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So., 10.01.2016

Krönender Abschluss Unwiderstehlich und unschlagbar

Laer - 

Mit dem elften Auftritt des Kabarett-Trios Storno aus Münster verabschiedete sich Maria Hinnemann am Samstagabend als Kulturbeauftragte der Gemeinde Laer von allen Kunst- und Kulturfans. Sie nutzte dabei die gute Gelegenheit, ihre Nachfolgerin Gudrun Homann vorzustellen.

Von Sabine Niestert

Egal, ob Harald Funke, Thomas Philipzen oder Jochen Rüther, jeder für sich ist einmalig und köstlich. Als „Storno“ sind die Drei allerdings unwiderstehlich und unschlagbar. Kein Wunder, dass sich ihre Fans in langen Schlangen die Beine in den Bauch stehen, um an eine der begehrten Karten zu kommen, wenn die Kabarett-Truppe wieder mit seinem neuesten kabarettistischen Programm durchs Münsterland tingelt.

Wohl den 640 Besuchern, denen es gelungen ist, für den elften Auftritt des Trios am Samstagabend in der Laer Turnhalle Plätze für „Die Abrechnung“ zu ergattern. Ihre Mühen wurden mit einem über dreistündigen Programm der Superlative belohnt, dass sich den großen und kleinen Themen der Welt widmete und sämtliche Lachmuskeln der Zuschauer strapazierte.

Dabei glänzten die Akteure nicht nur mit atemberaubenden Wortgefechten, spritzigen Dialogen und witzig umgetexteten Songs, sondern sie legten auch fast akrobatische Einlagen hin, die dem Publikum die Lachtränen in die Augen trieben.

„Sie haben ja Zeit, bis auf die Feuerwehr“, foppte Thomas Philipzen die abgestellen Brandschützer, die an diesem Abend für die Sicherheit der Gäste sorgten und deshalb erst später zum Winterfest des Löschzugs nach Holthausen aufbrechen konnten.

„Zum Abräumen des Zeltes reicht es“, setzte der Kabarettist noch einen drauf und „drohte“ scherzend an, dass schon der erste Teil des Programms dreieinhalb Stunden dauert. Doch die Kameraden dürften ebenso auf ihre Kosten gekommen sein, wie auch die Mitglieder Vereinigten Schützen Laer, die an diesem Abend die Theke bedienten. Ihnen und allen anderen Helfern, wie beispielsweise den Mitarbeitern des Bauhofes, dem Hausmeister und der Firma Potthoff (sie hatte den Möbeltransport übernommen) dankte die Gastgeberin für ihren Einsatz. Nicht zu vergessen Jürgen Fuchs. Der Mann von Maria Hinnemann zog im Hintegrund wieder zahlreiche Fäden, so wie er es schon seit Jahren ohne viel Aufhebens tut.

„She did it her way“ stimmten Funke, Philipzen und Rüther im krönenden Finale einen umgetexteten, unvergessenen Song von Frank Sinatra an, mit dem sie den Einsatz der Kulturbeauftragten würdigten. Ihrer Nachfolgerin Gudrun Homann und dem Publikum versprachen sie, auch im nächsten Jahr wiederzukommen, was dieses mit einem kräftigen Applaus honorierte.

Viel Beifall gab es auch für die politischen Pointen, die Schlag auf Schlag folgten. Als ein Jahr der „Empörten und Schreihälse“, bezeichnete Philipzen 2015. Dabei bekamen nicht nur die Deutschen, „die einzige Nation deren Flugzeuge zu Fuß gehen“, sondern auch die Attentäter von Paris und die Täter der Silvesternacht am Bahnhof in Köln ihr Fett ab. Aber auch Papst Franziskus und seine Familiensynode, Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr momentaner Kontrahent Horst Seehofer sowie Schauspiel Till Schweiger, die Fußballmacher des Sommernachtmärchen und viele andere wurden nicht verschont.

„Das Meer kommt näher. Man muss nicht mehr so weit fahren“, hieß es zum Klimawandel und seinen Folgen. Ihm hätten die Deutschen doch auch zu verdanken, dass sie immer südländischer würden und im T-Shirt zum Weihnachtsmarkt kämen, Weißwein tränken und sich zur Begrüßung mit Küsschen herzten. „Was haben die italienischen Männer, was die Westfalen nicht haben?“, fragte sich ein verzweifelter Harald Funke, der in seinem „Gangster-Rapper-Song“ bewies, dass der deutsche Mann, beispielsweise als VW-Fahrer und Kunde der Deutschen Bank durchaus seine Reize haben kann.

Köstlich, die Verwandlung von Philipzen in einen italienischen Gigolo, der mit gegeelten Haaren und gestählter Brust über die Bühne stolzierte und einen prächtigen, schwadronierenden Gockel abgab.

„No Weißbier, no cry, der Bayer ist high“, spielten die Akteure auf das Oktoberfest an, das der asiatischen Leber so gar nicht bekommen will.

Herrlich auch die Jagd der Frauen auf den begehrten Thermo-Mixer, der dem belagerten Ehemann, der seine Hilfsbereitschaft gerne simuliert und sich dabei einen Knieschaden zuzieht, zu teuer ist.

Den übertriebenen Wahn, sich selbst aber auch die Kinder immer mehr zu optimieren zu wollen, fand im Lied „Mein Kind lernt schneller als deins“ seinen humoristischen Ausdruck.

Erinnerungen an die eigene Schulzeit weckte das Thema Bundesjugendspiele. „Das ist das Olympia des kleinen Mannes“, wehrte sich Philipzen gegen deren Abschaffung, die besonders jene treffen würde, die nur da glänzen konnten. Auf den anderen Gebieten hätte sich mehr seine Schulkameradin Brunhilde Westerkötter bewährt, deren Namen ja schon beweise, dass sie kein Wunschkind gewesen sein könnte. . .

Seiner Chronistenpflicht wollte immer wieder Jochen Rüther nachkommen, der mehrmals ansetzte, die ernsten Dinge des Lebens zu beleuchten. Doch seine Mitstreiter ließen den Optimisten-Beauftragten“ nicht. Sie setzten der „chronischen Pflicht“ den Wunsch nach einem schönen und friedlichem Finale entgegen, das sie ihrem Publikum zum Ende eines fantastischen Abends auch bereiteten.

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