Heimatvereine Ladbergen, Lengerich und Lienen auf Schnadgang
Der Grenzstein steht richtig

Ladbergen/Lengerich/Lienen -

Ob der Grenzstein zwischen Ladbergen, Lengerich und Lienen noch immer an der richtigen Stelle steht, diese Frage interessierte am Samstag zahlreiche Heimatfreunde. Der Organisator des Schnadgangs, Hans-Dieter Welp vom Heimatverein Lengerich, begrüßte laut einer Mitteilung der Veranstalter rund 80 Teilnehmer zur traditionellen Grenzbegehung.

Sonntag, 12.08.2018, 23:30 Uhr

Die Vertreter der Heimatvereine und Kommunen Ladbergen, Lengerich und Lienen überprüften am Wochenende Standort und Zustand des Grenzsteins.
Die Vertreter der Heimatvereine und Kommunen Ladbergen, Lengerich und Lienen überprüften am Wochenende Standort und Zustand des Grenzsteins. Foto: Christof Spannhoff

Nachdem die Vorsitzenden der Heimatvereine und die Bürgermeister der drei Kommunen Standort und Zustand des Grenzsteins überprüft und für einwandfrei befunden hatten, wurde die Richtigkeit der Grenze begossen werden: Kiepenkerl Günter Tierp schenkte für alle Beteiligten einen Schnad-Schluck aus – natürlich stilecht aus dem Zinnlöffel.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Ladbergen, Heinz Lagemann, ging auf die jüngere Geschichte der Schnadgänge in der näheren Region ein, die vom 2008 verstorbenen Ladberger Heimatforscher Heinz Stork aufgeschrieben worden war. Stork hatte in Ladbergen die alte Tradition in den 1980er Jahren wiederbelebt. Der aktuell aufgesuchte Grenzstein wurde dann 1990 gesetzt.

Anschließend stärkten sich die Schnadgänger bei einem gemütlichen Kaffeetrinken im Waldhotel Hilgemann. Dabei wurden sie musikalisch von der Singgruppe des Heimatvereins Lengerich unter Leitung von Walter Schade unterhalten. Die Sängerinnen und Sänger hatten ihr Repertoire mit „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ sowohl auf das gute Wetter, als auch mit „Lieder, die wie Brücken sind“ auf das grenzüberschreitende Thema des Nachmittags abgestimmt. Mit der Lengerich-Hymne „Die Perle vom Teuto“ verabschiedete sich der Chor.

Danach berichtete Dr. Christof Spannhoff vom Heimatverein Lienen von zwei Grenzstreitfällen zwischen Ladbergen, Lengerich und Lienen aus dem 18. Jahrhundert. Besonders die Lengericher wurden aufmerksam, als Spannhoff augenzwinkernd erklärte, dass eine gut 270 Jahre ausstehende Bierschuld von rund 80 Litern bis heute nicht beglichen worden sei.

Zudem ging er auf die frühere Funktion der Grenzgänge ein: Die heute durchgeführten Schnadgänge sollen an eine Zeit erinnern, als es noch keine amtliche Kartierung gab und man sich anderer Mittel bedienen musste, um den Grenzverlauf festzustellen. So schritten die Menschen in alter Zeit ihre Grenzen in gemeinschaftlichen „Schnadgängen“ ab und vergegenwärtigten sich gemeinsam durch das Aufsuchen der entsprechenden Grenzpunkte des Verlaufs. Zweifelsfälle der Grenzziehung wurden an Ort und Stelle mehr oder weniger schlagkräftig „erörtert“. Zumeist wurden die Grenzpunkte dabei auch schriftlich festgehalten. Diese Protokolle waren später vielfach die rechtliche Grundlage bei Grenzstreitigkeiten.

Der Begriff Schnad ist ein altes Wort für Grenze. Er hängt mit den Wörtern schneiden oder Schnitt zusammen, heißt es weiter. Durch den „Einschnitt“ in einen Baum oder einen Stein wurden diese Objekte zu offiziellen Grenzzeichen. Nachdem man die Grenzen in den 1820er Jahren topographisch erfasst und im Grundsteuerkataster (Urkataster) festgehalten hatte, wurden Grenzgänge in Westfalen 1841 verboten. Zu viele handfeste Streitereien hatte es in der Vergangenheit gegeben. Die örtlichen Grenzbegehungen hatten ausgedient und keine rechtliche Relevanz mehr. Heute ist ein Schnadgang vielmehr ein verbindender Brauch für die Heimatfreunde hüben und drüben der Grenze.

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