Sa., 13.02.2016

Politisches Kabarett mit Christoph Tiemann Im Disput mit göttlichen Mächten

Eine bissig-böse Abrechnung mit politischen und gesellschaftlichen Größen servierte Christoph Tiemann bei seinem Auftritt auf der Kulturbühne Ladbergen dem begeisterten Publikum.

Eine bissig-böse Abrechnung mit politischen und gesellschaftlichen Größen servierte Christoph Tiemann bei seinem Auftritt auf der Kulturbühne Ladbergen dem begeisterten Publikum. Foto: Axel Engels

Ladbergen - 

Die Organisatoren der Kulturbühne Ladbergen schaffen es immer wieder, attraktive und amüsante Veranstaltungen mit Niveau anzubieten. Jetzt haben sie den bekannten Politkabarettisten Christoph Tiemann mit seinem Programm „Jetzt wird‘s gewöhnlich“ verpflichtet.

Von Axel Engels

Die Zuhörer der ausverkauften Veranstaltung wurden mit einer bissig-bösen Abrechnung mit politischen und gesellschaftlichen Größen verwöhnt. Vor seinem kabarettistischen Seziermesser war niemand sicher, selbst längst „Verstorbene“ dienten ihm als Opfer seiner mit schwarzem Humor durchtränkten Plaudereien. Sympathisch gab er sich wie ein in edlem Zwirn gekleideter Versicherungsmensch, aber was er dem begeisterten Publikum anbot, waren süffisante Anrechnungen mit Akribie und Feinsinn.

Christoph Tiemann machte sich auf zum Kampf gegen das Gewöhnen und da hatte der Mann aus dem Ruhrgebiet mit Münsteraner Wahlheimat Einiges zu bieten. Gelangweilt vom TV-Programm zeigte er eine Welt jenseits der Flimmerkiste. Denn Kochshows und Talkrunden a la Markus Lanz sind eben nicht die lebensbestimmenden Dinge, eher die Auswüchse menschlicher Unzulänglichkeiten.

Dabei schaute er weit über den Tellerrand hinaus, vergaß dabei nicht die in der Unbedeutsamkeit versunkene FDP. Selbst Mutti Angie fiel seinem scharfen Blick zum Opfer. Rein psychologisch ordnete er ihr Aussitzen politischer Skandale in eine Reihe ein mit tibetischen Mönchen. Selbst der Kameramann der Kulturbühne mutierte bei ihm zum Vertreter der allgegenwärtigen NSA.

Gewöhnlich waren an diesem Abend wohl nur die Opfer des politischen Agitators, denn das Dschungelcamp hatte es ihm besonders angetan und da kann man ja solche Begriffe wie Niveau und Intellekt mit dem Elektronenmikroskop suchen. Den Grimme-Preis für solch ein Spektakel zu verleihen setzte er gleich mit dem kulturellen Untergang der ganzen Nation.

Grandios war sein Disput mit den göttlichen Mächten. Wenn er Marcel Reich-Ranicki mit einem transzendentalen Literaturquartett zum Leben erweckte, glänzte er nicht nur mit virtuosem Sprachgebrauch, sein Talent als Imitator brachte er perfekt ein. Wenn er den im vergangenen Jahr verstorbenen Helden wie Winnetou, Mr. Spock und Dracula ein kabarettistisches Denkmal setzte, war dies einfach große Kunst auf kleiner Bühne.

Das Publikum ließ sich von diesem wortgewandten Mann bereitwillig sogar in die südlichste Provinz der Republik entführen. Bei Christoph Tiemann als bayrischem Urgestein Seehofer wurde der Saal zu einem blau-weiß geschmückten Bierzelt, in der die Führung der CSU sich ohne irgendwelche Hemmungen blamieren konnte. Christoph Tiemann schlüpfte als versierter Schauspieler in die verschiedenen Rollen, suchte und fand dabei immer den direkten Kontakt zum Publikum.

Solch einen spritzigen Abend mit einem Feuerwerk an kabarettistischen Spitzen erlebt man nicht so häufig, da muss man schon nach Ladbergen fahren.

Leserkommentare

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

Vielen Dank für Ihre Bewertung.

Nur eine Abstimmung möglich!

Ihre Bewertung wurde geändert.

  • Derzeit 0 von 5 Sternen.
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bewertung: 0/5

1 Stern = überhaupt nicht gut; 5 Sterne = hervorragend

Google-Anzeigen

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3805761?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F173%2F