Esel als Haustiere
Laute Schreie nach Futter

Ladbergen -

Familie Lutterbei ist auf den Esel gekommen, besser gesagt, auf zwei. Felix und Lehmann heißen die 17 und 19 Jahre alten Eselherren, die bei ihnen ein Zuhause gefunden haben.

Freitag, 16.02.2018, 06:02 Uhr

Bei Familie Lutterbei haben Felix und Lehmann (rechts) ein neues Zuhause gefunden. Die Familie genießt nach eigenen Angaben das Zusammenleben mit den beiden Grautieren.
Bei Familie Lutterbei haben Felix und Lehmann (rechts) ein neues Zuhause gefunden. Die Familie genießt nach eigenen Angaben das Zusammenleben mit den beiden Grautieren. Foto: Birga Jelinek/Familie Lutterbei

Schon seit 15 Jahren ist Birte Lutterbei von Eseln fasziniert. Sie ist mit Pferden aufgewachsen und weiß nach gründlicher Information um die Unterschiede zwischen den beiden Spezies. Auch möchte sie mit den Vorurteilen gegen Esel aufräumen, denn so stur und dumm, wie ihnen vorgeworfen wird, sind sie nicht.

Das Verhalten der Esel ist durch ihren ursprünglichen Lebensraum geprägt. Im Gegensatz zum Steppenbewohner Pferd ist für den auf Stein und Geröll lebenden Esel eine kopflose Flucht viel zu gefährlich. „Esel bleiben stehen und denken nach, wenn ihnen etwas komisch vorkommt“, erklärt Birte Lutterbei, die grade diese Eigenschaft ihrer Esel sehr schätzt, wenn sie mit ihnen spazieren geht. Auch wenn dies bedeutet, dass sie um Diskussionen vorzubeugen lieber eine Runde dreht als auf dem Weg umzudrehen. „Man möchte ja dem Esel keinen Grund zum Nachdenken geben“, lacht sie und arrangiert sich so mit den Eigenarten der Tiere.

Auch ihre Söhne Kalle (6 Jahre alt) und Helge (3) sind Eselfans. Die beiden Jungs helfen bei der Versorgung der Esel, die direkt am Haus in einem Offenstall leben. Bei der Einrichtung von Stall und Paddock hat Birte Lutterbei besonderen Wert darauf gelegt, dass die Tiere möglichst trocken stehen. „Eselhufe reagieren noch empfindlicher auf Feuchtigkeit als Pferdehufe.“

Als die Familie ihr neues Haus im Randbezirk von Ladbergen bezogen hatte und der Stall eingerichtet war, konnte die Suche nach eseligen Mitbewohnern beginnen. Die Noteselhilfe (www.noteselhilfe.org) war dabei ihre Anlaufstelle, denn der Verein vermittelt nicht nur Esel in Not, sondern steht den neuen Eselbesitzern auch mit Rat und Tat zur Seite.

Die Wahl fiel auf Felix und Lehmann, die mit ihren 17 und 19 Jahre aus dem Gröbsten raus und bestens geeignet für Eselanfänger sind, erzählt Birte Lutterbei. Die Esel kommen aus guter Haltung und haben in Ladbergen ein neues Zuhause gefunden.

Bei der Abholung zeigte sich ein weiterer Unterschied zu Pferden. Die Esel machten es sich während der Fahrt gemütlich und legten sich in den mit Holzspänen eingestreuten Hänger, für Pferde ein undenkbares Verhalten. Esel pflegen innige Freundschaften zueinander. Den beiden Langohren fiel die Eingewöhnung in der neuen Umgebung nicht schwer, sie fassten Vertrauen zu ihrer neuen Familie.

Die Fütterung der Tiere ähnelt der von Pferden. Esel benötigen reichlich gutes Heu und Stroh als Raufutter. Zur Vermeidung von Verdauungsproblemen ist darauf zu achten, dass keine längeren Fresspausen entstehen.

Zur Ergänzung und um eine optimale Versorgung mit Nährstoffen und Vitaminen zu gewährleisten, gibt es zusätzlich Mineralfutter und einen Salzleckstein, an dem die Esel genüsslich lutschen. Als besondere Leckerei, aber auch zum Zeitvertreib, bekommen sie Birkenstämme, an denen sie gerne nagen und die Rinde abziehen.

Esel passen sich sehr gut an die hiesigen klimatischen Bedingungen an, so tragen sie im Winter ein dichtes, wärmendes Winterfell. „Besonders witzig sieht das üppige Fell über den Augen aus, als ob sie einen Pony tragen.“

Die Ursprünglichkeit der Esel zeigt sich im Aalstrich, einem dunklen Strich im Fell entlang der Wirbelsäule und den Resten von Streifen an den Beinen. Diese treten ebenfalls zum Beispiel bei Dülmener Wildpferden auf.

Felix und Lehmann wurden bei ihren früheren Besitzern vielseitig eingesetzt, was nun vor allem Kalle und Helge zugute kommt. Ihre Erfahrungen in der tiergestützten Therapie, als Trekking- und Kinderreitesel könne sie mit den Jungen gut nutzen und sorgen so für viel Spaß und Freude bei den Kindern.

Das einzige, was gewöhnungsbedürftig ist, sind die Lautäußerungen der Esel, die sich nicht nur ungewohnt anhören, sondern auch sehr laut sind. „Einen herzlichen Dank an die Nachbarn, dass sie das Geschrei aushalten“, spricht Birte Lutterbei aus. Die Esel melden sich zu Wort, wenn sie spielen oder auf ihr Futter warten, deshalb gibt es spät abends noch einen Snack für die Langohren, um lautstarke „Futterbestellungen“ in der Nacht zu verhindern.

Die ganze Familie Lutterbei genießt ihr Zusammenleben mit Felix und Lehmann, die sie auch vom Haus aus beobachten können. „Es ist genau so, wie ich es mir schon lange vorgestellt habe, vielleicht sogar ein bisschen besser“, sagt eine strahlende Birte Lutterbei.

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