Mi., 27.01.2016

Kokain-Kauf: Berufungsverhandlung „Ist das überhaupt strafbar?“

 

  Foto: dpa

Lengerich/Münster - 

1,5 Gramm Kokain hat im Sommer 2014 ein 45-jähriger Lengericher gekauft. Befasst hat sich mit dem „Deal“ jetzt das Landgericht Münster. Mit dem Ergebnis war der Angeklagte alles andere als zufrieden.

Von Hans-Erwin Ewald

Dass der Erwerb von kleinen Mengen Kokain eine beachtliche Geldstrafe nach sich ziehen kann, diese Erfahrung hat jetzt ein 45-Jähriger aus Lengerich gemacht. 1,5 Gramm der Droge hatte der Mann für seinen Eigenkonsum im Sommer 2014 für 130 Euro erworben.

Weil die Sache im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen Dealer aufflog, stand der Mann bereits im Juni 2015 vor dem Amtsgericht in Tecklenburg. Das verurteilte den Lengericher wegen unerlaubten Erwerb von Betäubungsmittel zu einer Geldstrafe von 800 Euro. Und seinen Führerschein wurde er auch noch los. Dagegen wehrte sich der 45-Jährige und zog vor das Landgericht Münster.

Dort räumte er gestern, wie auch in erster Instanz, den Drogenkauf ein. Aber 800 Euro für „nur“ 1,5 Gramm Kokain, das erschien ihm doch zu hoch. „Ist das überhaupt strafbar“, fragte der Angeklagte. Das Kokain habe er doch nur für den Eigenverbrauch erworben, um Party zu machen.

Es gehe nicht um einen Joint, sondern um Kokain, das sei keine harmlose Geschichte, stellte die Richterin klar. Und auch die Vertreterin der Anklage sprach Tacheles: Er könne von Glück sprechen, dass nicht die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil in Berufung gegangen sei, sonst hätte möglicherweise noch ein anderes Strafmaß zu Buche geschlagen.

Ihr Rat an den Angeklagten, die Berufung zurückzunehmen, verpuffte jedoch. Und selbst den zwischenzeitlichen Fingerzeig des Gerichts, es sehe nicht danach aus, dass die Strafe gemildert werde, erkannte der Mann nicht. Stattdessen blieb er hartnäckig und uneinsichtig. Nur er sei der Dumme, weil er den Kauf zugegeben habe, meinte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Er wolle ein Urteil, am besten einen Freispruch.

Doch es kam,wie es vorauszusehen war: Die Strafkammer verwarf die Berufung auf Kosten des Angeklagten. „Sie haben den Kauf der Drogen nur zugegeben, weil ihnen der Inhalt der Telefonüberwachung vorgehalten wurde“, so die Richterin. Wortlos verließ der Mann den Gerichtssaal. Zuvor hatte er angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

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