Müllerlehrling mit dem richtigen Know-how
Fr., 20.01.2012
Franz Thiemann als Zeitzeuge gefragt
Theo Thiemann (l.) und Franz Ahmann am Walzenstuhl, der wieder mahlfähig aufgebaut werden soll.
Horstmar-Leer -
Schmeddings Mühle soll in diesem Jahr wieder mahlfähig gemacht werden. Das ist das erklärte Ziel des Mühlen- und Heimatvereins Leer. Deswegen traf sich Vorsitzender Franz Ahmann jetzt mit Theo Thiemann, der von 1946 bis 1949 der erste und einzige Müllerlehrling bei Rudolf Schmedding war. Als wichtiger Zeuge weiß er, wie es in der Mühle damals ausgesehen hat. Wichtig für die weiteren Aktivitäten dort war es, aufzuklären, wo der Walzenstuhl ursprünglich mahlfähig gestanden hat und wie die Kraftübertragung von der großen Transmission im Mühlengetriebekeller aus erfolgt ist. Die Verantwortlichen wollen das große Zahnrad auf der Wasserradachse, das die Verbindung zur sogenannten Königswelle und der Transmission herstellt, wieder beschaffen. Dadurch wird der Mahlgang wieder zum Getreideschroten fürs Vieh und eben der Walzenstuhl zum Mahlen von Weizen für die Bäckereien wieder betriebsklar. Da Theo Thiemann Lehrling in der Zeit war, in der aus Energienot geboren, immer wieder für neue Antriebstechniken gesorgt wurde, konnte er auch darüber Auskunft geben. Von diesen verschiedensten Antriebstechniken ist das meiste noch vorhanden, was unter anderem den besonderen Reiz dieser Mühle ausmacht. Als Thiemann Lehrling wurde, wurde gerade der Sauggasmotor – mit Anthrazitkohlengas betrieben – auf Diesel umgebaut, da Strom sehr teuer geworden war. Schon in den 1930er Jahren war ein Elektromotor angeschafft worden, der heute noch vorhanden ist. Dieser war aber kurz vor dem Zweiten Weltkrieg beiseite gestellt und statt dessen ein Sauggasmotor installiert worden, der den Krieg über als Antrieb diente. Kohle bekam man, da in der Mühle Brotgetreide für die Heeresverpflegung gemahlen wurde.
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Doch so richtig lief der Sauggasmotor auf Diesel nicht, so dass ein gebrauchter 1-Zylinderdieselmotor MAH 714 der Firma Deutz mit offener Siedewasserkühlung Baujahr 1938 (noch vorhanden) beschafft wurde, um damit wenn nicht ausreichend Wasser für das Wasserrad vorhanden war, die Mühle anzutreiben.
Anfang der 1950er Jahre wurde er dann aber wieder durch den Elektromotor ersetzt und schließlich, um die meist nie ausreichende Wassermenge besser nutzen zu können, 1965 das Wasserrad durch eine Francis-Turbine zu ersetzen. Diese wurde allerdings nach Übernahme der Mühle durch den Förderverein Technische Denkmale 1996 wieder ausgebaut und im Motorenhaus aufgestellt, um aus Attraktivitätsgründen wieder ein Wasserrad zu installieren (1997 fertig). Optimale Wasserkraftnutzung hatte jetzt ja keine Bedeutung mehr.
