Do., 18.02.2016

Rangelei oder Schlägerei? Amtsgericht Steinfurt spricht 23-jährigen Laerer vom Vorwurf der Körperverletzung frei

Laer - 

Weil es auch im zweiten Anlauf nicht gelungen ist, den genauen Tathergang einer Körperverletzung in einem Laerer Taxiunternehmen zu klären, urteilte der Richter des Steinfurter Amtsgericht am Donnerstag auf Freispruch des Angeklagten.

Von Ralph Schippers

Wer hat nun wen zuerst und aus welchem Grund geschlagen? Und: Haben sich die Zeugen abgesprochen und gemeinschaftlich falsch ausgesagt, wie der Angeklagte behauptet? Licht ins Dunkel eines Prozesses um eine Körperverletzung in einem Laerer Taxiunternehmen zu bringen, war für Staatsanwalt und Richter am Amtsgericht Steinfurt auch beim zweiten Verhandlungstermin gestern kein einfaches Unterfangen.

Trotz der Vernehmung von drei weiteren Zeugen gelang es am Ende nicht, den genauen Tathergang aufzuklären. Weil sich die Aussagen teils widersprachen, gab es schließlich einen Freispruch für den Angeklagten.

Beim Auftakt der Verhandlung in der vergangenen Woche hatte der 23-jährige Laerer zunächst von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Später hatte der Mann, der zum Zeitpunkt der Tat im November vergangenen Jahres als Raumpfleger in dem Unternehmen beschäftigt war, dann bestritten, einen der Mitarbeiter geschlagen zu haben, wie ihm die Staatsanwaltschaft vorgeworfen hatte. Vielmehr habe das vermeintliche Opfer, ein 29-jähriger Taxifahrer, auf ihn eingeschlagen, hatte er den Spieß umgedreht.

Letzterer war als Zeuge vernommen worden und hatte ausgesagt, dass ihn der Angeklagte aus nichtigem Anlass geschubst und dann ins Gesicht geschlagen habe. Er habe dabei eine Schädelprellung erlitten und war mehrere Tage krankgeschrieben. Das bestätigte ein ärztliches Attest, das jedoch hinsichtlich des Tatzeitpunkts eine Abweichung beinhaltete.

Zwei weitere Zeugen, beide ebenfalls als Taxifahrer in dem Unternehmen beschäftigt, bestätigten die Schilderungen ihres Kollegen, während die Mutter des Angeklagten, auch sie arbeitet als Angestellte in der Firma, sich hinter ihren Sohn stellte. Dieser sei gemobbt worden, weil er angeblich nicht gut genug geputzt habe.

Der Angeklagte schlug in die gleich Kerbe – ging sogar noch einen Schritt weiter: Er bezichtigte die Zeugen der gemeinschaftlichen Falschaussage. Daraufhin hatte der Richter die Verhandlung abgebrochen und einen Fortsetzungstermin für den gestrigen Donnerstag anberaumt.

Die Anhörung weiterer Zeugen brachte indes nicht die erhoffte Klarheit über den tatsächlichen Tathergang. Es war lediglich von „Schubsen“ die Rede, das für eine Verurteilung nach dem Tatbestand „Körperverletzung“ nicht ausreicht.

Der Richter urteilte daher auf Freispruch. Er ermahnte nichtsdestotrotz den Angeklagten: „Reißen Sie sich künftig in ähnlichen Situationen zusammen.“ Hintergrund: Der Mann ist bereits einschlägig vorbestraft – unter anderem auch wegen gefährlicher Körperverletzung.

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