Di., 14.03.2017

Klinikum Ibbenbüren: Ansprüche der Patienten sind gestiegen Zahlen in der Notaufnahme steigen

Die chirurgische Notfallambulanz im ehemaligen Elisabeth-Krankenhaus Ibbenbüren hat eine Menge zu tun: Maria Kuschel ist Bereichsleiterin chirurgische Ambulanz, Dr. Ludger Reekers ist der ärztliche Direktor des Klinikums Ibbenbüren.

Die chirurgische Notfallambulanz im ehemaligen Elisabeth-Krankenhaus Ibbenbüren hat eine Menge zu tun: Maria Kuschel ist Bereichsleiterin chirurgische Ambulanz, Dr. Ludger Reekers ist der ärztliche Direktor des Klinikums Ibbenbüren. Foto: Sabine Plake

Tecklenburger Land - 

Die chirurgische Notfallambulanz im früheren Elisabeth-Hospital in Ibbenbüren. So gut wie jeder war schon mal dort. Viele fühlen sich gut versorgt, andere klagen über die Wartezeiten. Im Interview geben Maria Kuschel, Bereichsleiterin chirurgische Ambulanz, und der ärztliche Direktor des Klinikums Ibbenbüren, Dr. Ludger Reekers, einen Blick hinter die Kulissen.

Von Sabine Plake

Es heißt, die Zahlen in der chirurgischen Notaufnahme an der Großen Straße steigen. Stimmt das, und was ist eigentlich ein Notfall aus Ihrer Sicht ?

Ludger Reekers: Ja, die Zahl der Patienten hat zugenommen. Wir haben mehr Unfallpatienten und akute Erkrankungen zu behandeln. Zu uns kommen aber auch Patienten, die sich nicht wohlfühlen. Sie kommen zu uns mit der Bitte: Ich fühle mich nicht gut, können Sie mal nachschauen. Wir untersuchen jeden Patienten und entscheiden dann über die Weiterbehandlung. Wir beurteilen, ist das ein Fall für das Krankenhaus oder für den hausärztlichen Dienst. Aber auch eine kleine Schnittwunde muss versorgt werden, eine Tetanus-Impfung gemacht werden. Auch der Patient, dessen Katheter zu sitzt, bedarf der Hilfe und er kommt zu uns. Und Bauchschmerzen können vieles sein.

Maria Kuschel: Bei den Patienten, die wir hier haben, sind überwiegend Unfallopfer, aber auch Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Bauchschmerzen und so weiter. Das sind auch Patienten mit Halsschmerzen, Zahn- und Augenschmerzen. Es kommen auch Patienten mitten in der Nacht, weil der Zahnarzt gerade nicht geöffnet hat. Dann fragen wir auch schon mal: Haben Sie schon Schmerzmittel genommen ? Und die Antwort lautet dann: „Ich dachte, das kriege ich hier.“

Wie viele Patienten kommen im Schnitt in die Notfallambulanz ?

Kuschel: In der Regel sind es 50 bis 60 am Tag. In Spitzenzeiten sind es bis zu 90.

Es heißt, manchmal fehle Großmutters Regulativ, so nach dem Motto: Ist nicht so schlimm. Mach einfach mal ein Pflaster drauf.

Kuschel: Ja, der Anspruch der Patienten ist gestiegen. Es gibt das Bedürfnis, abzuklären, wie krank man ist, also der Wunsch nach unbedingter Sicherheit. Da kommen zu uns auch Eltern, deren Kind erhöhte Temperatur hat. Früher hätte da Großmutters Tipp geholfen, erst einmal ein paar Wadenwickel zu machen.

Reekers: Aber unser Gesundheitssystem bietet natürlich auch die Möglichkeit an, bei Beschwerden einen Arzt zu konsultieren. Wir nehmen die Beschwerden und Sorgen ernst.

Es heißt, die Zahl der Patienten hat zugenommen, seitdem der Notdienst der niedergelassenen Ärzte umstrukturiert worden ist. Insbesondere beim Fahrdienst soll es lange Wartezeiten geben.

Reekers: Ich habe keinen tiefen Einblick in die Organisation und kann mir kein Urteil erlauben.

Apropos Warten. Auch über die Notaufnahme gibt es Beschwerden, dass man dort sehr lange warten muss.

Reekers: Ja, es kommt schon vor, dass jemand lange warten muss. Wir behandeln nach Schwere der Erkrankung. Im Wartebereich wird dann keiner mehr aufgerufen, wenn vorne der Rettungsdienst mit einem erkrankten oder schwer verletzten Patienten hereinfährt. Das sieht im Wartebereich natürlich keiner. Sicher können viele Patienten von Fällen berichten, in denen sie lange warten mussten. Aber ich kann versichern, dass Wartezeit immer einen Grund hat. Jeder Patient bekommt die Zeit, die er benötigt. Das kann im Einzelfall dann auch mal länger sein.

Kuschel: Wenn jemand im Schockraum behandelt werden muss, dann hat der Vorrang, und dann werden dort auch Kräfte konzentriert. Das kann auch schon mal eine Stunde dauern.

