Sa., 20.08.2016

Brombeeren Süße Frucht mit ekligen Stacheln

Reife und noch nicht reife Brombeeren an einem Strauch sind normal. Stefanie Fornfeist rät aber, die Beeren nur dann zu pflücken, wenn man sich zu 100 Prozent sicher sei, dass es Brombeeren – die zu den Rosengewächsen zählen – sind. Es gebe viele andere rote Beeren ähnlichen Aussehens, die der Gesundheit nicht zuträglich oder gar giftig seien.

Reife und noch nicht reife Brombeeren an einem Strauch sind normal. Stefanie Fornfeist rät aber, die Beeren nur dann zu pflücken, wenn man sich zu 100 Prozent sicher sei, dass es Brombeeren – die zu den Rosengewächsen zählen – sind. Es gebe viele andere rote Beeren ähnlichen Aussehens, die der Gesundheit nicht zuträglich oder gar giftig seien. Foto: Michael Baar

Ladbergen - 

Stefanie Fornfeist kennt sich aus, nicht nur mit Brombeeren. Die Kräuterpädagogin weiß nicht nur, wo im Heidedorf die süßesten Früchte wachsen, sondern kennt auch leckere Rezepte und kurzweilige Geschichten.

Von Michael Baar

Tief dunkelblau, fast schon schwarz sind die Früchte. „Würden Sie die essen?“, will Stefanie Fornfeist wissen. Der Blick wandert von den Brombeeren zur Kräuterpädagogin. Die kleinen Kugeln sehen verlockend aus, aber irgendwas in der Stimme der Ladbergerin mahnt zur Vorsicht. Nein, wegen der Nähe zur Straße, lautet schließlich die Antwort. Stefanie Fornfeist schmunzelt über das Zögern bei der richtigen Antwort. „Ja“, bestätigt sie schließlich und schiebt die Begründung gleich hinterher: „Wenn Früchte so nah an dicht befahrenen Straßen wachsen, würde ich sie nicht essen.“

Das Rauschen des Verkehrs an der Kreuzung Erpenbecker Straße/Bundesstraße 475 klingt wie eine Bestätigung dieser Einschätzung. Aber eine Brombeere kann doch nicht so schlimm sein? „Früchte, die an Ackerflächen wachsen, würde ich auch nicht essen“, beendet die Stimme der Fachfrau diesen Gedankengang. Allein wegen des Einsatzes von Spritzmitteln, folgt die Begründung. Und in Naturschutzgebieten bleiben die dunklen Beeren am Strauch. „Pflücken verboten“, erinnert sie an die gesetzliche Vorgabe.

Brombeeren-Wähe

Stefanie Fornfeist empfiehlt folgendes Rezept für eine Brombeer-Wähe:Für den Teig150 g Butter200 g Magerquark1 Prise Salz1 Ei50 g Zucker300 g feines Dinkelmehl2 TL BackpulverFür den Belag400 g wilde Brombeeren200 g Creme fraiche2 Päckchen Vanillezucker1 Ei, Zimtpulver nach Geschmack1 Handvoll Haselnüsse in ScheibenPuderzucker zum BestäubenZuerst die Butter bei kleiner Temperatur schmelzen und etwas abkühlen lassen. Dann den Quark mit dem Ei, dem Salz und dem Zucker cremig rühren. Unter Rühren 100 ml von der geschmolzenen Butter zugeben.Mehl und Backpulver mischen und mit den Knethaken des Handrührers unterkneten. Zum Schluss den Teig mit den Händen kneten. Dann für mindestens 10 Minuten abgedeckt im Kühlschrank ruhen lassen.In der Zwischenzeit die Brombeeren verlesen und waschen. Die Creme fraiche mit dem Vanillezucker und dem Ei cremig rühren. Vanillezucker und Zimt zugeben.Nun den Teig auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech oval ausrollen. Den Teig am Rand rundherum einrollen, so dass eine dicke Kante entsteht. Alles mit dem Rest der flüssigen Butter einstreichen. Nun die Creme-fraiche-Masse und die Brombeeren in der Mitte des Kuchens verteilen.Backzeit: 20 – 25 Minuten bei 175 ° (Heißluft), untere Schiene.Den fertigen Kuchen etwas abkühlen lassen und zum Schluss dekorativ mit Puderzucker bestäuben.Guten Appetit!

Wo es Früchte gibt, von denen man ohne Bedenken naschen kann, zeigt Stefanie Fornfeist während des kurzen Rundgangs. An Pättken, die sich kreuz und quer durch die münsterländische Parklandschaft ziehen und auf denen nur ab und an mal ein Auto fährt. Dort finden sich alle naselang Ranken, an denen jetzt im August dunkle, reife Brombeeren in schöner Eintracht mit hellroten, unreifen Früchten hängen.

