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So., 26.03.2017

Feuer- und Rettungswache Lengerich „Der gehört nicht in die Klinik“

Zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lengerich freuen sich über eine Beförderung beziehungsweise eine Auszeichnung für langjährige Mitgliedschaft.

Zahlreiche Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Lengerich freuen sich über eine Beförderung beziehungsweise eine Auszeichnung für langjährige Mitgliedschaft. Foto: Michael Baar

Lengerich - 

Die Zahl der Einsätze des Rettungsdienstes steigt, aber immer öfter wird die 112 gerufen, obwohl eigentlich der hausärztliche Notdienst unter der Rufnummer 116 117 die richtige Adresse wäre. Warum das so ist?

Von Michael Baar

Mit Einführung der Notdienst-Rufnummer 116 117 wurde eine zentrale Stelle geschaffen für Menschen, die auf den hausärztlichen Notdienst angewiesen sind. Derzeit werde überlegt, ob man daran etwas ändern könne, sagte Hartwig Hübner bei der Jahreshauptversammlung der Lengericher Feuerwehr. Der Leiter der Wehr, zugleich Leiter der Feuer- und Rettungswache, nannte den Grund für derartige Überlegungen: „Immer öfter wird die 112 gewählt und beim Eintreffen vor Ort stellt sich dann heraus, dass es kein medizinischer Notfall ist.“

Dass die Menschen so reagieren, dafür hat Hartwig Hübner Verständnis – mit Blick auf die Probleme, wenn die 116 117 gewählt wird. Denn in der Leitstelle, wo die Anrufe über die 112 einlaufen, müsse zwingend ein Kranken- oder Rettungswagen in Marsch gesetzt werden, wenn am Telefon eine entsprechende Notlage geschildert werde.

Der Patient werde dann mit dem Rettungswagen (RTW) zur Klinik gebracht. Dort käme es immer wieder vor, dass die Besatzung des Wagen vom Klinikpersonal gefragt werde, was der jeweilige Patient denn dort solle. „Der gehört nicht in die Klinik“, sei immer wieder zu hören.

Abgesehen davon, so Hartwig Hübner, könne sich durch diese Fehl-Nutzung des Rettungswagens an anderer Stelle ein Problem auftun: „Bei einem Unglücksfall könnte sich die Hilfe verzögern, weil der RTW gerade mit einem Patienten unterwegs ist, der kein Notfall ist.“

Die Feuerwehr als Schlüsseldienst?

249 Einsätze hat die Lengericher Feuerwehr im vergangenen Jahr gefahren. Wie in den Vorjahren waren die Blauröcke deutlich häufiger bei technischen Hilfeleistungen (153 Fälle) gefordert als bei Brandeinsätzen (45).

Bei letzteren habe sich aber innerhalb von drei Tagen gezeigt, wie wertvoll das Gelenkmast-Fahrzeug ist. Bei Bränden waren an der Bodelschwinghstraße und an der Rahestraße jeweils die Treppenhäuser von Mehrfamilienhäusern so stark verqualmt, dass insgesamt 16 Bewohner mit dem Korb am Gelenkmast in Sicherheit gebracht werden mussten.

Bei den technischen Hilfeleistungen nehme die Zahl der Menschen zu, die sich hinter einer verschlossenen Tür befinden. Der Eindruck von Wehrleiter Hartwig Hübner: „Die Feuerwehr wird als Schlüsseldienst geholt, um eine Tür aufzubekommen.“ Was sich in Zeiten, in denen verstärkt auf Einbruchschutz gesetzt werde, nicht immer leicht gestalte.

Die Zahl der Mitglieder hat sich im vergangenen Jahr nicht verändert. Die aktive Wehr zählt 98 Einsatzkräfte, die Jugendfeuerwehr zwölf, die Ehrenabteilung 40 und der Spielmannszug 24 Aktive. Letzterer übt montagabends und würde sich über neue Mitspieler, auch Anfänger, freuen.

Ehrenabzeichen gab es für etliche Kameradinnen und Kameraden, die zum wiederholten Mal am Leistungsnachweis teilgenommen haben. Der findet in diesem Jahr am 24. Juni in Wettringen statt.

Die Feuer- und Rettungswachen haben noch mit einer anderen Schwierigkeit zu kämpfen: Nachwuchskräfte sind schwer zu bekommen. Das liege unter anderem an der Gesetzesänderung in der Ausbildung. Die ersten Notfallsanitäter, die nach den neuen Leitlinien geschult werden, hätten die Ausbildung noch nicht beendet.

„Gerade kleine Wachen bekommen Probleme“, stellte Hartwig Hübner fest. Dazu trage auch bei, dass der Rettungsdienst-Bedarfsplan für den Kreis noch nicht verabschiedet worden sei. Auch da stecke der Teufel im Detail. „Wenn für eine Wache fünf verschiedene Zeiten für die Besetzung der Fahrzeuge vorgegeben werden – wie sol da ein Dienstplan erstellt werden?“ Und Dienstpläne seien ein gravierendes Argument bei der Stellensuche. Daraus machte er keinen Hehl. Das Personalgutachten zum Rettungsdienst-Bedarfsplan müsse schnell kommen.

Im vergangenen Jahr ist von der Feuer- und Rettungswache insgesamt 8665 mal ein Rettungsdienst-Fahrzeug ausgerückt. 4499 Einsätze mit dem Rettungswagen, 1865 Fahrten mit dem Krankentransportwagen und 1897 Einsätze wurden vom Notarzt begleitet. Hinzu kommen 404 Fehleinsätze. „Absolut bewährt“ hat sich aus seiner Sicht die zusätzliche Besetzung eines Tagesrettungswagens an den Werktagen von 8 bis 20 Uhr.

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