Große Liebe „Moadersprauke“

Mi., 01.02.2012

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Gerda Zirbes und Hans-Dieter Welp leiten plattdeutsche Arbeitsgemeinschaften an drei Grundschulen

Große Liebe „Moadersprauke“ : Gerda Zirbes und Hans-Dieter Welp leiten plattdeutsche Arbeitsgemeinschaften an drei Grundschulen

Hans-Dieter Welp (vorne links) und Gerda Zirbes (rechts) haben die plattdeutschen Arbeitsgemeinschaften an drei Lengericher Grundschulen initiiert. Das Bild ist beim Lesewettbewerb an der Grundschule Stadt entstanden. Neben Gerda Zirbes die weiteren Mitglieder der Jury, die die Schulsieger kürt. Foto: Michael Baar

Lengerich - 

Die plattdeutsche Sprache haben Gerda Zirbes und Hans-Dieter Welp quasi mit der Muttermilch aufgesogen. in Arbeitsgemeinschaften an drei Grundschulen geben sie ihr Wissen und ihre Liebe zum Plattdeutschen an Kinder weiter.


Die „plattdütske Moadersprauke“ haben sie quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Ihr Können geben sie weiter, denn „das Plattdeutsche zu erhalten, liegt mir am Herzen“, beschreibt Gerda Zirbes, warum sie – gemeinsam mit Hans-Dieter Welp – drei Mal in der Woche an Lengericher Grundschulen plattdeutsche Arbeitsgemeinschaften durchführt.

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Platt spricht die 60-Jährige „seit meiner Geburt“, lacht sie. Im Elternhaus wird die Sprache gepflegt, „mit meinem Mann unterhalte ich mich Zuhause auch nur auf Platt“. Die Begeisterung steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Bei Hans-Dieter Welp ist es auf den ersten Blick ganz anders: Im Gegensatz zu seiner Mitstreiterin sprechen seine Eltern mit den Kindern Hochdeutsch. Das Plattdeutsche bleibt dem heute 67-Jährigen nicht fremd. „Früher wurde ja viel mehr platt küert“. Der kleine Hans-Dieter immer „mitten mang“.

Über den Heimatverein ist das Duo der plattdeutschen Sprache noch näher gerückt – sofern das überhaupt noch möglich ist. Sie leiten seit Ende 2009 die plattdeutsche Gruppe im Heimatverein. Auch dort ist die „Moadersprauke“ im Aufwind. Inzwischen zählt die Gruppe regelmäßig an die 40 Teilnehmer. „Ein Plus von 17 Prozent“, hat Hans-Dieter Welp ausgerechnet.

Im Januar des darauf folgenden Jahres nimmt der Wunsch der beiden, das Plattdeutsche zu erhalten, Gestalt an. An der Grundschule Stadtfeldmark stoßen sie bei Schulleiterin Gudrun Heemann auf offene Ohren: eine plattdeutsche Arbeitsgemeinschaft für Drittklässler wird angeboten – und angenommen. Jetzt drücken Gerda Zirbes und Hans-Dieter Welp wieder die Schulbank. Freitags ab 12.55 Uhr.

Seit diesem Schuljahr gibt es plattdeutsche Arbeitsgemeinschaften auch an den Grundschulen Hohne und Stadt. „Wir freuen uns jetzt auch auf Ferien“, schmunzelt der 67-Jährige. Gut zehn Kinder zählt jede der drei Gruppen.

In den Arbeitsgemeinschaften geht es locker zu. Disziplin muss trotzdem sein. „Schließlich bringt es nichts, wenn alle durcheinander reden“, sagt Hans-Dieter Welp. Plattdeutsche Geschichten stehen auf dem Programm. Worte müssen anfangs auch mal übersetzt werden, die Aussprache wird geübt. Das Klischee, Plattdeutsch sei eine Sprache von Döhnkes und Vertellsekes, weisen beide weit zurück. Schließlich gibt es bedeutende Literaten, die ihre Werke in Plattdeutsch zu Papier gebracht haben. Augustin Wibbelt ist ein Beispiel dafür, Ottilie Baranowski ein weiteres. Sie stammt, ebenso wie Friedrich Ernst Hunsche, aus dem Tecklenburger Land.

Vielen Menschen ist Hans-Dieter Welp als Kiepenkerl ein Begriff. Seit 2005 läuft er für den Heimatverein mit Kiepe, Kittel und Holschken. Wie er dazu gekommen ist? Der 67-Jährige lacht auf. Zum 50. Geburtstag hat er eine Kiepe geschenkt bekommen. „Ich bin früher schon zu Karneval in die Bütt gestiegen“, deckt er eine Spur auf, die zur Kiepe geführt haben könnte. Das restliche Outfit (plattdeutsch: Tüüch) kam hinzu. Fertig ist der Kiepenkerl.

In dieser Woche sind es „drocke Dage“ für das Duo. In den drei Schulen finden die plattdeutschen Lesewettbewerbe zur Ermittlung der Schulsieger statt. Wenn alles klappt, wird im März in Lengerich der Kreissieger ermittelt.

„Das Plattdeutsche zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, hat Gerda Zirbes zu Beginn des Gesprächs festgestellt. Wer´s nicht glaubt: Am 21. Februar steht sie bei „Vorhang auf“ wieder auf der Kleinkunstbühne. Dort hat sie schon bei der ersten Veranstaltung gestanden – als Allererste, die sich vors Publikum getraut hat. Das ist 50 Veranstaltungen her.


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