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Mi., 19.10.2016

Laer „Ihr könnt Deutsche werden“

Franziska Lengers (vorne Mitte) freute sich besonders über den Besuch von Dr. Ruprecht Polenz (3.v.l.), der ebenso wie Bürgermeister Peter Maier (3.v.r.) zur Ausstellungseröffnung gekommen war. Foto: Heinrich Lindenbaum

Franziska Lengers (vorne Mitte) freute sich besonders über den Besuch von Dr. Ruprecht Polenz (3.v.l.), der ebenso wie Bürgermeister Peter Maier (3.v.r.) zur Ausstellungseröffnung gekommen war. Foto: Heinrich Lindenbaum

Laer - 

Dr. Ruprecht Polenz aus Münster war Festredner während der Eröffnung der

Von Heinrich Lindenbaum

„Wenn die Nacht keine Türe hätte, woher käme der Tag? Und zuletzt, wohin ginge er, wenn die Nacht keine Türe hätte?“ Mit diesem Zitat von Erich Fried eröffnete Franziska Lengers die Ausstellung „Erzähl mir deine Geschichte: 12 Gesichter – 12 Geschichten“. Erich Fried bringe mit seinem Gedicht „die Hoffnung“ zum Ausdruck. „Auch die Ausstellung zeigt die Menschen, die mit großer Hoffnung zu uns gekommen sind“, erklärte Lengers, die sich freute, als besonderen Gast Dr. Ruprecht Polenz aus Münster im Ratssaal begrüßen zu können.

In seinem Vortrag bedankte sich der Besucher, der bis 2013 Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses, bei den Flüchtlingen, die sich bereit erklärt haben, über ihre eigene Geschichte zu erzählen. Dies sei angesichts des Elends in den Ländern und der Flucht nicht selbstverständlich.

Wichtig für die Flüchtlinge sei es, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie in Sicherheit seien und keine Angst haben müsste, auch nicht vor dem Staat beziehungsweise der Polizei. Häufig sei das ein Grund für die Flucht der Menschen aus ihrem Heimatland. „Wir müssen ihnen sagen, dass wir nicht wissen, wie lange es dauert, bis sie wieder nach Hause gehen können“, forderte der Redner. Zudem müsse man den Menschen deutlich machen, dass sie Deutsche werden könnten. Dazu müssten sie aber die Sprache lernen sowie Arbeit und Wohnung suchen. Dieses würde Kräfte frei setzen und ihnen das Gefühl vermitteln „Ich habe mein Schicksal selber in der Hand.“

Ruprecht Polenz appellierte an die Politik, die zur Zeit gängige Praxis der Integration zu überdenken und neue Wege zu beschreiten. Zum Bürgerkrieg in Syrien erinnerte er an die grausamen Bilder aus Aleppo, die in den vergangenen Wochen in den Medien erschienen sind. Er erläuterte, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass in Ländern, in denen Bürgerkriege stattfanden, sehr viel Zeit vergehen musste, bis dass die kriegführenden Parteien Frieden miteinander schließen konnten. Die erbitterte Feindschaft der sich gegenüberstehenden Parteien lasse für die nahe Zukunft einen Waffenstillstand und eine Neuordnung des Landes nicht möglich erscheinen.

„Die geschlagenen Wunden werden nur langsam verheilen. Es kann Jahrzehnte dauern, bis man wieder zusammenkommt“, wusste der Referent aus seiner Tätigkeit in diesen Krisenregionen zu berichten.

Polenz lobte die ausgezeichnete Broschüre von den Flüchtlingen in Laer und zeigte sich sichtlich berührt von deren Schicksal, wie sie es geschildert haben. „Diese Geschichten gehen einem nahe“, sagte Polenz und wünschte den Verantwortlichen weiterhin viel Glück „auf einen guten Weg, den sie in der Gemeinde Laer eingeschlagen haben“.

„Die Berührung mit anderen Kulturen kann uns auch bereichern“, versicherte der Redner. „Ihr könnt Deutsche werden“, rief er den Flüchtlingen am Ende seines Vortrages zu. Seine Ausführungen wurden von Dr. Abdul Munem Dahman, Jamshid Ahmad und Ammar Sahiony in deren jeweilige Landessprache übersetzt.

Es besteht noch die Möglichkeit, diese Ausstellung am kommenden Wochenende (22./23. Oktober), am 29./30. Oktober und am 5./6. November jeweils von 15 bis 18 Uhr zu besuchen. Dort kann auch die Broschüre mitgenommen werden.

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