Anderswo gibt es Systeme, die die Behandlungsdringlichkeit einschätzen, beispielsweise das sogenannte Manchester-Triage-System. Bei einem Notfall werden Kranke sofort behandelt, bei nicht dringenden Erkrankungen rutschen sie auf der Prioritätenliste nach unten. Wie ist das in Ibbenbüren ?

Reekers: Auch in der chirurgischen Notaufnahme gilt das Prinzip der Sichtung und Behandlung nach Schweregrad. Das Manchester-Triage-System wird bereits jetzt geschult und eingeführt. Manche Ärzte haben sehr viel Erfahrung. Da geht es manchmal schneller. Aber Ärzte mit Erfahrung wachsen nicht auf den Bäumen. Wir müssen akzeptieren, dass es auch nicht so routinierte Ärzte gibt. Aber für jeden Fachbereich steht Tag und Nacht ein Chef- oder Oberarzt bereit, der bei Bedarf unterstützt.

Hier und da werden Beschwerden darüber laut, dass die Ärzte den Patienten nicht verstehen oder die Patienten die Ärzte nicht.

Reekers: Wir haben viele Ärzte ausländischer Herkunft. Das ist in Ibbenbüren nicht anders als in anderen Kliniken. Es sind hervorragende Kollegen, die alle kostenlose Sprachkurse seitens der Matthias-Stiftung erhalten. Manchmal kann ja auch mal ein Arzt oder eine Schwester übersetzen. Ja, wir wissen, dass es manchmal ein Problem gibt, aber die Situation ist vorgegeben. Der Arbeitsmarkt gibt es nicht anders her.

Wie viele Ärzte arbeiten in der chirurgischen Notfallambulanz ?

Reekers: Es gibt einen Unfallchirurgen und einen Allgemein-Chirurgen. Diese bekommen je nach Bedarf Verstärkung von den Oberärzten oder Chefärzten. Am Wochenende sind zwei Ärzte für die Notfallambulanz und die Klinik zuständig. Zudem gibt es einen Gynäkologen und zwei Neurologen. In allen Abteilungen gibt es zusätzlich Rufbereitschaften. Das ist in der inneren Medizin im Bereich Bodelschwingh genauso.

Eine Klinik in Osnabrück beklagt, dass jeder ambulante Fall ein Minusgeschäft von 90 Euro ist. Nur die stationäre Aufnahme würde sich lohnen. Schuld sei das starre Abrechnungssystem der Krankenkassen.

Reekers: Die Ambulanz ist ein Zusatzgeschäft.

Was halten Sie von sogenannten Portalpraxen, die die Politik vorschlägt ? Dann ist ein Kassenarzt den Notaufnahmen vorgeschaltet. Zudem befindet er sich oft mit im Gebäude.

Reekers: Mit der Einhäusigkeit werden wir noch um einiges enger mit der Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte zusammenrücken. Die ist ja gleich um die Ecke. Das funktioniert auch heute schon sehr gut. Wir schicken unsere Patienten dorthin, wenn das Krankheitsbild etwas für den Hausarzt ist und andersherum schicken die niedergelassenen Ärzte uns Patienten, wenn sie es für nötig halten.

Man hört, dass die Aggressionen gegen das Krankenhauspersonal zunehmen. Stimmt das ?

Kuschel: Ja, das wird mehr. Es ist nicht die Regel. Aber es gibt sie. Vor allen Dingen die verbalen Auseinandersetzungen, aber auch die Bedrohungen. Oft erleben wir das, wenn Silvester oder Kirmes ist. Es gibt auch Diskussionen um Wartezeiten, die wir leider nicht immer vermeiden können. Wir versuchen dann, zu erklären, woran es liegt, wenn es mal länger gedauert hat.

Reekers: Es ist schon mal vorgekommen, dass das Personal von sehr aufgebrachten Patienten bedroht wurde, aber das ist doch die seltene Ausnahme.

Was ist der Grund für die Aggression ?

Reekers: Ganz häufig sind Alkohol oder Drogen im Spiel.

Müssen Sie so einen Aggressor überhaupt behandeln ?

Reekers: Kein Arzt und keine Schwester müssen sich selbst gefährden. Aber wir müssen prüfen, ob der Patient einsichtsfähig ist. Wenn seine Einsichtsfähigkeit eingeschränkt ist, kann er nicht einschätzen, dass er sich vielleicht in Lebensgefahr befindet oder sich in eine lebensgefährliche Situation bringt. Im schlimmsten Fall brauchen wir dann eine richterliche Entscheidung, um ihn zu behandeln.

Haben Sie das Gefühl, das ist manchmal ein Problem der Nationalität ?

Kuschel: Nein!

Reekers: Darunter sind auch gestandene Ibbenbürener.

Werden Ihre Mitarbeiter in Selbstverteidigung geschult ?

Kuschel: Wir haben Deeskalationsseminare. Da ist auch Selbst- und Eigenschutz ein Thema.

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