Verkehrssituation am Marienschulzentrum
Chaos trifft auf Durcheinander

Greven -

Chaos rund rund um den Bereich des Marienschulzentrums abspielt. Wir haben es uns angesehen.

Mittwoch, 25.04.2018, 10:04 Uhr

Das Durcheinander auf der Teichstraße kurz vor Schulbeginn ist gewaltig und vielen Eltern ein Dorn im Auge.
Das Durcheinander auf der Teichstraße kurz vor Schulbeginn ist gewaltig und vielen Eltern ein Dorn im Auge. Foto: Peter Beckmann

Self-fulfilling prophecy (sich selbst erfüllende Prophezeiung) – ach, das ist so ein schöner Begriff. Und irgendwie passt er auch sehr gut zu der folgenden Geschichte. Doch: Dazu später mehr.

Die Geschichte könnte man mit einem weiteren schönen Begriff beschreiben: Chaos – also dem Zustand vollständiger Unordnung oder Verwirrung. Und dieser Begriff passt hervorragend zu dem, was sich Tag für Tag rund um den Bereich des Marienschulzentrums abspielt.

Morgens, 7.30 Uhr. Die ersten Schüler sind mit ihren Rädern, den Rollern oder sogar zu Fuß auf dem Weg in die Schule. Auch die ersten Busse und die ersten Elterntaxen tauchen auf. Dabei entwickelt sich die Kreuzung der Teichstraße zum Fiskediek zum Zentrum des Durcheinanders. Je später es wird, um so schlimmer wird es.

Von allen Seiten kommen die Autos, fahren teilweise einen ganz heißen Reifen. Und dazwischen Schüler auf ihren Rädern und Schüler zu Fuß. Die ganz Kleinen sind eher unsicher, trauen sich kaum die Straße zu kreuzen, die älteren lassen dagegen gerne die Rampensau erkennen. Sie fahren kreuz und quer auf der Straße, umkurven die haltenden Autos, halten sich nicht im geringsten an irgendwelche Verkehrsregeln.

Aber auch viele Autofahrer sind komplett überfordert. Rechts vor links? Anscheinend haben viele davon noch nie etwas gehört oder müssen zu lange Nachdenken, wer denn nun Vorfahrt hat. Irgendwie fährt jeder aufs Geratewohl los und irgendwie klappt das ohne Unfall – erstaunlich. Durchfahrverbot? Ist nur eine nett gemeinte Empfehlung, meinen wohl die meisten und düsen auf dem Rückweg den Fiskediek hoch.

Eine erste Grundschullehrerin taucht auf. „Sind Sie von der Presse?“, fragt sie und erzählt, dass besorgte Grundschüler ihr von einem Mann berichtet hätten, der sie fotografiert. Aber im Prinzip weiß sie bereits, worum es geht. „Das ist schrecklich hier, jeden Morgen das selbe Chaos“, stöhnt sie.

Das blaue Schild, was im Bereich der kleinen Straße „Upn Brink“ steht, und auf „Verkehrshelfer“ – sprich Schülerlotsen – hinweist, ist dabei nur Zierde. Von Schülerlotsen ist weit und breit nichts zu sehen.

Ein Auto nach dem anderen fährt vor. Ein Bus kommt sogar über den Fiskediek gefahren und sorgt bei der Einfahrt nach links in Teichstraße für noch mehr Durcheinander. Eigentlich sollen die Busse da nicht herfahren.

Eine Mutter ist sogar so besorgt, dass sie das Auto – auf der falschen Straßenseite – parkt, ihr Kind an die Hand nimmt und über die Straße führt. Wie nennt man die noch gleich? Helikoptereltern? Aber: Ein bisschen kann man das schon verstehen. Ein Wunder, dass hier nicht mehr passiert.

Eine Anliegerin fragt ebenfalls nach dem Grund der Fotos – und winkt gleich ab. „Fotos haben wir schon oft hier gemacht, das ändert sowieso nichts“, sagt sie. Und: Sie legt noch einen drauf. „Das hier ist doch noch gar nichts. Sie müssen mal kommen, wenn es regnet, dann geht hier gar nichts mehr“, erzählt sie und macht den Wischer vorm Kopf. „Aber die Kinder müssen ja alle mit dem Auto gebracht werden.“

7.50 Uhr: Die Generation Rückbank ist in der Schule, vereinzelt kommen noch die Langschläfer und Zu-spät-Kommer. Langsam kehrt wieder Ruhe ein.

Zeit für die „Self-fulfilling prophecy“: Dr. Alexandra Wohlert ist stellvertretende CDU-Vorsitzende, hat in der Wöste gebaut und ist reichlich genervt vom Chaos an der Schule. „Die Eltern fahren ihre Kinder zur Schule, weil es da so gefährlich und chaotisch ist. Das ist es aber nur, weil so viele Eltern ihre Kinder zur Schule fahren“, erklärt sie.

Sie und Uta Ahrens, Ratsmitglied der CDU und ebenfalls wohnhaft im Baugebiet Wöste, haben einen Antrag an den Bauausschuss gestellt. „Für die Schulen wird sehr viel Geld ausgegeben. Das finden wir auch gut so. Aber für die Infrastruktur rundherum fließt kaum Geld“, beklagt Wohlert. Aber die Situation rund um das Schulzentrum habe sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. „Es gibt immer mehr Schüler, ganz in der Nähe sind zwei Kindergärten aber die Infrastruktur ist gleich geblieben. Das passt nicht zusammen“, so Wohlert.

Deshalb sei dieser Antrag gestellt worden. „Nicht nur die unzureichende Verkehrssicherheit der Fußgänger und Radfahrer sondern auch die Belastungen der Wohnbevölkerung (Zuparken, Lärm, Abgase) ist unzumutbar und muss wieder hergestellt werden“, heißt es darin.

Der CDU-Ortsverband sehe dringenden Handlungsbedarf, die Verkehrssituation vor Ort zu verbessern. Die Verwaltung werde gebeten, sich zeitnah und fachübergreifend mit den Fragestellungen Querungshilfen, „Kiss & Ride“ Zonen, Walking-Bus, Verkehrsführung, Temporeduzierung, Parkflächen für Autos und Abstellflächen für Fahrräder zu befassen und entsprechende Maßnahmenvorschläge zu erarbeiten und vorzustellen.

Die Stadtverwaltung hat für die Teichstraße übrigens eine Umgestaltung entwickelt und darin die Forderungen der CDU eingebaut. „Einige dieser Punkte wie der Walking-Bus und Abstellflächen für Fahrräder auf dem Schulgelände obliegen aber der Schule“, heißt es in der Vorlage.

Diese Vorlage mit dem Planentwurf wird in der heutigen Sitzung des Betriebsausschusses vorgestellt und diskutiert. Die öffentliche Sitzung beginnt um 17 Uhr im großen Saal.

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