An der Kapazitätsgrenze
Penible Sorgfalt ist die Grundlage für korrektes Aussehen

Lengerich -

Lutz Fechner muss einen Augenblick überlegen angesichts der Frage, ob er ein Vorbild gehabt habe. „Ich habe mal Wiking-Modelle gesammelt“, sagt der 60-Jährige schließlich. Es waren allerdings nicht die kleinen Autos und Lastwagen im H0-Maßstab (1:87), die ihn in ihren Bann zogen. „Ich habe die Biografie des Firmengründers Friedrich Karl Peltzer gelesen. Das hat mich fasziniert“, bekennt er.

Donnerstag, 29.12.2011, 14:12 Uhr

Das Sammeln von Autos hat er längst drangegeben. Lutz Fechner bemalt Figuren im Maßstab 1:72. Dass dort die Ritter und Soldaten dominieren, „ist nun mal so. Zivilisten als Figuren sind rar“, hat er frühzeitig erkannt.

Der Annahme, größere Figuren seien leichter anzumalen, widerspricht der Fachmann: „Große Figuren zeigen jeden Fehler.“ Die sind schnell gemacht, angesichts von fünf bis sechs Farbaufträgen, nur damit in einem Gesicht die Hautstruktur zum Vorschein kommt.

Obwohl, Lutz Fechner hat mal eine Ritterburg sein eigen genannt. Samt dazugehöriger Figuren. Der Nachteil: Im Maßstab 1:35 „nahmen sie zu viel Platz weg“. Die Platzfrage ist zufällig gelöst worden. In einem Modellbau-Laden entdeckten Gabriele und Lutz Fechner englische Ritter im Maßstab 1:72. „Ich habe zu meinem Mann gesagt, die Burg dazu können wir bauen“, erinnert sich die 54-Jährige.

Der Versuch, die Figuren anzumalen, mündete in einem Zwölf-Stunden-Tag für Lutz Fechner. „Ohne Interesse an Geschichte geht es nicht“, nennt er ein wichtiges Kriterium für diesen Beruf. Das Internet hilft ihm, in Sachen Ausstattung auf dem Laufenden zu bleiben. Wie viele Figuren er schon angemalt hat? „Bei 60 000 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt er mit einem Schulterzucken.

Gerne würden die Fechners ihre Arbeit mit jemandem teilen. „Unsere Kapazitäten sind ausgelastet, neue Kunden nehmen wir nicht mehr an“, stellt Gabriele Fechner fest. Doch (noch) haben sie niemanden gefunden, der ihre Leidenschaft teilt. „Er sollte sich selbstständig machen und mitarbeiten“, beschreiben sie ihre Vorstellung. Doch da heißt es bislang: Fehlanzeige.

Frederic schaut seiner Mutter über die Schulter. Dem 14-Jährigen ist die Modellbau-Welt vertraut. Geht es nach den Eltern, soll er die Firma einmal übernehmen. „Aber vorher wird ein Beruf gelernt“, kommt es Gabriele und Lutz Fechner im Gleichklang über die Lippen. Der Sohn lächelt. Diesen Maßstab seiner Eltern kennt er bereits.

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