Früher ist Rubus fruticosus, so der lateinische Name, als Weidebegrenzung genutzt worden. Denn neben den süßen Früchten gibt es eklige Stacheln , an denen sich Naschkatzen schnell mal piksen. So ganz nebenbei erläutert die Ladbergerin, dass die Brombeere zu den Rosengewächsen gehört – und deshalb Stacheln hat. Keine Dornen, denn die kann man nicht abknibbeln, ohne den Pflanzenstiel zu verletzen.

Die Stacheln sind auch praktisch, weil sich die Brombeere so an anderen Gehölzen einhaken und daran hochranken kann. Kleine Widerhaken an den Stachelspitzen sorgen dafür. Die fünf Blütenblätter sind ein weiteres Indiz für die Verwandtschaft mit der Rose. Dass die Zahl der Staubgefäße immer durch Fünf teilbar ist, lässt sich nicht überprüfen. Die Blütezeit ist vorbei. Stefanie Fornfeist zeigt ein Foto. So viel Zeit, um die Staubgefäße zu zählen, ist jetzt auch nicht.

Der Brombeermann

Frau Holle, die den meisten Menschen nur als Schnee bringende Frau bekannt ist, war aber noch viel mehr. In früheren Zeiten galt sie den Menschen als Göttin und war oft auf Bergen, Hügeln und Tälern in unserem schönen Land unterwegs.Eines Tages machte sie zusammen mit ihren Elfen und Wichteln einen Ausflug auf einen hohen Berg. Es war Sommer und alles grünte und blühte um sie herum. Die Sonne brannte vom Himmel.Frau Holle suchte sich mit ihrem Gefolge einen Platz im Schatten, um sich dort ein wenig auszuruhen. Wie entspannend es war, die Natur in ihrer Pracht und Fülle zu beobachten. Sie begann, ein Binsenkörbchen zu flechten. In der Zwischenzeit tanzten ihre Elfen auf einer wunderschönen Blumenwiese und ihre Wichtelmänner schlugen aus lauter Übermut einen Purzelbaum nach dem anderen.Nur der etwas größere Wurzelmann, Frau Holles Lieblingszwerg, hatte etwas Besseres zu tun. Er hatte die Aufgabe, Frau Holles Schatz, welcher in einer Goldtruhe aufbewahrt wurde, zu bewachen. Was hatte Frau Holle nur für wunderschönen Schmuck! Ringe, Reifen, Ohrringe, goldene Spangen, Kronen und Ketten! Es machte dem Wurzelmann besonders Spaß, in diesen Schätzen zu wühlen. Er steckte sich einige Ringe an den Finger, setzte sich ein Krone auf den Kopf und schlang sich sogar eine Perlenkette um sein kleines Bäuchlein.Göttin Holle drohte ihm lächelnd mit dem Finger. Aber das störte ihn nicht! Er sprang trotzdem über Stock und Stein. Und da war es auch schon geschehen! Er blieb mit der Kette an einer dichten Rosenhecke hängen. Er spuckte in die Hände und zog mit seiner ganzen Kraft an den Perlen und so passierte das Unvermeidliche – die Kette riss und alle Perlen kullerten ins Gras, Moos und Gestrüpp.Ängstlich schrie der Wurzelmann auf, so dass die Elfen aufhörten zu tanzen und die Wichtelmänner keine Purzelbäume mehr schlugen. Es war mucksmäuschenstill. Eilig fing der Wurzelmann an, die Perlen wieder aufzusammeln. Selbstverständlich wollten ihm alle Zwerge und Elfen helfen. Aber – was war das? Wo eben noch rote, blaue, violette und schwarze Perlen lagen, waren jetzt Erdbeeren, Himbeeren, Preiselbeeren und ganz, ganz viele Brombeeren.Da hörten sie Frau Holle leise lachen. „Was hast du getan?“ tadelte sie ihn, „das war die Kette, die ich zur Hochzeit von Wotan geschenkt bekommen habe! In dem Feuer der Perlen brennt meine lebensspendende Liebe! Wird die Kette aber zerrissen, verwandeln sich die Perlen in Beeren. Du hast jetzt nur noch eine Möglichkeit, die Kette wieder zu schließen. Du musst die Beeren in dieses Binsenkörbchen sammeln! Aber es müssen alle Beeren in dem Körbchen sein, bevor die Sonne untergegangen ist und der Waldkauz schreit! Erst dann ist der Bann gebrochen und die Kette wieder geschlossen.“Der Wurzelmann war überglücklich, als er das hörte und bat Frau Holle, gleich mit dem Suchen anfangen zu dürfen. „So sei es!“ rieg sie ihm zu, „Suche fleißig nach meinen Perlen – verlier dabei aber weder deine Geduld noch deinen Mut!“ Rasch stand Frau Holle auf und verließ den Berg mit einem leisen Klingen. Schnell folgten ihr die Elfen und Wichtel.Da stand nur der arme Wurzelmann ganz allein mit dem Binsenkörbchen in der Hand. Aber der Mut verließ ihn nicht und er fing sofort mit der Suche nach den Beeren an. Er eilte von Hecke zu Hecke und von Strauch zu Strauch. Als er die letzte Beere in sein Körbchen werfen wollte, war die Sonne hinter den Hügeln verschwunden und der Waldkauz schrie sein unheimliches „UHUUU, UHUU“. Und was passierte? Das Körbchen war leer und alle Beeren hingen wieder an den Hecken und Sträuchern.Am nächsten Tag fing der Wurzelmann wieder an, zu sammeln. Und ihr könnt euch sicher denken, was am Abend wieder geschah. Gerade hatte er die letzte Beere entdeckt, da verlosch der letzte Sonnenstrahl, der Waldkauz schrie, sein Körbchen war wieder leer und alle Beeren hingen wieder an den Hecken und Sträuchern. Und so ging es immer weiter. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr um Jahr.Die Hochzeitskette von Frau Holle wollte und wollte sich nicht wieder schließen. Lange, sehr lange im Talkessel die Kette von Frau Holle. Sie bescherte einen reichen Beerensegen. Rund um den Berg wuchsen Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und vor allen Dingen – Brombeeren.Und der Wurzelmann? Er versucht jeden Tag wieder sein Glück und sammelt eifrig weiter, um am Abend mit leerem Körbchen da zu stehen. Alt ist er inzwischen geworden, uralt. Seine Hose hat Flicken und ist zerrissen, sein braunes Hemd hat schon viele Löcher, sein Hut ist verwittert und er trägt einen langen Bart.Endlich hat Frau Holle ein Einsehen mit dem armen Wurzelmann. Als tausend Jahre vergangen sind und er wieder verzweifelt nach der letzten Beere greifen will, nimmt sie selbst die Beere und legt sie in das Binsenkörbchen. Der Bann ist nun gebrochen und die Kette wieder fest geschlossen. Die Elfen jubeln und tanzen, die Wichtel fangen wieder an, Purzelbäume zu schlagen. Aber am meisten freut sich der Wurzelmann, der seither nur noch Brombeermann genannt wird.Nacherzählung der Sage vom Brombeermann in Wanfried

