Mi., 06.01.2016

Das Blitzeis und die Folgen Spiegelglatt

Eine einzige Eisfläche war der Parkplatz hinter dem Feuerwehrhaus.

Eine einzige Eisfläche war der Parkplatz hinter dem Feuerwehrhaus. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Lengerich/Tecklenburger Land - 

In Lengerich und Umgebung ist es am Dienstag gefährlich glatt gewesen. Grund war am Morgen einsetzender Regen, der auf dem Boden sofort gefror.

Um 7.38 Uhr fallen die ersten Regentropfen auf gefrorenes Pflaster und Asphalt. In Minutenschnelle verwandeln sich Gehwege und Fahrbahnen in Schlinderbahnen. Der Winter hat sich am Mittwoch in Lengerich, Tecklenburg und Ladbergen von seiner unfreundlichsten Seite gezeigt. Mit gefrierendem Regen und Blitzeis. Verschont blieb Lienen, dort blieb es trocken.

Pendler kommen zu spät zur Arbeit oder gar nicht. Bei drei Grad unter Null tröpfelt es am Vormittag weiter. Räum- und Streudienste rücken aus. Grundstückseigentümer und Firmenmitarbeiter rücken an den gefährlichen Stellen dem sechs Millimeter dicken Eispanzer mit Salz und abstumpfenden Mitteln zu Leibe.

Für einige Mitarbeiter des Lengericher Baubetriebshofes beginnt der Arbeitstag bereits um 4.30 Uhr. Der Regen vom Vortag habe dafür gesorgt, dass es an einigen exponierten Stellen glatt geworden sei, erklärt Leiter Manfred Stork den frühen Beginn für zwei Streufahrzeugbesatzungen. Mit dem einsetzenden Regen wurde dann „alles, was zur Verfügung steht“, losgeschickt. Acht Fahrzeuge und 18 Mann sind bis weit in den Nachmittag hinein im Dauereinsatz.

Besonders problematisch: Das Salz, das auf den Straßen und Wegen verstreut wird, taut zwar die Eisschicht auf, doch der Regen spült es auch wieder fort. Stork: „Alle zwei, drei Stunden muss nachgestreut werden.“ Wann diese Sisyphusarbeit beendet werden kann, ist am Vormittag nicht absehbar.

Auch die Lengericher Fußgängerzone ist morgens spiegelglatt. Nur wenige Passanten sind unterwegs, die Geschäfte ebenso leer wie wenige Meter weiter der Wochenmarkt. Auf dem sind auch wesentlich weniger Beschicker präsent wie an normalen Tagen. Hans-Ulrich Sommer verkauft vor allem Kartoffeln und Eier. „Bislang hatte ich vielleicht fünf Kunden, sonst sind es um diese Zeit schon 20 oder 25 gewesen“, sagt der Lengericher gegen 9.20 Uhr. Seiner 88-jährigen Mutter Klara hat er dringend geraten, diesmal nicht beim Verkauf zu helfen. „Sonst kommt sie immer später noch dazu.“

Gegenüber steht Maria Kövener mit ihrem Käsewagen. Auch die Ostbevernerin hat nicht viel zu tun. Dass sie an diesem Tag gekommen ist, hat zwei Gründe: Am frühen Morgen war die Wetterlage noch normal. Und sie wolle die treuen Kunden, die trotz Blitzeis kommen, nicht enttäuschen, sagt die Marktfrau.

Weg bleiben auch die Frühstücksgäste im Café Samocca. Gegen 9.45 Uhr sei kein einziger Kunde dagewesen, erzählt eine Mitarbeiterin. Zwei telefonische Absagen habe es wegen der Glätte gegeben.

Derweil sind viele Bürger am Streuen – meist mit Salz. Normalerweise ist das verboten. Doch Ludger Dierkes, Leiter des städtischen Fachbereiches Sicherheit und Ordnung, sagt klar, dass dieser Mittwoch kein normaler Wintertag ist. Also sei es „selbstverständlich“ in Ordnung, wenn zum Salz gegriffen werde.

Dass am Morgen vergleichsweise wenige Fußgänger in der Stadt unterwegs waren, könnte auch ein Grund für die Lage in der Notaufnahme der Helios-Klinik gewesen sein. Sprecherin Ilona Mierke berichtet von lediglich zwei Platzwunden. Dabei blieb es jedoch nicht. Am Nachmittag sind es bereits 15 Glatteis-Patienten, die wegen Brüchen, Platz- und Schnittwunden behandelt werden müssen.

Die Polizei meldet am Nachmittag zwei Glatteisunfall in Lengerich und einen in Tecklenburg.

Im Bergstädtchen, berichtet Bernd Pieper vom Bauamt, seien die Mitarbeiter des Bauhofes seit 6 Uhr im Streu-Einsatz gewesen. Da habe es zwar noch nicht geregnet, aber die Witterungsbedingungen seien so gewesen, dass zumindest stellenweise mit Glätte zu rechnen gewesen sei. Mit der amtlichen Unwetterwarnung, die vom Deutschen Wetterdienst für den Kreis Steinfurt herausgegeben wurde, habe die Stadt dann noch ein Unternehmen zusätzlich zu den eigenen Kräften für den Streudienst hinzugezogen.

Blick nach Lienen: Der Erholungsort ist weitgehend verschont geblieben. Lediglich auf dem Teuto-Rücken (Zum Steinbruch) ist es rutschig. Dort streuen Bauhof-Mitarbeiter die Fahrbahn ab. Die kommunalen Salzvorräte betragen knapp 25 Tonnen. „Das reicht für fünf Streugänge“, glaubt Günter Glose. Der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters berichtet, dass die Gemeinde im vergangenen Jahr kein Streugut gekauft habe. „Wir haben nichts verbraucht.“

Weil bei Ladbergen die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal zum Flughafen Münster/Osnabrück vereist ist, kommt es bei der Buslinie S 50 zu Verspätungen. Ebenso wie im Raum Ibbenbüren, wie Björn Lindner, der bei der Regionalverkehr Münsterland (RVM) für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

In Ladbergen selbst ist die Lage nach Auskunft von Bauamts-Chef Andreas Moysich-Kirchner im Vergleich zu anderen Orten recht entspannt. Die Verwaltung ist durch Wetter-Informationen am Vorabend auf das Eis vorbereitet, Mitarbeiter der Gemeinde streuen Straßen und Wege schnell ab.

 

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