So., 11.11.2007

Lengerich Eine wahre Fundgrube

Von Marlies Grüter

Lengerich . „Es ist nicht einfach nur das Hunsche-Archiv, sondern unser Friedrich-Ernst-Hunsche-Archiv.“ Professor Jürgen Eberhardt vom Förderverein Talaue südliches Tecklenburg sprach am vergangenen Freitag vielen Geschichtsinteressierten und Heimatfreunden im Tecklenburger Land aus dem Herzen. Mehr als 100 waren es, die der Einladung des Fördervereins in die Akademie Talaue in Wechte gefolgt waren, um bei der offiziellen Eröffnung der Archivräume im Obergeschoss des alten Gasthofs Prigge dabei zu sein.

Hier wird jetzt ein besonderer Schatz der Geschichte und Kultur des Tecklenburger Landes nicht nur bewahrt, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Unser“ Archiv beherbergt den Nachlass eines der bekanntesten Heimatgeschichtsforscher der Region, nämlich des gebürtigen Lieneners Friedrich Ernst Hunsche (1905 – 1994). „Der beste Kenner des Tecklenburger Landes hat ein eigenes Archiv wahrlich verdient“, machte die stellvertretende Landrätin Annette Willebrandt in ihrer Grußadresse zur Eröffnung der Archivräume deutlich. „Der Kreis Steinfurt ist stolz darauf, so ein Archiv präsentieren zu können.“

Als großen „Glücksfall“ für das Tecklenburger Land und für das Gesamtprojekt „Talaue-Haus Marck“ bezeichnete Herbert Neseker, Ehrenpräsident der NRW-Stiftung, das Hunsche-Archiv, komplettiere es doch in hervorragender Weise den von der NRW-Stiftung geförderten Dreiklang von Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Unbedingt erhaltenswerte Denkmäler, erläuterte Nesker, seien eben nicht nur Gebäude, sondern auch geistige Schätze, wie Friedrich Ernst Hunsche sie im Laufe eines langen, überreichen Forscherlebens beispielhaft zusammengetragen habe.

Wer war dieser Mann, der zahllose Zeitungs- und Zeitschriftenartikel über Geschichte und Kultur des Tecklenburger Landes und darüber hinaus verfasste, der mehr als 50 Werke zu unterschiedlichen Themen von Sagen und Geschichten aus dem Tecklenburger Land bis hin zu Auswanderern aus dem Kreis Steinfurt schrieb? „Ich kannte meinen Vater nur als überaus freundlichen Mann, stets am Schreibtisch sitzend, lesend oder schreibend“, stellte Dr. Udo Hunsche der Festversammlung seinen Vater in privaten Bildern und Tondokumenten vor. „Die Heimat, ihre Geschichte und die plattdeutsche Sprache hatten für meinen Vater einen unschätzbaren Wert. Sein Schreibtisch war bis ins hohe Alter immer voll. Alles, was er schrieb, wurde in Aktenordnern und Karteikästen gesammelt.“

Grund genug für den Förderverein Talaue südliches Tecklenburger Land, dem Nachlass des Heimatforschers, früheren Kreisarchivars, Museumsleiters und Blibliothekars des Altkreises Tecklenburg besondere Aufmerksamkeit zu schenken und sich für ein eignes „Archiv Friedrich Ernst Hunsche“ stark zu machen. „In Zeiten der Globalisierung gewinnt die regionale Herkunft des Menschen wieder eine besondere Bedeutung bei der Suche nach der eigenen Identität“, machte Kurator Gunther Sieg in seiner Ansprache deutlich und dankte allen beteiligten Institutionen und Personen, die sich durch materielle und ideelle Unterstützung für das Projekt eingesetzt haben. „Unser Archiv“, darin waren sich alle Redner einig, ist eine wahre Fundgrube für die politische Geschichte und die Sozialgeschichte des Tecklenburger Landes.

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