Mi., 13.01.2016

Verwaltung stößt an ihre Grenzen „Wir brechen zusammen“

Laer - 

„Es brennt der Baum“ lautet die drastische Aussage von Gemeindemitarbeiter

Von Sabine Niestert

Hans-Hermann Langkamp weiß oft nicht, wo ihm der Kopf steht. Der Mitarbeiter der Laerer Gemeindeverwaltung ist für die Flüchtlingshilfe im Ewaldidorf zuständig, was ihm durch die stete Zuweisung immer neuer Migranten manche schlaflose Nacht und gleich mehrere „Baustellen“ beschert. Nur eine davon ist die Unterbringung der asylbegehrenden Ausländer vor Ort, die sich als äußerst schwierig gestaltet, da der zur Verfügung stehende Wohnraum immer knapper wird.

Deswegen ist Langkamp froh, dass Bürgermeister Peter Maier einen Teil des ehemaligen Schulgebäudes zur möglichen Unterbringung von Flüchtlingen geräumt hat. Dieser „Notnagel“ ist eine große Erleichterung für den Verwaltungsmitarbeiter, der tagtäglich mit neuen Zuweisungen rechnen und immer sofort darauf reagieren muss. Auf dieses Dilemma wies Langkamp auch im Sozialausschuss hin, der sich während seiner jüngsten Sitzung unter anderem mit der Unterbringungsfrage beschäftigte. Dabei wurde deutlich, dass der Verwaltungsmitarbeiter und seine Kollegen bei der Bewältigung dieser zusätzlichen Aufgaben immer öfter an ihre Grenzen stoßen. „Es brennt der Baum“, formulierte es Langkamp. „Wir brechen zusammen“, bestätigte Bürgermeister Peter Maier im Gespräch mit dieser Zeitung die Aussage seines Mitarbeiters zur „Arbeit an der Front“. Es sei schon „empörend“, dass die Gemeinden bei der Bewältigung dieser besonderen Herausforderung von Land und Bund so allein gelassen würden. Man helfe gerne, aber theoretisch bräuchte die Kommune dafür mindestens vier hauptamtliche Kräfte, meinte der Verwaltungschef.

Nur eine davon könnte sich beispielsweise um das Projekt „Fahrradwerkstatt“ kümmern, das zurzeit ins Stocken geraten ist, weil es keine passenden Räumlichkeiten dafür gibt. So verlief die bisherige Suche nach einem geeigneten Standort zum Kummer aller Beteiligten erfolglos. Dass nicht alle zunächst angedachten Möglichkeiten dafür infrage kommen, gibt der Bürgermeister zu bedenken. So gelte es, baurechtliche und emissionstechnische Vorgaben zu erfüllen, plädiert der Verwaltungschef für einen Standort im Gewerbegebiet.

„Benötigt werden ein oder zwei beheizbare Räume (ab 50 Quadratmetern mit angeschlossenem WC), die ebenerdig liegen und abschließbar sind“, erklärt Verwaltungsmitarbeiterin Ann-Katrin Busse, die unter anderem für das Grundstücks- und Gebäudemanagement zuständig ist. Die Gemeinde würde die Räume, die mittel- bis langfristig zur Verfügung stehen sollten, anmieten, und sich um die Nutzer der Fahrradwerkstatt kümmern, versprechen die Verantwortlichen.

Bereits während eines offiziellen Termins am 12. Dezember auf dem Pausenhof der Werner-Rolevinck-Schule hatten die Projektbetreuer Martin Zimmer, Dirk Steinmann, Manfred Litschmann, Oliver Deitert und Manfred Kluthe ihre Maßnahme zur „Mobilität“, die „Hilfe zur Selbsthilfe und zur Integration“ geben soll, der Öffentlichkeit vorgestellt (wir berichteten). Dabei machten die Helfer deutlich, dass die Flüchtlinge selbst in die Pflege und Reparatur der Zweiräder eingebunden werden sollen.

Zudem gab es an diesem Tag einen kleinen Crash-Kursus, bei dem die Fahrsicherheit der Migranten getestet wurde und sie eine Einweisung in die deutschen Verkehrsregeln sowie die allgemeinen Sicherheitshinweise bekamen.

Die Verwaltungsspitze ist nicht nur den fünf Projektbetreuern für ihren ehrenamtlichen Einsatz dankbar, sondern auch jenen Bürgern, die Fahrräder für die Maßnahme gespendet haben. Zur Zeit ständen rund 50 Räder unter einem Abdach an einer angemieteten Wohnung am Kapellenweg 5. Doch das sei auf Dauer kein Zustand, weil es dort zu eng und zu kalt zum Arbeiten sei, erklärt Langkamp.

„Wir brauchen einfach mehr Platz und das möglichst schnell“, betont der Bürgermeister. Er und seine Mitarbeiter hoffen, dass sich durch ihren Aufruf in dieser Zeitung, jemand findet, der Räumlichkeiten für die Fahrradwerkstatt zur Verfügung stellt. Wer das kann, sollte sich per Telefon unter 025 54/91 03 40 an Ann-Katrin Busse oder per E-Mail an Ann-Katrin.Busse@laer.de wenden.

Nach wie vor dringend auf der Suche ist die Gemeinde auch nach Wohnraum. Bürger, die diesen zur Verfügung stellen können, sollten sich per Telefon unter 0 25 54/91 01 20 an Hans-Hermann Langkamp oder per E-Mail an Hans-hermann-langkamp@Laer.de wenden.

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