Mo., 11.04.2011

Laer Wie in den 50er und 60er Jahren

Von Annegret Rose

Laer - Der Speicher in Laer bietet eine gute Kulisse. In dem Stübchen mit Blick auf die Bäume fühlen sich „Die Zwei“ oder „De Twe“ wohl. Eine gute Ausgangsposition für Geschichten und Gedichte aus der Heimat, dem Münsterland . Heinrich von der Haar und Herbert Beesten traten im Laerer Kulturprogramm auf. Idyllisch wurde es nicht, dafür sind Heinrich von der Haars Geschichten von Heini zu ernst. Allerdings war das Programm zweigeteilt. So interpretierte Herbert Beesten bekannte und eigene Gedichte in breitem Platt so hinreißend wortverliebt, dass diese weiche, emotionale Wort-Welle auch den Zuhörern wohltat. Dazu musste keiner Platt verstehen. Foto:

Sogleich führte Heinrich von der Haar das Publikum mit einem Kapitel aus seinem Erstlingsroman „Der Himmel brennt“ in die Dorfatmosphäre der 50er und 60er Jahre. Fast dokumentarisch in der Darstellung einzelner Szenen, wie der Geburt eines Geschwisterkinds, lenkte er die Aufmerksamkeit auf Erziehungsmethoden, die von den Zuhörern wiedererkannt und neu bewertet wurden. Dazu hatten sie im Gespräch nach der Lesung Gelegenheit. Verwandtschaft hatte für Kinder aus einer großen Familie auf dem Land zuweilen etwas Bedrohendes. Besonders betroffen waren arme Bauern, Kötter. Jederzeit konnte man aus der Kinderschar zu einer kinderlosen Tante oder einem Onkel abgeschoben werden, wenn man sich nicht anpasste. Ohne rechtliche Legitimation. Einspruchsrechte hat nicht einmal die Mutter, erklärte der Autor. Beklommenheit kam auf, als von der Haar einerseits fast andächtig von dem vorlesenden Vater erzählte, dem die Kinder gerne lauschten und andererseits von dem kleinen Heini, für den sich die Gestalten aus dem Märchenbuch oder der Bibel in bedrohliche Monster verwandelten, die ihn fressen konnten. Das Thema häusliche Gewalt und Hilflosigkeit, aber auch Gewalt an Schutzbefohlenen, wie von Lehrern, beschäftigte den Autor. Dabei verstand er es, Stimmungen zu vermitteln, die die Zuhörer in ein dicht gewobenes Bezugssystem aus landschaftlicher Schönheit und menschlicher Gefühlskälte führten. Verstärkend wirkten die Interpretationen des Poetry-Performers Herbert Beesten. Seine eindringliche Vortragsform blieb nahe am direkten Erleben.

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