Greven

Mi., 02.06.2010

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„Das Gegenstück zu Fritz“

Zarte Blattstrukturen - der Blick des Betrachters wird in die Tiefe gezogen. (Foto: Gisela Pölking)
Von Ulrich Reske

Greven - Ihren Fritz, den trägt sie im Herzen und auf der Zunge. Doch Gisela Pölking war und ist mehr als die Frau des berühmten Tierfotografen, der vor knapp drei Jahren starb. „Das Gegenstück zu Fritz.“ Fotografisch gesehen, versteht sich. Für die Tierfotografie fehle ihr allerdings die Geduld. „Vielleicht eine Schnake im Gegenlicht“, zieht sie schmunzelnd die eher karge Summe ihrer tierfotografischen Versuche.

Gisela Pölking sieht sich als Naturfotografin. Sie fahndet nach Schönheiten in Blättern, Blüten, Ästen. Die können am Wegesrand stehen oder im heimischen Rosenbeet wachsen. „Etwas, das man sehen kann, das viele aber nicht erkennen,“ beschreibt sie ihre Motive. In ihrem neuen Bildband hat sie sich ganz den Rosen gewidmet, den „Liebesgedanken der Natur“.

Dabei geht es ihr nicht darum, einer schier unendlichen Buchliste über Rosensorten- oder -pflege einen weiteren Titel hinzu zufügen. „Einen grünen Daumen habe ich nicht.“ Sie sucht die Nähe zu Blüten, Blättern, Stempeln, Samen. „Je näher ich da heran gehe, desto mehr entfaltet sich ihre Pracht“, beschreibt die Fotografiemeisterin ihre Intention im Vorwort des zauberhaften Fotobands. Ein Design, das die Natur mit Liebe und Sinnhaftigkeit zeichnet, dokumentiert sie in dem gut 100-seitigen Band, der jetzt im Tecklenborg-Verlag erschienen ist.

Dabei arbeitet Gisela Pölking viel mit Unschärfe. „Da kommen die Farben umso plastischer heraus.“ Das Bild zum Buch-Auftakt zeigt einen roten Rosenkelch, der in gewünschter Unschärfe eine spiralförmige Bewegung offenbart, die den Blick des Betrachters in die unendlich anmutende Tiefe des Rosenkelchs zieht. „Schönheit“ entdeckt die Naturfotografin aber auch im Vergänglichen. „Die besonderen Strukturen eines verwelkenden Blattes“ reizen die Pölking genau so wie ein junger, sich frisch öffnender Blütenkelch.

Den beruflichen Werdegang seiner Frau hat Fritz Pölking mit Wohlwollen verfolgt. „Schöpfungsdesign“ - der erste große Bildband von Gisela Pölking erschien Weihnachten 2006, ein halbes Jahr vor dem Tod ihres Mannes. Auch da setzte sie ihre ganz eigenen Akzente. „Natur gesehen mit den Augen einer Frau“ lautet der Untertitel. „Männer sehen anders“, ist die Grevenerin überzeugt von einer durchaus geschlechtspezifisch geprägten Fotografie. Die unglaubliche Geduld, die etwa ein Tierfotograf auf der Suche nach seinem Motiv aufbringen muss, hat sie nicht, dafür den Blick für die Details, die oft in ihrer Summe das große Ganze bilden.

Gisela Pölkings „Liebesgedanken der Natur“ lassen die Gartenexpertin hinter der Naturfotografin vermuten. Doch da winkt sie lächelnd ab: Den großen Garten zuhause pflege der Gärtner.

» Gisela Pölking: Liebesgedanken der Natur. . . Tecklenborg-Verlag , 20 Euro


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