Ernte 2018 in Gefahr
„Die Dürre ist für uns ein Riesenproblem“

Greven -

Ein Drittel weniger Ernte, das kommt etliche Bauern teuer. Der Mais bildet teilweise nicht einmal Kolben, weil es so trocken ist.

Donnerstag, 19.07.2018, 07:10 Uhr

Viele Getreidefelder sind schon abgeerntet und auch das Stroh wird abgefahren. Die Ernteausfälle liegen im Bereich Greven bei 30 Prozent und höher.
Viele Getreidefelder sind schon abgeerntet und auch das Stroh wird abgefahren. Die Ernteausfälle liegen im Bereich Greven bei 30 Prozent und höher. Foto: Günter Benning

 Klar, den Landwirten es wettertechnisch recht zu machen, ist nicht so ganz einfach. Mal ist es zu nass, mal zu trocken, mal zu warm, mal zu kalt. Aber die Situation momentan ist schon bedrohlich. Die lang anhaltende Trockenheit, die Hitze und der Wind sorgen dafür, dass die Böden immer mehr austrocknen. „Die Dürre ist mittlerweile ein Riesenproblem“, verdeutlicht Matthias Langkamp, Ortsvereinsvorsitzender der Grevener Landwirte.

So erwarten die Landwirte beim Getreide eine Rückgang der Erträge um 30 Prozent und mehr. Viele Felder sind schon deutlich früher als normal abgeerntet.

Und: „Für den Mais sieht es noch deutlich katastrophaler aus“, erklärt Langkamp. „Es ist jetzt die Zeit, wo normalerweise die Kolben ausgebildet werden. Aber dafür ist es aktuell zu trocken.“ Es gebe schon einzelne Pflanzen die abstürben. „Es kann passieren, dass Ende Juli, Anfang August die Pflanzen weggehäkselt werden müssen. „Da fehlt im Tierfutter natürlich ein großer Teil der Nährstoffe.“

Einige Landwirte überlegten schon, den Mais jetzt zu häckseln um Gras auszusäen. Denn: „Der erste Heu­schnitt war gut, danach kam nichts mehr“, berichtet Langkamp.

Also alles andere als rosige Aussichten. „Das ist schon teilweise existenzbedrohend“, weiß der Landwirt. Aber: Er sieht noch deutlich größer Probleme im Osten der Republik. Grundsätzlich: „Für uns Landwirte wird es immer schwieriger.“

So wirkt das trockene Wetter sich für die Verbraucher aus

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  • GETREIDE: Besonders im Norden und Nordosten Deutschlands klagen die Landwirte über zu trockenes Wetter. Die Ernte musste früher beginnen, obwohl die Körner in vielen Fällen noch nicht ausreichend gereift und damit zu klein sind. Laut Bauernverband liegt die Ernte mit 41 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. „Wir haben nicht nur in Norddeutschland Trockenheit, sondern im ganzen baltischen Raum, in Osteuropa, in der Schwarzmeer-Region“, sagt Funk. Erstmals seit etwa fünf Jahren würden die weltweiten Getreide-Bestände abnehmen. Dennoch drohe keine Knappheit. Er rechne damit, dass die Weltmarktpreise steigen, aber nicht sehr stark.

    Foto: Sebastian Willnow
  • MEHL: Die Mühlen beziehen ihr Getreide zu 95 Prozent aus dem Inland, sagt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen. Auch wenn die Ernte in einigen Teilen Deutschlands schlecht bis katastrophal werde, würden die Mühlen ihre Rohstoffe bekommen. Jedoch werde der Aufwand größer, Getreide in der gewünschten Qualität zu erhalten. „Und ein Aufwand im Unternehmen hat Auswirkungen auf die Kosten.“ Es gebe also Anzeichen, dass Mehl teurer werden könnte.

    Foto: colourbox.de
  • MILCHPREISE: Butter koste derzeit relativ viel, weil die Nachfrage gut sei, so Andreas Gorn von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn. Die Preise ändern sich häufig. Für Trinkmilch und Frischmilchprodukte werden sie mit den Erzeugern in halbjährlichen oder jährlichen Verträgen festgeschrieben. Experten gehen davon aus, dass zum Herbst hin die Milchpreise wieder steigen werden, vor allem wegen der starken Nachfrage nach Butter. Preissteigerungen wegen geringerer Milchmengen sind derzeit nicht absehbar.

    Foto: dpa
  • BROT: Ob sich die schlechte Getreideernte auch auf die Brotpreise auswirkt, kann der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks noch nicht beantworten. Der Mehl- beziehungsweise Getreideanteil in Backwaren sei von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Preiserhöhungen seien von vielen Faktoren abhängig und könnten von Unternehmen zu Unternehmen variieren, sagt Mathias Meinke für den Zentralverband.

    Foto: dpa
  • MILCHVIEH: Auch viele Milchbauernhöfe in Norddeutschland leiden unter dem heißen und trockenen Wetter. Das von den Wiesen gemähte Grünfutter sei nicht so gehaltvoll und nährstoffreich wie notwendig, sagt Mathias Klahsen, Referent bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Situation sei regional sehr unterschiedlich. Allerdings verringere sich bei Temperaturen über 18 Grad Celsius auch die Milchleistung der Kuh. Die Landwirte müssten also mit geringeren Erträgen und höheren Futterkosten kalkulieren. Jedoch gebe es auch Regionen in Deutschland, die diese Trockenheitsprobleme nicht hätten, betont Verbands-Sprecher Börgermann.

    Foto: Gunnar A. Pier
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