Do., 07.01.2016

Für die Nachwelt Interesse wächst mit dem Alter

Theo Bockholt hält das Archiv in den ehemaligen Räumen der Marienschule in Leer in Schuss. Der 76-Jährige ist sehr an der Geschichte des Dorfes interessiert und möchte sie der Nachwelt erhalten.

Theo Bockholt hält das Archiv in den ehemaligen Räumen der Marienschule in Leer in Schuss. Der 76-Jährige ist sehr an der Geschichte des Dorfes interessiert und möchte sie der Nachwelt erhalten. Foto: Franz Neugebauer

Horstmar-Leer - 

n den Räumen der ehemaligen Marienschule findet sich umfangreiches Material aus der Geschichte des Ortsteiles Leer. Dort hat Theo Bockholt Werke gesammelt und für die nächste Generation aufbewahrt. „In dem Archiv des Mühlen- und Heimatvereines ist in mühseliger Kleinarbeit wertvolles historisches Bildmaterial gesammelt worden“, lobte Historiker Hans-Jürgen Warnecke die Arbeit des 76-Jährigen, als er dort Bildmaterial für sein Buch über die örtliche Geschichte sichtete.

Von Franz Neugebauer

In den Räumen der ehemaligen Marienschule findet sich umfangreiches Material aus der Geschichte des Ortsteiles Leer. Dort hat Theo Bockholt Werke gesammelt und für die nächste Generation aufbewahrt. „In dem Archiv des Mühlen- und Heimatvereines ist in mühseliger Kleinarbeit wertvolles historisches Bildmaterial gesammelt worden“, lobte Historiker Hans-Jürgen Warnecke die Arbeit des 76-Jährigen, als er dort Bildmaterial für sein Buch über die örtliche Geschichte sichtete.

Ein eher beiläufiges Gespräch zwischen dem damaligen Vorsitzenden des Mühlen- und Heimatvereins, Franz Ahmann, und Gudrun Raus im Frühjahr 2009 könnte sich als Geburtsstunde des Leerer Archivs herauskristallisieren. Dabei erzählte die Gastwirtin, dass sie zahlreiche Feldpostbriefe und Dokumente des damaligen Leerer Kriegervereins besitzt. Es sei zu schade, diese zu vernichten, meinte sie.

Im Vorstand des Mühlen- und Heimatvereines reifte die Idee, diese und andere Zeugnisse aus der Geschichte des Dorfes zu erhalten. Mit Theo Bockholt fanden die Verantwortlichen gleich den richtigen Ansprechpartner und Idealisten für den Aufbau des Archivs. Als Poahlbürger interessiert sich der Senior sehr für die Familiengeschichte des kleineren Ortsteils von Horstmar.

Der leerstehende Teil des Schulgebäudes neben den Räumen des Jugendzentrums „Jule“ ist im Jahr 1954 eingeweiht worden. Nach dem Rückgang der Schülerzahlen wurde diese verschiedenen Zwecken genutzt. In der Aula war früher der Gottesdienstraum der evangelischen Kirchengemeinde un d die kleineren Räumen dienten als Sakristei.

In einem der Räume entstand das Heimatarchiv. Mitte der 50er Jahre fand dort der Werkunterricht mit Hauptlehrer Hermann Dertwinkel statt. „Wenn die Haare grau werden, interessiert man sich erst für alte Dinge, in jungen Jahren wirfst du vieles weg“, weiß der Pädagoge aus eigener Erfahrung. Der Nachwelt die Dokumente zu erhalten, sei immer wieder die Triebfeder für seine Tätigkeit gewesen, die oft mühsam war.

„Ich musste zunächst auf die Leute zugehen, die kamen nicht zu mir,“ erinnert er sich an die Anfänge seiner Arbeit für das Archiv. Inzwischen sei das anderes. Die Bürger hätten erkannt, wie sinnvoll diese Arbeit ist. Als Beispiel nennt Hermann Dertwinkel die Geschwister Rengers von der Straße am Bach. Sie haben ihm eine Urteilsausfertigung des Reichsgerichts in Leipzig aus dem Jahr 1899 übergeben. Damals ging es um Staurechte am Leerbach an der Besitzung Schulze Schleithoff. Ein Kassenbuch aus dem Jahre 1872 weist darauf hin, dass es damals einen Verein zur Erholung gab.

Einer Meldestatistik aus dem Jahr 1816 ist die Einwohnerzahl des Kirchspiels Leer mit 1109 zu entnehmen. Das Stadt Horstmar zählte damals 954 und das Kirchspiel Horstmar 383 Einwohner. Die Stadt Horstmar und das Kirchspiel Horstmar wurden im Jahre 1938 zusammengeschlossen.

Interessant ist ein Feststellungsbeschluss des Regierungspräsidenten aus Münster aus dem Jahre 1923. Es geht um den Bau der 100-KV-Leitung durch Leer. Die betroffenen Grundstückseigentümer mussten Beschränkungen durch das Aufstellen der Masten hinnehmen. Innerhalb eines Schutzstreifens von 24 Metern dürfen für die Dauer des Bestehens der Leitung keine Bauten errichtet werden, lautete eine der Auflagen. Stimmzettel für die Wahl der Vertretung der damals noch selbstständigen Gemeinde Leer lassen den Schluss auf Bewerbern aus den drei Parteien CDU, UWG und SPD zu.

Die Themen Kirche, dörfliche Vereine, Handwerk, Schule, Klassentreffen und Feuerwehr nehmen einen breiten Raum im Archiv ein. Theo Bockholt hat sie gut sortiert und in beschrifteten Kartons aufbewahrt.

„Man könnte die Dokumente noch besser auswerten“, ist sich der Senior sicher, doch dass wolle er der jüngeren Generation überlassen. Freuen würde er sich aber darüber, wenn sich noch mehr Menschern für die Sammlung interessieren würden. „Es lohnt sich auf jeden Fall“, kann man schon beim kurzen Rundblick feststellen. Jugendliche werden bei den Fotos ihre Großeltern bei verschiedensten Anlässen wie Klassentreffen, gemütlichem Beisammensein, beim Abschlussfoto eines Tanzkursus oder bei Stammtischen wiedererkennen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, und sich für das Archiv des Ortes Leer interessiert, kann sich bei Theo Bockholt, Zum Esch 43 unter Telefon 0 25 51/38 16 melden.

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