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Mo., 14.03.2011

Lengerich Ein stürmischer Abend

Von Axel Engels

Lengerich - Wenn die Stimmung in der Gempt-Halle wie am Samstag den Höchstwerten zustrebt, kann es nur an den Künstlern liegen. In diesem Fall ist es der Auftritt des betörenden Quintetts „ Dietutnix “. Vor solchen Frauen wird in Männermagazinen immer gewarnt - und trotzdem erlag „Mann“ gemeinsam mit den weiblichen Gästen widerstandslos dem Charme dieser energiegeladenen Frauen.

Zum ersten Mal in der Gempt-Halle, boten sie einen rasanten Kabarett-Abend, den man sicherlich so schnell nicht vergisst. Strapaziert bis zum Zerreißen wurde lediglich die Lachmuskulatur, die nach diesem Abend etliche Spätschäden aufzuweisen hat. Egal in welcher Kombination, Dietutnix machten eine gute Figur, legten süffisant die Finger in manch offene Macho-Wunde.

Ihr Programm „Gut durchgelüftet“ blies frischen kabarettistischen Wind durch das ehrwürdige Gebäude. Sie hatten sogar die himmlischen Regionen fest in ihren Händen. Solche Göttinnen des Olymps muss man einfach gesehen haben, sonst wäre das Bild der antiken Welt unvollständig.

Leicht berauscht von Ambrosia glänzte Ingrid Helmer ganz in Weiß, ließen Susanne Anders und Steffi Windhoff ihren Charme spielen, entdeckte Heike Knief ihre Sinnlichkeit bei wollüstigen Gedanken an Herkules. Wer Sabine Hollefeld als Hammer schwingende nordische Gottheit Freya erlebt hat, für den bekommt der Begriff Mythologie eine ganz andere Bedeutung.

Mimik und Gestik waren als Zeichen besten schauspielerischen Könnens in dieses Treiben integriert. Hinter jedem noch so kleinen Wortwitz versteckten sich bitterböse verpackte Wahrheiten. Im Kreise unzähliger Märchengestalten gab es viel zu entdecken. Dornröschen hatte in Sabine Hollefeld eine süffisante Protagonistin gefunden. Mit Grazie und Esprit wickelte sie alle ein, gefangen in ihrem imaginären Turm.

Steffi Windhoff als Rotkäppchen hatte in der Altenpflege ein neues Betätigungsfeld gefunden, sie revolutionierte die Betreuung im Wald. Susanne Anders suchte ihren Märchenprinz im alltäglichen Wahnsinn zwischen Karriere und Haushalt, wobei sie sich dann ihre Wunden leckend im Morgenmantel für die entspannte Welt zwischen beiden Extremen entschied.

Exquisite Verwandlungskunst zeichnete Sabine Hollefeld und Steffi Windhoff aus. Als Jean Pütz und mit betörender Assistentin Eva stopften sie neben den Löchern im Strumpf gleich das ganze Ozonloch. Trainiert haben die fünf Frauen wohl unzählige Stunden im Tanzstudio. Als Ergebnis gab es bei „Rum and Coca Cola“ Stepptanz in Vollendung. In ihren blauen Matrosenanzügen machten sie dabei eine perfekte Figur.

Die Mischung des Programms stimmte einfach wie beim „Speeddating 80+“ oder dem „Zickenkrieg“. Sympathisch, spritzig und skurril nahmen sie kein Blatt vor den Mund, ließen in ihrer mitreißenden Abrechnung kein Fettnäpfchen aus. Mit ihrem französischen Chanson „Überall kneift die Hose“ hätte Sabine Hollefeld selbst Gilbert Beçaud zu Tränen gerührt. Als Zugabe mit Göttinnen-Background-Chor war dies einfach kultverdächtig.

Zu den Klängen des Sandmännchens, ihre heimliche Hymne, entließen „Dietutnix“ nach bester Unterhaltung ihr Publikum, ernteten für ihre Show stürmischen Applaus - und kommen hoffentlich bald wieder.

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