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Di., 18.10.2016

Kommentar Majestätsbeleidigung

Für die nächste Wochenendausgabe hatte die Redaktion eigentliche ein großes Interview mit Bürgermeister Peter Maier zu seiner einjährigen Amtszeit geplant. Das Gespräch mit dem Rathauschef fällt aber aus. Maier hat den für Donnerstag ausgemachten Termin am Dienstag per Mail abgesagt. Warum? Dem Bürgermeister hat der Kommentar in der Montagsausgabe nicht gepasst. In seiner Mail unterstellt er der Redaktion, sie habe derzeit kein Interesse an „sachlicher Berichterstattung“. Schlimmer noch. Der Artikel – gemeint ist offensichtlich wieder der Kommentar – sei mit Dritten abgestimmt. Lächerlich!

Was die Sachlichkeit anbelangt, da muss die Redaktion dem Bürgermeister wirklich Recht geben. Ein Kommentar ist eine Meinungsäußerung und deshalb bewusst keine „sachliche Berichterstattung“, wie sie Herr Maier fordert.

Selbstverständlich hat die Redaktion die montägliche Kolumne nach dem Eingang der Maier-Mail noch einmal gelesen, um herauszufinden, unter Journalisten sagt man auch recherchieren, was den Bürgermeister auf die Palme gebracht hat. So richtig fündig geworden ist sie indes nicht. Im Gegenteil. Der Kommentar ist eher unter der Kategorie harmlos einzuordnen. Allenfalls ein zarter Hauch von Bürgermeister-Kritik. Oder wäre an dieser Stelle das Wort Majestätsbeleidigung das bessere? Darauf dann so eine Resonanz aus dem Rathaus? Die Reaktion des Ersten Bürgers der Gemeinde ist völlig unangemessen. Auf den Wurf mit einem Wattebäuschchen antwortet Peter Maier mit einem Keulenschlag. Unterstellt den Redakteuren auch noch, sie seien fremdgesteuert. Lächerlich.

Zur Erinnerung: Es ging unter der Überschrift „Merkwürdig“ um die Bürgerfragestunde am Freitag im Rathaus. Die WN schreiben von einer „völlig unspektakulären“ Veranstaltung, die nur auf geringe Resonanz gestoßen ist. Die Redaktion mutmaßt weiterhin, dass Peter Maier ob dieser wenigen Besucher enttäuscht hätte sein müssen. Schließlich sei es ja um seine „umstrittenen Lieblingsthemen“ gegangen. Gemeint war damit der Radweg nach Holthausen und das Mehrzweckgebäude auf dem Schulhof. Dieses Desinteresse der Bürger hatte die Redakteurin „Merkwürdig“ genannt.

In seiner Mail äußert Peter Maier seine Erklärung, warum die Bürger tatsächlich ferngeblieben sind: „Die geringe Resonanz und die Aussagen vieler Bürger beweisen deutlich, dass die Bürger mit meiner Arbeit sehr zufrieden sind.“ Diese gute Arbeit könne man „offen und mit Stolz präsentieren“. Damit noch nicht genug des Lobes in eigener Sache: Der Bürgermeister macht für sich auch noch eine „täglich gelebte offene Kommunikationspolitik“ geltend.

Wie die aussieht, Peter Maier hat es gerade gezeigt: Der Bürgermeister scheut die offene Auseinandersetzung und setzt stattdessen auf Ausgrenzung, will seine Kritiker mundtot machen. Im Falle der Westfälischen Nachrichten wird ihm das nicht gelingen.

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