Fr., 18.11.2016

Laer Bestseller-Autor lobt Westfalen

Bernd Diercksen vom „Arbeitskreis Scopingau“ überreichte dem Referenten, Professor Johanek Blumen als Dankeschön für seinen Vortrag.

Bernd Diercksen vom „Arbeitskreis Scopingau“ überreichte dem Referenten, Professor Johanek Blumen als Dankeschön für seinen Vortrag.

Laer - 

Werner Rolevinck gilt als der berühmteste Sohn der Gemeinde Laer.

Von Ulrike Kluck

Der Saal im Laerer Pfarrzentrum war gut besucht, als Professor Dr. Peter Johanek , ehemaliger Leiter des Instituts für vergleichende Städtegeschichte Münster, auf Einladung des Arbeitskreises „Kulturraum Scopingau“ über den wohl berühmtesten Laerer, den Kartäusermönch Werner Rolevinck , referierte. Der Referent hat sich intensiv mit ihm, seinen Büchern und seiner ersten Kulturgeschichte über die Region Westfalen beschäftigt.

Als Sohn einer wohlhabenden Bauernfamilie wuchs Rolevinck, der 1425 geboren wurde und 1502 in Köln an der Pest starb, in Laer auf. Er ging gerne zu Gerichtsverhandlungen, die sein Vater als Bauerrichter abhielt. Der Junge soll sogar so interessiert zugehört haben, dass er darüber schon mal das Mittagessen vergaß. Seine Eltern ermöglichten ihm eine gute Schulbildung in einer Lateinschule, die in Coesfeld gelegen haben könnte. Dort wohnten Verwandte der Familie. Rolevinck soll ein lebhaftes Kind gewesen sein und sogar bei einer Hochzeit den Tanzreigen mit einer Kerze angeführt haben. 1443/44 nahm er das Jurastudium an der Universität in Köln auf.

Warum sein Leben eine Wende hin zur Theologie nahm, ist nicht bekannt. Am 6. November 1447 trat der junge Mann in die Kölner Kartause St. Barbara ein, wo er am 5. November 1448 seine Profess ablegte. Kartäusermönche leben asketisch in Zellen. Gemeinsames Essen und Gespräche sind untersagt. Sie beschäftigen sich mit dem Schreiben von Büchern und Briefen. Werner Rolevinck hatte jedoch einen Sonderstatus. Er verkehrte am Hof des Erzbischofs von Köln und konnte Reisen unternehmen.

Veröffentlicht wurden über 50 Texte zu verschiedenen Themen, so über die Auslegung exegetischer Schriften, über die Paulusbriefe, die Lebensweise und Verhaltensnormen der Priester, die Presentatio Marie, eine Schrift die sich mit der aufkommenden Marienverehrung beschäftigte. Der Laerer schrieb aber auch über gesellschaftspolitische Themen, die auch Laien betrafen, wie die Definition von Sünde, das Sakrament der Eucharistie, Seelenmessen sowie einen sogenannten Rentenkauf, bei dem es um das Kreditwesen im Mittelalter ging. Der Autor veröffentlichte Konzepte für die Rollen und Funktionen einzelner gesellschaftlicher Gruppen wie den Verhaltensspiegel für den Adel und für Bauern.

Der Kartäusermönch trat für die Gleichheit aller Menschen ein und ihre Beurteilung durch Verdienste und nicht durch Geblüt. Auf der Basis der christlichen Lehre setzte er sich für die Verständigung der sozialen Gruppen ein.

Seine bekanntesten Werke sind „Fasciculus temporum“, eine Chronik der Weltgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zur damaligen Zeit und „de laude antiquae Saxoniae nunc Westfaliae dictae“, ein Buch zum Lobe Westfalens, des alten Sachsenlandes. Das neue Medium gedruckter Schriften und Bücher sorgte für eine weite Verbreitung innerhalb der gebildeten Bevölkerung. „Fasciculus temporum“ wurde in viele Sprachen übersetzt und erschien in fast 40 Auflagen.

Durch die Aufbereitung mit grafischen Hilfsmitteln und eine verständliche Sprache wurde Rolevinck zum Bestseller-Autor.

Sein Buch zum Lobe Westfalens ist die erste Beschreibung einer deutschen Region. Darin lobt er die Tapferkeit und Tüchtigkeit der Westfalen, auch in wirtschaftlichen Dingen und außerhalb ihrer Heimat. Die Verbreitung dieses Werkes mit zwei bis drei Auflagen beschränkte sich jedoch überwiegend auf das Gebiet von Westfalen, das jedoch nicht den heutigen Grenzen entsprach.

Sein Name besteht weiter fort im Namen der Laerer Grundschule und wird den Schülern Anlass bieten, sich mit Menschen Werner Rolevinck zu beschäftigen.

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