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Di., 06.09.2016

Ausbildung zum Notfallsanitäter Die schnellen Helfer

Ausbilder Sicco Backers (Mitte) freut sich, mit Adrian Steens (links) und Joey Riedel zwei hoch motivierte junge Männer zu haben, die Notfallsanitäter werden wollen.

Ausbilder Sicco Backers (Mitte) freut sich, mit Adrian Steens (links) und Joey Riedel zwei hoch motivierte junge Männer zu haben, die Notfallsanitäter werden wollen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Lengerich - 

Adrian Steens und Joey Riedel erlernen an der Rettungswache in Lengerich einen Beruf, den es noch gar nicht lange gibt. Die beiden jungen Männer werden Notfallsanitäter.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Adrian Steens ist offenbar ein zielstrebiger Typ. Seit Anfang des Monats ist der 21-Jährige an der Feuer- und Rettungswache an der Schulstraße beschäftigt. Er wird zum Notfallsanitäter ausgebildet. Nach beruflichen Alternativen hat sich der junge Münsteraner nicht umgeschaut. Zu genau wusste er, was er wollte.

In Lengerich ist der Abiturient erst der zweite Auszubildende, der dieses Ziel anstrebt. Verwunderlich ist das nicht, gibt es den Beruf des Notfallsanitäters doch erst seit dem vergangenem Jahr. Joey Riedel hat da den Einstieg gewagt und zieht nun – nach zwölf Monaten – ein Zwischenfazit. Und das fällt bei dem Telgter ebenso positiv aus wie bei seinem Ausbilder Sicco Backers.

Backers lobt zunächst einmal, dass es den Ausbildungsgang zum Notfallsanitäter jetzt überhaupt gibt. Medizinischer Fortschritt und gestiegene Anforderungen an das Personal haben dazu geführt, dass 2014 das Notfallsanitätergesetz kam. Die Notfallsanitäter lösen nun peu à peu den Rettungssanitäter ab.

Joey Riedel und Adrian Steens scheinen bestens geeignet für den neuen Beruf zu sein. Joey Riedel ist gelernter Mechatroniker, war in der Vergangenheit bereits ehrenamtlich für das Rote Kreuz aktiv und als Rettungssanitäter auch schon an der Rettungswache in Warendorf tätig. Adrian Steens war nach dem Abitur ein Jahr lang Bufdi (Bundesfreiwilligendienst), hat während dieser Zeit Krankentransporte gefahren und ist ebenfalls bereits als Rettungssanitäter qualifiziert.

Etwa 80 Bewerber habe es auf die Stelle gegeben, die Adrian Steens nun hat, sagt Sicco Backers. Trotz dieser recht hohen Zahl sei „der Markt äußerst bescheiden“, was den Nachwuchs angehe. Woran das liegt? Backers kann nur mutmaßen. Die Verdienstmöglichkeiten seien in Ordnung, aber nicht berauschend. Die Arbeitszeit liege bei 48 Stunden pro Woche; der Dienst werde in Zwölf-Stunden-Schichten absolviert. Rahmenbedingungen, die vielleicht nicht jedem attraktiv erscheinen.

Für Adrian Steens und Joey Riedel waren nicht diese, sondern andere Aspekte ausschlaggebend für ihre Berufswahl: Sie wollen mit Menschen zu tun haben, sie wollen professionell helfen, wenn andere in Not sind, sie wollen Verantwortung tragen. „Ich bin bis jetzt jeden Tag gerne zur Arbeit gekommen. Ich glaube, das kann nicht jeder von sich sagen“, meint Joey Riedel sichtlich zufrieden. Adrian Steens hat keine Zweifel, dass das bei ihm auch so sein wird.

Einen erheblichen Teil seiner Zeit verbringt das Duo bei Block-Unterrichtseinheiten an der Schule. Bei der Arbeit auf der Rettungswache sind sie während ihrer Ausbildung als dritte Sanitäter an Bord der Rettungswagen, normalerweise sind es nur zwei.

Nach und nach sollen sie so lernen, was in der Praxis zu tun ist. Manches ist dabei Routine wie Krankentransporte. Doch es gehört eben auch zum Berufsalltag, dass ein Rettungswagen bei einem schweren Unglück als erstes vor Ort ist. In Lengerich soll das nach spätestens acht Minuten der Fall sein. Und gerade dann, so Sicco Backers, gelte es richtig zu handeln, etwa wenn ein Mensch reanimiert werden müsse.

Die Schnelligkeit plus besserer Behandlungsmöglichkeiten am Unglücksort plus besser ausgebildetes Personal, das gesamte medizinische System „ist garantiert besser geworden“, stellt Ausbilder Sicco Backers fest. Seit 1995 ist er auf der Wache in Lengerich beschäftigt, kennt somit die Entwicklungen in dem Metier bestens.

Ein hohes Maß an Motivation, Verlässlichkeit, Genauigkeit, Eigeninitiative und Lernbereitschaft, sicheres Fahrverhalten, große physische und psychische Belastungsfähigkeit – die Anforderungen an einen Rettungssanitäter haben es durchaus in sich. Gerade der Umgang mit schwer oder gar tödlich verletzten Menschen dürfte kaum jedermanns Sache sein. Wichtig sei in solchen Fällen, meint dazu Sicco Backers, nicht alles mit nach Hause zu nehmen. Seine beiden Auszubildenden nicken, bis jetzt, versichern sie, seien sie mit diesen Dingen gut klargekommen.

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