Laer

Do., 08.07.2010

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Männliche Vorbilder fehlen

Landrat Thomas Kubendorff (2.v.l.vorne) übergab Inge Behler (3.v.r.) von der Initiative für Kinder und Jugendliche die Spende von 2000 Euro für das Jungenprojekt. Das Geld hatte der Kreissparkassenvorsitzende Heinz-Bernd Buss (2.v.l.hinten) bereitgestellt. Ortsvorsteherin Margarete Müller (l.vorne) und Kreistagsmitglied Günter Badersbach (3.v.l. hinten ) hatten den Landrat um Hilfe gebeten.Foto: (Yannick Felldhof)

Laer - Egal, ob bei Pisa oder in der Schule, zwischen Mädchen und Jungen lassen sich gravierende entwicklungsmäßige Unterschiede feststellen. „Viele Beobachtungen bestätigen das,“ erklärt die Geschäftsführerin der Initiative für Kinder und Jugendliche, Inge Behler, und meint damit eine steigende Leistungsverweigerung der Jungen. Zudem ließen sich extremere Verhaltensweisen feststellen, die von stark introvertiert bis zur Aggressivität reichten.

Für Inge Behler hat dieses Verhalten vor allem einen Grund. „Jungen haben meistens kein männliches Vorbild, sondern kennen nur weibliche Bezugspersonen und werden mit weiblichen Bedürfnissen konfrontiert“. Dies finge bereits im Kindergarten an, wo es fast nur weibliche Betreuer gäbe. Ebenso würden die Mädchen und Jungen anschließend in der Grundschule hauptsächlich oder gar komplett von Lehrerinnen unterrichtet.

„Wir haben hier in Laer eine extreme Zunahme an verstorbenen Elternteilen,“ schildert Behler ein weiteres Problem. Diese unvollständige Familiensituation verschlimmere die Lage nochmals.

Um die Jungen möglichst nicht auf die schiefe Bahn abgleiten zu lassen, hatte die Initiative vor zwei Jahren ein Sozialkompetenztraining mit einem entsprechendem männlichen Trainer vor Ort angeboten. Einmal pro Woche trafen sich dabei rund ein Dutzend Jungen der dritten Klasse, um gemeinsam zu arbeiten oder teilweise auch Aktionen, wie beispielsweise Kartfahren durchzuführen. „Es fängt mit dem respektvollen Umgang an,“ beschreibt Behler die Strategie. Da der Erfolg vor allem ab der dritten Klasse nicht mehr zu erkennen sei, wolle man jetzt dort ansetzen.

Nach zwei Jahren Förderung hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe nun die Gelder für das Projekt gestrichen. Auch die Gemeinde kann die erforderlichen Mittel derzeit nicht aufbringen. Um das Projekt dennoch fortführen zu können, hatte sich die CDU-Fraktionsvorsitzende und Ortsvorsteherin von Holthausen, Margarete Müller, an den Kreistagesabgeordneten Günter Badersbach gewandt. Der Altenberger Christdemokrat wiederum hatte Landrat Thomas Kubendorff eingeschaltet, der die Kreissparkasse Steinfurt als finanziellen Unterstützer für dieses Jahr gewinnen konnte. Die Spende in Höhe von 2000 Euro, die der Kreissparkassenvorsitzende Heinz-Bernd Buss zur Verfügung gestellt hat, übergab Kubendorff jetzt der Initiative in der Sparkassenfiliale in Laer.

Zwischen den Herbst- und Winterferien wird das Sozialkompetenztraining zum dritten mal gestartet. Für die 46 Jungen der dritten Klasse, die das Projekt freiwillig in Anspruch nehmen können, ist die Teilnahme, abgesehen von möglichen Ausflügen kostenlos. Da das Projekt bislang außerschulisch betrieben wird, wollen die Mitwirkenden mit einem Antrag an das regionale Bildungswerk nun versuchen, eine Einbindung des Sozialkompetenztrainings in das Schulleben zu erreichen. Dann könnte es auch jüngeren Schülern angeboten werden. Das Ergebnis würde sich sicherlich bei Pisa widerspiegeln, zeigten sich die Beteiligten überzeugt.


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