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Do., 03.01.2013

Kindermangel treibt Senioren auf die Straße Lengericher staunen über betagte Sternsinger

Michael Baar darf den Segensspruch an die Haustüren schreiben – oder kleben. Er ist einer von vier Senioren-Sternsingern, die sich in Lengerich auf den Weg machen.

Michael Baar darf den Segensspruch an die Haustüren schreiben – oder kleben. Er ist einer von vier Senioren-Sternsingern, die sich in Lengerich auf den Weg machen. Foto: Wilfried Gerharz

Lengerich - 

„Das sind aber große Sternsinger.“ Dieser Satz wird uns den ganzen Tag verfolgen. Nicht böse gemeint, sondern freudig überrascht. Das zahlt sich auch in der Spendendose aus, wie wir am Abend erfahren. Doch jetzt muss der erste „Auftritt“ gemeistert werden. Rainer Fischer, Angelika Hengelbrock, Ralf Wehrmann und ich sind als Sternsinger unterwegs. Die Spickzettel mit dem Text kleben auf der Rückseite unseres Sterns.

Von Michael Baar

Eckard Schlamann auf seinem Hof in der Lengericher Bauerschaft Schollbruch ist der Erste, den wir aufsuchen. Er freut sich. Seit vier Jahren sind keine Sternsinger mehr bei ihm gewesen. „Es fehlen die Kinder in der Bauerschaft“, erklärt Rainer Fischer. Ein Phänomen, das sich durch die ganze Stadt zieht. 127 Mädchen und Jungen haben sich am Donnerstagmorgen auf den Weg gemacht. Und wir vier Senioren. „Angefangen haben wir mit 300 Kindern“, erinnert sich Organisator Werner Recker an die Anfänger der ökumenischen Sternsingeraktion vor gut 20 Jahren.

Der stete Nieselregen stört uns längst nicht mehr. Weiter geht es. Ralf Wehrmann , mit 41 Lenzen der Jüngste in unserer Truppe, steuert den Pfarr-Bulli. Über Wirtschaftswege geht es immer tiefer in die Bauerschaft. Nur wenige Türen bleiben uns verschlossen. Keine Autos auf dem Hof, kein Licht – keiner da.

Rainer Fischer und Angelika Hengelbrock wohnen in Schollbruch. Da bricht das Eis schnell, wenn sich die Türen öffnen. „Der macht das ganz gut“, kommentiert Luca Albermann den Auftritt seines Opas. Mit 70 Jahren ist Rainer Fischer der Sternträger. Angelika Hengelbrock trägt die Spendenbüchse, ich darf den Spruch „20 C+M+B 13“ mit Kreide an die Türen schreiben oder als Vordruck kleben. Ralf Wehrmann ist der Fahrer – Freunde werden er und die Schaltung des Bullis an diesem Tag nicht.

Negativ-Erlebnisse bleiben aus. Fast. „Macht mal“, heißt es am Nachmittag aus dem Mund eines jungen Mannes, der uns die Tür geöffnet hat. Die fliegt ins Schloss, und wir schauen uns an. Mit einem stillen Segen ziehen wir weiter.

„Nehmt ihr auch Süßigkeiten?“ Ja, in der Tat. Dafür haben wir sogar einen extra Stoffbeutel. Schokolade und Co werden am frühen Abend im Pfarrheim abgegeben. Der Verein Lengericher Tafel wird sich darüber freuen.

Dann öffnet Marion Albermann unsere Spendenbüchse. Scheine und Münzen fallen heraus, werden sortiert und gezählt. Dann sollen wir schätzen, wie viel Geld wir gesammelt haben. 33 Kilometer sind auf dem Tacho des Bulli dazugekommen. Gut 50 Häuser haben wir besucht, unseren Spruch aufgesagt, den Segen Gottes für das Haus und dessen Bewohner übermittelt.

Mit unseren Schätzungen liegen wir alle daneben. 415,30 Euro haben wir gesammelt für Kinder in Tansania und ein Projekt für Jugendliche in Israel und Palästina. Zurück im Pfarrheim gibt‘s erst mal einen heißen Cappuccino. Wir schauen uns an, sind uns ohne Worte einig: Im nächsten Jahr ziehen wir wieder los als Seniorensternsinger.

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