Der Sachsenhof wird 30 Jahre alt
Das ganz normale Mittelalter

Greven -

30 Jahre Sachsenhof. Zwei Brände. 15 Leute, die ihn betreuen. Für den Landschaftsverband ist das eine besondere Erfolgsgeschichte.

Mittwoch, 28.03.2018, 06:03 Uhr

Sie trafen sich gestern am Sachsenhof: Vertreter des Heimatvereins, Bürgermeister Peter Vennemeyer (6.v.l.), LWL-Archäologen. Liesel Drexler (2.v.r.) berichtet über 30 Jahre auf dem historischen Hof.
Sie trafen sich gestern am Sachsenhof: Vertreter des Heimatvereins, Bürgermeister Peter Vennemeyer (6.v.l.), LWL-Archäologen. Liesel Drexler (2.v.r.) berichtet über 30 Jahre auf dem historischen Hof. Foto: Günter Benning

Mittelalter ist angesagt. Wallende Kostüme, Schwertkämpfe, Hörnerfeste. „Sowas machen wir hier nicht“, sagt Liesel Drexler inmitten der mittelalterlichen Gebäude des Sachsenhofes in der Pentruper Mersch. Seit 30 Jahren ist der rekonstruierte sächsische Bauernhof eine Erlebniswelt, in der Mittelalter ohne Disney-Effekte ausprobiert werden kann. Zum Beispiel im Garten. Drexler: „Da zupfen wir das Unkraut mit den Fingern.“

Bilder vom Sachsenhof

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  • Anstoßen mit selbst hergestelltem Met.

    Foto: Günter Benning
  • Das Innere des Sachsenhofes

    Foto: Günter Benning
  • Ein Grubenhaus, in dem teilweise auch Textil gesponnen wurde.

    Foto: Günter Benning
  • Liesel Drexler hat die Geschichte des Hofes seit 1988 in vielen Fotos festgehalten.

    Foto: Günter Benning
  • Der Garten ist im März noch relativ grau.

    Foto: Günter Benning
  • Liesel und ihr Mann Hermann-Josef Drexler.

    Foto: Günter Benning
  • Ein überdachter Heubert - wie er heute noch in vielen Ländern üblich ist.

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Keramikofen wird benutzt.

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Die wieder aufgebaut Scheune, die 2016 abbrannte.

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • LWL-Archäologe Prof. Rind.

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning
  • Der Sachsenhof wird 2018 30 Jahre alt

    Foto: Günter Benning

Zum Jubiläum waren gestern Heimatvereinsmitglieder, LWL-Archäologen und Bürgermeister Peter Vennemeyer gekommen. Sie alle hatten dazu beigetragen, dass 1988 das Sachsenhaus, das der LWL schon in Gittrup rekonstruiert hatte, nach Pentrup versetzt wurde. Der Grund: In Gittrup stand das Gebäude im Ems-Überschwemmungsgebiet.

Damals war es die Textilgruppe des Heimatvereins nebst einigen Hobby-Archäologen, die das Projekt vorantrieben. Bis heute: „Wir sind so fünfzehn Leute in unserer Gruppe“, sagt Liesel Drexler, sechs von ihnen waren von Anfang an dabei.

Der Sachsenhof ist offen. Man kann ihn jederzeit besichtigen, zahlt dafür keinen Eintritt. Haupthaus, Scheune, Keramikofen und Bienenstock machen klar, wie karg und schwer das Leben im Mittelalter an der Ems gewesen sein muss.

„Die Menschen lebten im Winter mit ihrem Vieh im Haupthaus“, berichtet Dr. Hermann-Josef Drexler, der frühere Vorsitzende des Heimatvereins. Eigentlich hätte man das Gebäude mehr in den Wind drehen müssen. Die sächsischen Bauherren hätten darauf geachtet, dass Feuerqualm und Fäkaliengeruch möglichst aus ihrer guten Stube herausgepustet wurden.

Zweimal in 30 Jahren musste sich die Sachsenhof-Crew von einem Schock erholen. In den 90er Jahren brannte das Haupthaus ab. 2016 wurde die Scheune abgefackelt. „Gerade dort hatten wir viel Arbeit und Ideen reingesteckt“, ärgert sich Liesel Drexler noch im Nachhinein.

Bürgermeister Peter Vennemeyer hofft, dass die Initiative aus dem Heimatverein erhalten bleibt. Das ist eine große Sorge, wie Mechtild Alfing berichtet: „Unsere Arbeit besteht auch darin, mit den Händen im Garten zu arbeiten." Estragon und Bibernelle, Kerbel und Malve und die Färbepflanzen Färberwaid, Großer Fingerhut und Schöllkraut werden auf historische Weise gepflanzt und gepflegt.

Liesel Drexler hat auch was davon: Ihr selbst gestrickter Pullover ist unter anderem mit Zwiebelkraut gefärbt. Das Blau bei ihrem Mann kommt vom Färberwaid. Man nennt die Pflanze auch Deutscher Indigo.

Heimatvereinsvorsitzender Herbert Runde lobte den Hof: „Ein Alleinstellungsmerkmal für Greven.“

^rof. Dr. Michael M. Rind.

^rof. Dr. Michael M. Rind. Foto: Günter Benning

Wir haben Prof. Dr. Michael M. Rind ist Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen interviewt:

Der Sachsenhof ist etwas Besonderes unter dem Heimatmuseum. Wieso?

Rind: Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es von Bürgern der Stadt Greven initiiert worden ist, unter archäologischer Fachbetreuung der LWL Archäologie für Westfalen. Es ist ein außerschulischer Lernort, wo Dinge vermittelt werden können, die wir in unseren Museum nicht vermitteln können, nicht in dieser Atmosphäre. Man ist hier in der Natur, man hat fantastische Möglichkeiten zu sehen, wie die Menschen hier im frühen Mittelalter gelebt haben.

Es gibt hier keinen Klamauk, kein Mittelaltergetue, kein Säbelrasseln. Ist dies hier authentisch?

Rind: Das Wort authentisch wird natürlich inflationär gebraucht. Aber es ist tatsächlich so, hier wird Heimatgeschichte vermittelt. Man zeigt nur das, was tatsächlich hier gewesen ist vor über 1000 Jahren.

Man kennt nur die Umrisse der Häuser von den Grabungen. Woher weiß man, wie die Gebäude ausgesehen haben?

Rind: Das beruht auf statischen Berechnungen, der Größe der Pfostenlöcher, der Dicke der Holzpfosten, die man in den Funden erkennen kann. Der Lehmbewurf der Wände hält sich zum Teil im Boden, wenn Häuser abgebrannt sind, so dass wir genau wissen, wie der Wandaufbau ausgesehen hat.

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