Greven
Mi., 01.04.2009
Dachdeckerin oder Erzieher?
Greven - Erstaunlich: Die Mädchen bohrten und hämmerten, die Jungs wickelten Babypuppen. Aber einen kleinen Unterschied der Geschlechter gibt es immer noch, zu sehen beim Dekorieren einer Schaufensterpuppe...
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<1>Greven - Erstaunlich: Die Mädchen bohrten und hämmerten, die Jungs wickelten Babypuppen. Aber einen kleinen Unterschied der Geschlechter gibt es immer noch, zu sehen beim Dekorieren einer Schaufensterpuppe. Die weiblichen „Azubis“ rafften und schoppten T-Shirts,legten Tücher in Falten und Haare in Facon. Die Jungs schraubten erst mal die Arme des armen Modells ab. Wäre das denn nichts, Dekorateur im Einzelhandel? Die Schüler zucken die Schultern. „Spaß macht es schon - aber auf Dauer?“ Na ja. Vielleicht sind Jungs besser im Ausziehen als im Anziehen.
Die kleine Episode trug sich am Mittwoch im Ballenlager zu. Achtklässler der Justin-Kleinwächter-Realschule, der Marienhauptschule und der Johannesschule konnten dort erstmals „Berufsluft“ schnuppern, und zwar ganz praktisch. Bei Dachdecker Frank Missal beispielsweise durfen die Schüler Kupferregenrinnen bearbeiten, bei Cut 21 Lockenwickler eindrehen, bei Markus Holtmann bohren. Insgesamt waren 18 Firmen und Behörden aus Greven bei der Messe „Berufe begreifen“ am Start. „Das ist auch eine Veranstaltung für den Wirtschaftsstandort Greven“, ist sich Renate Kaiser von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sicher. Denn manchen Firmen fehle es an Bewerbern aus der Stadt. Das bestätigt Silke Weh von der Firma Fiege Tec, die Mechatroniker ausbildet. „Wir haben Bewerber aus Rheine und Steinfurt, aber eher wenige aus Greven.“ An einer Schaltwand dürfen die jungen Leute testen, ob es ihnen gelingt, Blinker zum Leuchten zu bringen. Übrigens soll jeder Schüler an jeder Station auch Station machen. „So entdecken die jungen Leute Fähigkeiten, die sie bei sich selbst nie vermutet hätten“, weiß Renate Kaiser. Und die Firmen haben die Chance, nach Talenten Ausschau zu halten und vielleicht schon jetzt Praktikanten anzuwerben. Kaiser: „Man muss an den Facharbeitermangel denken.“
Die Schüler jedenfalls nutzten das Angebot, überall wurde gewerkelt, viele Firmen hatten ihre Auszubildenden geschickt, die Rede und Antwort standen. „Das ist für uns der Einstieg ins Berufswahlverfahren“, lobte Konrektor Ingo Krimphoff von der Justin-Kleinwächter-Realschule die Veranstaltung, die bereits zum fünften Mal stattfindet. Und auch die Schüler sind zufrieden: „Da kann man mal ausprobieren, ob etwas auch wirklich Spaß macht.“
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