An einer Wiese ist der nächste Brombeerbusch zu sehen. Ein Griff und eine Frucht ist gepflückt. Eine Sammelsteinfrucht, um genau zu sein. Denn jede Brombeere setzt sich aus vielen kleinen Kugeln zusammen. Und jedes Kügelchen umhüllt einen kleinen Kern beziehungsweise Stein. Die Brombeere ist zum Glück in rund einem Meter Höhe gepflückt worden. „Ab Hüfthöhe würde ich pflücken“, sagt die Fachfrau. Früchte, die niedriger hängen, könnten von Tieren berührt worden sein oder Spuren von deren Exkrementen tragen.

Dass diese Frucht schon vor Jahrtausenden bekannt war, belegen Funde in steinzeitlichen Gefäßen. Auch die Hagebutte wurde von den Altvorderen schon genutzt. Ein Schlehenbusch steht am Wegesrand. Was man mit dessen Früchten machen kann? Unwillkürlich gehen die Gedanken zurück in die Kindheit, als die Großen im Sommer immer von Schlehen-Schluck sprachen.

Diese Möglichkeit kennt Stefanie Fornfeist auch. Aber darum geht es jetzt nicht. Sie pflückt eine Frucht, reicht sie zum Probieren. Wonach die schmeckt? Erst sauer, dann zieht sie die Mundschleimhäute zusammen, ist etwas herb im Abgang. Das liege an den Gerbstoffen, erläutert die Kräuterpädagogin. Die würden beispielsweise auch Wunden zusammenziehen, wenn man sie auflege. Gegen Durchfall und bei Entzündungen im Mund könnte man Schlehen einsetzen.

Auch die Brombeere hat es – gesundheitlich gesehen – in sich. Acht Prozent des Blattes  sind Gerbstoffe. Trocknet man die Blätter, lässt sich daraus ein Tee aufgießen. Ketchup lässt sich auch daraus herstellen, jedenfalls von der Fachfrau. Ein Griff in den Korb – „den trage ich immer bei mir“ – fördert ein kleines Gläschen zu Tage – mit Brombeer-Ketchup. Schmeckt gar nicht so fruchtig wie erwartet, hat eine leichte Schärfe und könnte gut zu Käse passen.

„Ach, die Vogelbeere“, lacht Stefanie Fornfeist, als sie diesen Baum sieht. „Schon mal probiert?“ Sämtliche Schreckensgeschichten aus der Kindheit sind auf einen Schlag im Kopf. Giftig! Verboten! Daran stirbt man! Sie kennt diese Ermahnungen auch. „Eine ist nicht so schlimm. Isst man einige mehr, kann das zu Durchfall führen“, beruhigt sie. Also reingebissen. Ziemlich bitter. Das nächste Mini-Gläschen taucht aus dem Korb auf: Kandierte Vogelbeeren. Schmecken fast wie Rosinen.

Am Ende der Tour gibt´s zwei Zugaben: Die Geschichte vom Wurzelmännchen und ein Stück Brombeerkuchen. Lecker!

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