Francesco Virga lebt in Australien
Schockverliebt und hängen geblieben

Greven -

Nein, geplant war das alles nicht. Nicht mal ansatzweise hat Francesco Virga daran gedacht, dass es so kommen würde, wie es gekommen ist. Er, Sohn von Toto und Karin Virga – Betreiber des Restaurants Portale – wollte eigentlich nur zwischen dem Abitur und dem Studium als Backpacker (Rucksacktourist) ein halbes Jahr Australien bereisen. Aber: Es kam ganz anders, er blieb dort.

Freitag, 15.06.2018, 08:07 Uhr

Francesco Virga mit seinen Eltern Karin und Salvatore, den alle nur unter dem Spitznamen Toto kennen.
Francesco Virga mit seinen Eltern Karin und Salvatore, den alle nur unter dem Spitznamen Toto kennen. Foto: Peter Beckmann

Es war das Jahr seines Abiturs im Jahr 2014. Francesco wollte zusammen mit einem Kumpel Australien bereisen und anschließend ein Studium der Biologie beginnen. Die beiden Grevener flogen nach Sydney – und waren enttäuscht. „Die Stadt hat uns beiden überhaupt nicht gefallen“, erzählt der 21-Jährige.

In einem Hostel in Sydney lernten sie einen Australier kennen, der ihnen von der Stadt Perth im Westen Australiens vorschwärmte. Die beiden jungen Männer ließen sich nicht lange bitten, buchten zwei Flüge und landeten nach 4,5 Stunden Flug in Perth. „Das Land ist einfach riesig, zwischen Sydney und Perth sind es fast 5000 Kilometer“, verdeutlicht Francesco.

Wie es sich für einen Backpacker gehört, suchten sich die beiden einen Job. „Ich wurde fast direkt am ersten Tag fündig und konnte im Hotel Ocean Beach im Stadtteil Cottesloe anfangen.“ Und dann kam das, was nicht geplant war. „Ich habe mich in die Stadt verliebt.“ Eine Stadt direkt am Meer, neun Monate Sommer und selbst im Winter wird es kaum kälter als 20 Grad. Und: Die Menschen in der Stadt beeindruckten ihn schwer. „Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, sie sind sehr kontaktfreudig. Man kümmert sich hier mehr um seine Mitmenschen“, schwärmt Francesco. „In Perth leben ganz viele Kulturen zusammen, das Leben ist sehr entspannt.“ Den Vergleich mit dem Heimatland seines Vaters – den lässt er gelten. „Das passt“, sagt er mit einem Lachen.

Er fühlte sich sehr wohl, bewohnt mit Kumpels zusammen ein gemietetes Haus. Er geniest das Leben in der nur wenig touristisch geprägten Stadt und der unberührten Natur in der Umgebung. Er hat dort viele Freunde gefunden. Aber: Nach zwei Jahren kam dann doch so manches mal Heimweh auf. „Die Familie und die Freunde in Greven fehlen mir doch sehr“, erzählt er. Und: Es sind kleine Sachen, die er vermisst. „Das sind Sachen, von denen man nie gedacht hätte, dass sie einen fehlen würden.“

Nicht zuletzt das Essen. „Das Frühstück ist englisch geprägt, da gibt es viel gekochtes“, erzählt er. Und überhaupt: „Lebensmittel sind in Australien sehr teuer, fast drei mal so teuer wie in Deutschland“, weiß er, fügt aber hinzu, dass auch der Lohn deutlich über deutschem Niveau liege.

Trotz allem: Francesco ist begeistert von Perth, aber auch der Arbeitgeber war begeistert – von ihm. Und zwar so sehr, dass Francesco nach dem Erwerb eines Business-Diploms die Stelle des Hotel-Managers angeboten bekam. Und: Der Arbeitgeber setzte sich dafür ein, dass Francesco ein Dauer-Visum bekam. „Dafür muss sich der Arbeitgeber einsetzen, und das muss er bezahlen“, erklärt Francesco.

Aber: so jung und schon Hotelmanager? „Man hat wohl ein gewisses Potenzial bei mir gesehen. Außerdem wird in Australien den jungen Leuten oft eine Chance geben.“

Eine Chance, die er genutzt hat. Seit zwei Jahren besitzt er das Dauervisum, kann also ohne Einschränkung zwischen Australien und Deutschland reisen.

Und: Er hat sogar die Staatsbürgerschaft beantragt. „Das ist gar nicht so einfach“, erzählt er. Es werden alle möglichen Informationen eingefordert über die Familie, über Krankheiten, es bedarf eines tadellosen Führungszeugnis, und es wird ein Eignungstest durchgeführt, in dem die Sprache und das wissen um die australische Kultur abgefragt werden. „Ich bin aber zuversichtlich, dass das klappt.“

Und dann? Will er für immer in Australien bleiben? „Das weiß ich jetzt noch nicht, aber ich will mir möglichst viele Türen offen halten“, erzählt Francesco, der neben seinem Manager-Job noch ein Studium Bio-Medizin begonnen hat.

Man merkt förmlich, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Momentan ist er in Greven, besucht seine Familie, trifft alte Freunde. Und heute wird die Hochzeit seiner Schwester gefeiert. In ein paar Tagen reist er nach Irland, zu einem Kumpel, den er in Australien kennen gelernt hat. Und danach fliegt er zurück nach Australien. Wie es langfristig weiter geht, weiß er noch nicht. „Vielleicht weg von der Gastronomie und in Richtung Biomedizin.“

Und die Eltern? Die haben ihn im vergangenen November besucht. „Wir haben uns überzeugt, dass es ihm gut geht“, lacht Mutter Karin. Es gebe zwar auch immer Kontakt via Skype. „Aber er fehlt mir trotzdem.“

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