Do., 21.01.2016

Unterkunft für Flüchtlinge Politiker haben die Qual der Wahl

Laer - 

Die Politiker im Ewaldidorf haben die sprichwörtliche Qual der Wahl: Sie müssen sich zwischen vier Architektenentwürfen für den Neubau einer Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet entscheiden. Bauamtsleiter Stefan Wesker stellte die Pläne der Laerer Architekturbüros am Mittwochabend im Bau- und Planungsausschuss erneut vor.

Von Regina Schmidt

Bereits im Oktober hatten die Architekten ihre Ideen persönlich im Rat präsentiert. Alle Fraktionen lehnten aber eine „Massenunterkunft“ für 60 bis 70 Flüchtlinge im Gewerbegebiet ab und favorisierten die dezentrale Unterbringung. Da Mietwohnungen mittlerweile extrem knapp sind, sprachen sich die Kommunalpolitiker für den Bau von Doppelhäusern durch die Gemeinde aus. Neben dem Baugebiet „Hofstelle Lengers“ sind mehrere Spielplätze als Standorte in der Diskussion (wir berichteten).

Angesichts von konstant hohen Flüchtlingszahlen, Platzmangel und Zeitdruck wird die Möglichkeit zum Bau eines größeren Hauses an der Borghorster Straße nahe des neuen Kreisverkehrs nun nochmals überprüft. In der Debatte ist jetzt eine „abgespeckte“ Version mit Platz für 30 bis 40 Personen. „Alle vier der ursprünglich vorgelegten Architektenentwürfe lassen sich auch für eine geringere Personenzahl umsetzen“, betonte Stefan Wesker im Bauausschuss. Ebenso hätten alle Architekten die ursprünglichen Vorgaben der Gemeinde erfüllt: in der Größe variable Wohngruppen, Möglichkeit einer Folgenutzung, maximales Budget von 800 000 Euro (bei Platz für 70 Personen).

Drei Pläne setzen konsequent auf eine Modulbauweise. Dabei werden je nach Bedarf einzelne, vorgefertigte Einheiten für Koch-, Wohn- und Schlafbereiche sowie Sanitäreinrichtungen in eine große Halle eingebaut. Module können schnell aufgebaut oder ausgetauscht werden und sind preiswert. Neben den Modulen als privatem Lebensbereich der Flüchtlinge sehen die Pläne Gemeinschaftsräume vor.

Wie der Bauamtsleiter darlegte, haben die Büros „Wiesmann & Wibker“ und „Köllner & Nowak“ eine Hallenkonstruktion vorgeschlagen. Nachteil dieser Bauweise sei die „Container- oder Turnhallenatmosphäre“, die zu Konflikten unter den Bewohnern führen könne. Beide Gebäude seien später, wenn sie nicht mehr für die Unterbringung von Flüchtlingen gebraucht werden, als Gewerbehalle nutzbar.

Nicht eine große Halle, sondern zwei nebeneinander liegende Baukörper von je 240 Quadratmetern Größe schlägt das Büro „Werger“ vor. Jeder „Riegel“ böte Platz für 35 Menschen. „Dieser Entwurf bietet eine hohe Flexibilität. Wir könnten in einem Riegel zum Beispiel Sozialräume, Büros oder die Fahrradwerkstatt unterbringen“, gab Stefan Wesker zu bedenken. Auch sei ein solches Gebäude in der Folge gut vermarktbar und besonders geeignet für Handwerksbetriebe.

Modern und architektonisch außergewöhnlich ist der Entwurf des Büros „Jörn Jacobs“. Als einziger sieht er eine mehrgeschossige Bauweise vor und weicht von der klassischen Modulbauweise ab. „Von außenn mutet das Gebäude geradezu futuristisch an“, beschrieb Stefan Wesker.

Die Fassade soll mit einseitig lichtdurchlässigen Polygonalplatten verkleidet werden, die das Haus im Dunkeln leuchten lassen. Laut Wesker wäre dieses Gebäude nicht teurer als die anderen und hätte den höchsten Wiederverkaufswert.

Endgültig vom Tisch ist die anfängliche Idee, das Gebäude oder einen Teil davon künftig als „Bürgersaal“ zu nutzen. Dies ist nicht finanzierbar.

Bürgermeister Peter Maier mahnte die Kommunalpolitiker zur Eile: „Wir müssen zügig entscheiden, was wir eigentlich wollen, denn einschließlich der Planung wird es wohl ein Jahr dauern, bis die Flüchtlingsunterkunft bezugsfertig ist.“ Die Kosten für ein Gebäude, welches Raum für rund 40 Personen bietet, schätzt Maier auf ungefähr 600 000 Euro.

Ausschussvorsitzender Robert Vowinkel (CDU) appellierte eindringlich an alle Fraktionen, vor der nächsten Sitzung des Hauptausschusses einen Konsens zu finden: „Entscheiden Sie sich für zwei Entwürfe, die eingehender diskutiert werden sollen.“

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