Anzeige

Mi., 18.05.2016

Vor 770 Jahren in Ladbergen gegründet: der Erste Westfälische Städtebund Vorgänger der Hanse

Faksimile der Urkunde aus dem Jahr 1246, die im Staatsarchiv Minden aufbewahrt wird. Die Ladberger „Arche“-Kommission des Heimatvereins, im Bild mit Prof. Beinke, will die Gründung des Westfälischen Städtebundes wegen ihrer historischen Bedeutung wieder stärker ins Bewusstsein heben.

Faksimile der Urkunde aus dem Jahr 1246, die im Staatsarchiv Minden aufbewahrt wird. Die Ladberger „Arche“-Kommission des Heimatvereins, im Bild mit Prof. Dr. em. Lothar Beinke, will die Gründung des Westfälischen Städtebundes wegen ihrer historischen Bedeutung wieder stärker ins Bewusstsein heben. Foto: Michael Schwakenberg

Ladbergen - 

Vom Ladberger Marktbund haben nur wenige Menschen gehört. Dabei handelt es sich nicht um einen Zusammenschluss von Wochenmarkt-Händlern. Der Ladberger Marktbund ist vor 770 Jahren gegründet worden und wurde zum Ausgangspunkt des Hansebundes. Eine Kommission, zu der auch Mitglieder des Heimatvereins gehören, hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Dr. Gustav Altevogt beschreibt, wie es zur Gründung dieses Bundes gekommen ist:

Der Ladberger Marktbund ist Grundlage der Deutschen Hanse. Der 22. Mai 1246 markiert einen wichtigen Eckpunkt in der Geschichte Ladbergens und Nord-Westfalens. Darüber hinaus beeinflusst dieses Datum einen Teil der mitteleuropäischen Geschichte für etwa fünf Jahrhunderte.

Am 22. Mai 1246 trafen sich in Ladbergen die Vertreter der Städte Minden, Herford, Osnabrück und Münster , um den „Ladberger Marktbund“ zu gründen. Er wurde der erste Westfälische Städtebund und zur Grundlage des im Mittelalter mächtigen „Deutschen Hansebundes“. Sieben Jahre später trafen sich auf der Lippebrücke in Werne Vertreter der Städte Münster, Dortmund. Soest und Lippstadt, um den zweiten Westfälischen Städtebund zu beschließen.

Beide Bünde hatten die gleiche Zielsetzung, ihre handeltreibenden Bürger, die weit über Land zogen, um ihre Waren zu verkaufen, vor räuberischen Banden zu schützen. Dieses Unwesen hatte im Lauf der Zeit immer mehr zugenommen, je weniger die Staatsgewalt im Lande ihre Macht ausüben konnte.

Der Ladberger Vertrag beginnt mit den Sätzen „Die Städte Münster, Osnabrück, Minden und Herford schließen einen Bund zum Schutz des Marktbesuches in den Diözesen Münster und Osnabrück zur Verteidigung gegen Angriffe von außen und zur gemeinsamen Verfestigung der Friedensstörer“. Der vollständige Text des Vertrages ist in mittelhochdeutscher Sprache abgefasst und wird als Urkunde Nr. 3 im Westfälischen Urkundenbuch Band 6, Nr. 458 im Staatsarchiv Minden aufbewahrt. Der Vertrag ist, wie in damals üblich, nicht unterschrieben, sondern seine Gültigkeit wird durch die mit grün-roten Seidenfäden angehängten Siegel der vier beteiligten Städte beurkundet.

Über den Ort des Treffens wurden keine näheren Angaben gemacht. Lapidar heißt es: „Verhandelt wurde dies im Jahr des Herrn 1246 am 22. Mai bei Ladbergen in Gegenwart Vieler.“ Die Geschichte lehrt, dass es in Ladbergen einige sogenannte Edlings-Höfe gab, von denen einer im Bereich der Wachelau, des ehemaligen gleichnamigen Friedhofes lag. Aus den Nachforschungen ist es am wahrscheinlichsten, dass dort der Platz war, auf dem sich die Vertreter der vier Städte trafen. Sicher war es eine Initiative Münsterischer und Osnabrücker Kaufleute, die diesen Ort für das Treffen festlegten.

Ladbergen war als Hlacberge in einem größeren Umkreis seit fast 300 Jahren bekannt, seit vom Bauern Manecke in Hölter zwei Eimer Honig an das Kloster in Freckenhorst geliefert werden mussten. Außerdem lag Ladbergen – laut Atlas „Hansische Handelsstraßen“ – an einer wichtigen Straßengabelung des hansischen Fernwege-Netzes der Straßen Münster-Ladbergen-Lengerich-Osnabrück. Eine andere Straße verlief über Tecklenburg-Westerkappeln-Bramsche nach Norden.

Die große Bedeutung des Ladberger Marktbundes für die darauf folgenden fünf Jahrhunderte für das Leben, für Handel und Wandel, wurde lange nicht als Ursprung des Hanse-Bundes erkannt. Zwar wurde der Bund wiederholt genannt und beschrieben, aber nie in seiner Bedeutung als Geburtsstunde der Hanse herausgestellt. In der Zusammenstellung einer „Reise durch 47 Hansestädte, die vom Hanse-Kontor Herford herausgegeben wurde, gibt es zwar eine ausführliche Beschreibung des Bundes von Werne als Ursprung des zweiten Westfälischen Städtebundes, es fehlt aber jeglicher Hinweis auf den sieben Jahre älteren Marktbund von Ladbergen.

Auf Anregung des Heimatvereins Ladbergen gab es in einigen Heimatbüchern über Ladbergen Hinweise auf den Bund. Auch wurde auf Anregung des Vereins die besondere historische Bedeutung des Ladberger Marktbundes in einem Vortrag von Klaus-Dieter Schreiber am 22. Mai 1996 im Sitzungssaal der Gemeinde Ladbergen herausgestellt, ohne jedoch auf die Beziehung zur Hanse ausdrücklich einzugehen. Ebenfalls wurde in Form eines Gedenksteins hingewiesen, der vor einigen Jahren an der Kreuzung der Straße von Lengerich nach Greven mit der Straße von Tecklenburg nach Ladbergen am Kreisverkehr aufgestellt wurde.

Alle diese Bestrebungen haben aber bisher nicht den Ladberger Bund in seiner großen überregionalen Bedeutung als Geburtsstunde des mächtigen Deutschen Hansebundes dargestellt. Das hat den Osnabrücker Professor Dr. Beinke bewogen, an den Heimatverein Ladbergen heranzutreten mit der Bitte, eine Kommission zu bilden, die sich mit einer größeren Verbreitung der Geschehnisse um den Ladberger Marktbund und seiner Bedeutung über den regionalen Rahmen hinaus befassen sollte. Die Sitzung dieser Kommission fand jetzt in der Ladberger Gemeindeverwaltung statt.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4013865?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F173%2F