Sa., 16.01.2016

Erinnerungen an Otto Winkelsträter Mit Pinsel und Leinwand unterwegs

Lengerich - 

In der Bauerschaft Schollbruch ist Otto Winkelsträter oft mit Pinsel und Leinwand unterwegs gewesen. Seine Bilder werden hoch geschätzt. Vor 60 Jahren ist der Maler in Lengerich gestorben.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Der berühmteste Mann, der ein Bild von Otto Winkelsträter gekauft hat, dürfte zweifelsohne Martin Bormann sein. Der Reichsminister und enge Vertraute Hitlers war zu seiner Zeit aber bei Weitem nicht der einzige, der Gefallen an der Kunst des Mannes fand, der 1955 in Lengerich starb. Dabei sei der „ein Feind der Nazis“ gewesen, betont heute Schwiegersohn Jürgen Westermann.

Im Haus des 75-Jährigen hängen zahlreiche Werke von Otto Winkelsträter. Vermächtnisse seiner inzwischen verstorbenen Frau, sagt der Ibbenbürener. Er hat den Vater seiner Gattin nie getroffen, weil der Maler schon tot war, als er dessen Tochter kennenlernte. Dafür hat er Einiges an Informationen über ihn zusammengetragen.

Otto Winkelsträter wurde 1901 im heute zu Wuppertal gehörenden Langerfeld-Jesinghausen geboren. Bereits auf dem Gymnasium wurde er durch einen Zeichenlehrer gefördert. Er machte eine kaufmännische Lehre und besuchte eine Kunstgewerbeschule. 1927 heiratete er Ida Weithörner, mit der er drei Kinder haben sollte. Eines sei schon früh gestorben, erzählt Jürgen Westermann. Von 1934 bis 1946 lebte die Familie in Gütersloh, wo Ida Weithörner herstammte. Otto Winkelsträter war Abteilungsleiter beim Arbeitsamt, hatte nebenher beachtlichen Erfolg mit der Malerei. Nach dem Krieg folgte 1946 der Umzug nach Lengerich.

„Meine Frau hat ihren Vater immer nur gelobt. Er muss sehr liebevoll und fürsorglich gewesen sein“, erzählt Jürgen Westermann. „Möglicherweise hat das auch mit der Kinderlähmung zusammengehangen, an der der Bruder meiner Frau litt.“ Während des Nationalsozialismus sei eine solche Krankheit ein gefährlicher Makel gewesen. Allein das könnte gereicht haben, um zum Gegner des Hitler-Regimes zu werden, schätzt der Ibbenbürener das Denken und Handeln seines Schwiegervaters ein.

Die Herrschenden jener Jahre bauten derweil die „Große Deutsche Kunstausstellung“ in München auf. Sie sollte ab 1937 einen „Querschnitt durch das gesamtdeutsche Kunstschaffen der Gegenwart“ zeigen. Ab 1939 waren in der bayrischen Hauptstadt Bilder von Otto Winkelsträter zu sehen. Wie das einzuordnen ist, erklärte anlässlich einer Ausstellung in Gütersloh – dort wurden 2013 Bilder von Otto Winkelsträter und Paul Westerfrölke gezeigt – der Initiator der Schau, Manfred Brinker, in einem Interview mit dem Magazin „GT Info“. Auf die Frage, ob beide als Nazikünstler zu betrachten seien, sagte er: „Um die Antwort kurz und knapp vorweg zu geben, kann ich sie eindeutig mit einem klaren Nein beantworten.“ Er verweist darauf, dass Heimatmaler wie Winkelsträter „leicht von der nationalsozialistischen Kunstvorstellung vereinnahmt werden“ konnten. Brinker hält zudem fest, dass Winkelsträter seinen Stil bereits vor 1933 gefunden habe und diesem auch nach 1945 treu geblieben sei. Eine Anpassung an die gewünschten ästhetischen Vorstellungen hat also nicht stattgefunden.

Nach dem Krieg habe der Maler die Stille gesucht, begründet Jürgen Westermann, warum sein Schwiegervater nach Lengerich kam. Gewohnt und gearbeitet habe er in einem Haus oberhalb des Hofes Meyer in Schollbruch. „Er liebte die Natur, Feld, Wald und Wiesen.“ Und er habe nun auch allein von seiner Kunst leben können.

Daheim hat Jürgen Westermann vor allem Bilder aus diesen Jahren. Hof Meyer ist zum Beispiel zu sehen oder ein Feldblumenstrauß, neben dem ein Kupferbecher liegt. Der sei ein Produkt der Lengericher Firma Gustav Schmidt gewesen, meint der Ibbenbürener. Zu der habe sein Schwiegervater, wie auch zu manch anderer, recht engen Kontakt gehabt.

Dass Jürgen Westermann offensichtlich stolz auf Otto Winkelsträter ist und sich wünscht, dass dessen Werk in Erinnerung bleibt, wird nicht zuletzt dann verständlich, wenn man im Katalog zur Gütersloher Ausstellung „Heimatbilder“ liest. Darin heißt es: „In den Zeichnungen und auch in den Malereien des 1955 in Lengerich Verstorbenen finden sich die Spuren eines sehr genauen Auges in den feinen Details und im genauen Festhalten des Beobachtens wieder. Liebevoll arrangiert und mit vielen Einzelheiten ausgestattet sind vor allem Winkelsträters Blumen- und Wiesenstücke, die in ihrer Feinheit teilweise an Dürers berühmtes ,Rasenstück‘, in der Farbigkeit der Blumenbilder dagegen an van Gogh erinnern mögen.“

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