündigt. In Reckenfeld übernahm das Unternehmen „Thurn Produkte“ den Luhns-Standort, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Inzwischen ist das Werk erneut verkauft worden – diesmal an eine Kapitalgesellschaft.

Ganz reibungslos verliefen manche Verhandlungstage vor der Wirtschaftsstrafkammer nicht: Weil festgestellt wurde, dass ein Sachverständiger für Rechnungslegung und Bilanzen im aktuellen Fall früher schon einmal Jahresabschlüsse für eine Bank geprüft hatte, wurde er auf Antrag der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Den vom Gericht bestellten neuen Sachverständigen lehnten wiederum die ehemaligen Konzernlenker ab. Erfolg hatten sie damit nicht. Erfolglos blieb auch deren Haftbeschwerde. Das Oberlandesgericht in Hamm verwarf die Haftbeschwerde der beiden angeklagten Brüder Alambeigi, die sich seit Mitte Oktober 2016 in Untersuchungshaft befinden.

Inzwischen ist die Beweisaufnahme unter anderem zu den komplexen Ringverkäufen von Warenlagern beteiligter Firmen sowie zu den Jahresabschlüssen 2010 und 2011 der Firma Luhns weit fortgeschritten. Jetzt wartet das Gericht auf die Erkenntnisse des Sachverständigen zu bestimmten Bewertungsfragen. In Kürze soll mit der Vernehmung von Bankzeugen begonnen werden.

Der komplexe Prozess in Münster wird fortgeführt. Inzwischen wurde das Gelände der Fabrik „Wibarco“ einer neuen Nutzung zugeführt. Das Unternehmen Remondis Industrie Service hat das Gelände gekauft. In Reckenfeld soll der Betrieb mit reduzierter Mannschaft weitergehen.

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