Was bedeutet mein Familienname?
Der Stammhof lag in Coerde

Tecklenburger Land -

In der Familie unseres Lesers Fritz Lubahn aus Ladbergen nimmt man an, dass der Nachname Reckfort von einer Flurbezeichnung ausging und sich auf eine seichte Stelle bezog, die man durchwaten konnte. Der Urhof der Familie Reckfort lag in Münster-Coerde, der Name soll in lateinischer Form „Ricvadum“ gelautet haben.

Sonntag, 18.02.2018, 07:02 Uhr

Coerde gehört heute zu Münster. Dort gab es 1498/99 einen Bernt Ricqwardinck.
Coerde gehört heute zu Münster. Dort gab es 1498/99 einen Bernt Ricqwardinck. Foto: Bernhard Fischer

Etwa 125 Personen tragen den Familiennamen Reckfort , der fast ausschließlich in Nordrhein-Westfalen anzutreffen ist. Mehr als ein Drittel der Namensträger lebt in der Stadt Münster, die zweitstärkste Konzentration zeichnet sich im Süden des Landkreises Steinfurt ab. Unmittelbar ähnliche Familiennamen gibt es heute nicht mehr.

Die oben zitierte Erklärung des Namens geht von der heutigen Form aus. Dabei wird das Grundwort -fort als „Furt“ identifiziert (mittelniederdeutsch vôrt „Furt, Watstelle“). Zum Bestimmungswort werden keine Angaben gemacht, doch wie auch immer man die vermeintliche Zusammensetzung Reck-fort erklären mag, geht dieser Weg in die Irre.

Tatsächlich geht der Familienname Reckfort auf einen altdeutschen Rufnamen zurück, der die germanischen Namenwörter rîk „mächtig, reich“ und ward „Wächter, Hüter“ enthält. Dieser Name ist seit dem 8. Jahrhundert bezeugt, dazu einige Belege aus dem niederdeutschen Gebiet: 830 „Ricward“ (Corvey), 900 „Rikward“ (Werden), 11. Jahrhundert „Rikword“ (Freckenhorst), 1080 „Ricword“ (Herzebrock), 1160 „Rikword“ (Münster-St. Mauritz), 1244 „Riquardus“ (Braunschweig), 1340 „Ricquardus“ (Münster-Nienberge).

In Münster-Coerde wird 1498/99 „Bernt Ricqwardinck“ als steuerpflichtiger Hofinhaber genannt. Der Familienname hat hier eine patronymische Form mit -ing und bedeutet „Sohn/Nachkomme des Rikward“. Diese -ing-Form wurde später durch eine gleichbedeutende genitivische Namensform ersetzt, die in mehreren Schreibungen in Münster und auch in anderen Orten im Münsterland bezeugt ist (unter anderem Rickwartz, -werts, Rekvertz, Reckwarts, -wartz, -fertz, Regvartz). Im weiteren Verlauf der Entwicklung verschwindet das -s des Genitivs (Rickward, -warth, Reckward, -vert, -fert), und in der zweiten Silbe erscheint der Vokal -o- anstelle von -a- oder -e-: Rickworth, -ford(t), -fort(h), Rikfort, Reckvort, -fort(h). So wurde aus einem nicht mehr verstandenen Rufnamen ein vermeintlicher Flurname mit „Furt“.

Was bedeutet mein Familienname?

Sie wollen mehr über die Bedeutung und Herkunft Ihres Familiennamens erfahren? Dann schicken Sie den Westfälischen Nachrichten eine E-Mail oder einen Brief mit ihrem vollständigen Namen an: Westfälische Nachrichten, Lokalredaktion Westerkappeln, Bahnhofstraße 3, 49492 Westerkappeln; E-Mail namensforschung@ wn.de.

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Wie der Rufnamenbeleg „Rikword“ von 1160 aus Münster-St. Mauritz zeigt, gab es die mundartliche Aussprache mit -o- im Raum Münster bereits im 12. Jahrhundert. Zwei alte Belege von Reckfort(s): 1663 „Bernhard Reckfort“ in Sendenhorst, 1665 „Elsske Reckfors“ in Ascheberg.

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