Mi., 10.12.2014

Hartwig Gravemeier sorgt sich um seine Pferde Was treiben Jäger auf der Koppel?

Hatte große Sorge um seine Pferde: Hartwig Gravemeier. Der 61-Jährige kann nicht verstehen, dass jüngst eine Treibjagd über seine Koppel geführt hat.

Hatte große Sorge um seine Pferde: Hartwig Gravemeier. Der 61-Jährige kann nicht verstehen, dass jüngst eine Treibjagd über seine Koppel geführt hat. Foto: Wilhelm Schmitte

Ladbergen - 

„Hier gibt es weder Hase noch Fasan. Ich weiß nicht, was geschossen werden sollte.“ Hartwig Gravemeier schüttelt verständnislos den Kopf. Eine Treibjagd, die kürzlich stattgefunden hatte, bereitet ihm Verdruss. Treiber und Jäger seien über seine Koppel gelaufen und hätten die Pferde scheu gemacht, sagt er.

Von Wilhelm Schmitte, Sigmar Teuber

Der Ladberger Gravemeier hat landwirtschaftliche Gebäude und Flächen angepachtet. Am frühen Nachmittag kommen Treiber und Jäger mit Hunden auf seine Pferdekoppel. Zwei Tiere scheuen und drohen in Panik zu geraten, schildert der 61-Jährige das Geschehen.

Gravemeier bittet, die Treibjagd auszusetzen. Sein Wunsch bleibt ungehört. Die Tiere kann Gravemeier wieder beruhigen. Es passiert glücklicherweise nichts. Aber: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass Jäger und Treiber durch eine Wiese gehen, auf der Pferde stehen.“ Es sei bereits die zweite Treibjagd in diesem Jahr gewesen. Gravemeier: „Die war nicht angekündigt. Warnschilder habe ich auch nicht gesehen“.

Anzeige nicht möglich

Mit seinem Ansinnen, bei der Polizei Anzeige zu erstatten, kommt er nicht weiter. „Man hat mir gesagt, dass Jäger über die Wiese gehen dürfen.“ Damit will sich Gravemeier nicht zufrieden geben: „Ich werde über meinen Anwalt eine Eingabe an die Obere Jagdbehörde machen.“

Wie schnell ein Pferd vor ein Auto laufen könne, sei erst vor wenigen Wochen in Lengerich deutlich geworden. Die viel befahrene Münsterstraße in Kattenvenne liegt um der Ecke. Ebenso die Bahnstrecke Osnabrück-Münster.

Auch in den Vorjahren hat es auf dem Ladberger Moor Ärger um Treibjagden gegeben. Ein Anwohner, ehemals wie andere auch „Zwangsmitglied“ einer Jagdgenossenschaft, hat es geschafft, dank neuerer Rechtsprechung aus diesem Verbund auszuscheiden. Jagden dürfen seitdem nicht mehr über sein Grundstück geführt werden.

Eigentümer gab grünes Licht

Die Treibjagd, die nach den Worten von Hartwig Gravemeier wohl über dessen Koppel geführt hat, wurde offenbar von Jagdpächter Rudolf Bodi veranstaltet. Gravemeier sei zwar Pächter, nicht aber Besitzer des betroffenen Areals, berichtet der Waidmann auf Nachfrage der WN. Mit dem Eigentümer sei aber gesprochen worden. Dieser habe für die Jagd „grünes Licht“ gegeben.

Auch das deutsche Jagdrecht ist wohl auf der Seite von Rudolf Bodi. Es gestattet dem Jagdpächter, seinem Hobby auf allen Grundstücken im Revier nachzugehen.

Treibjagden würden von ihm in der Regel einmal im Jahr durchgeführt, so Bodi. Vom 16. Oktober bis zum 31. Dezember sei das vom Gesetzgeber erlaubt. Das soll auch Hartwig Gravemeier bekannt sein.

Akt der Höflichkeit

Josef Daniel Jasper, 1. Vorsitzender der Kreisjägerschaft Steinfurt, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass Gravemeier die Jagd auch auf dem von ihm gepachteten Grundstück wohl dulden müsse. Nach neuer Rechtsprechung europäischer Richter sei es Grundbesitzern zwar nach genauer Prüfung durch die Kreisjagdbehörde möglich, „aus Gewissensgründen“ keine Jagd auf ihrem Areal zu dulden. Einen entsprechenden Antrag habe der Eigentümer der Fläche Am Venn aber offenbar nicht gestellt.

„Die Pflicht, eine Treibjagd anzukündigen, besteht nicht“, sagt Jasper. Wohl aber sei es ein Akt der Höflichkeit, es zu tun.

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