Fr., 05.02.2016

Finanzamt freut sich Steuer-Rekord: 877 Millionen Euro

 

  Foto: dpa

Tecklenburger Land - 

Rekord-Steuereinnahmen hat 2015 das Finanzamt Ibbenbüren verbucht. 877 Millionen Euro wurden eingenommen, so Vorsteher Michael Spielmann. Zuständig ist die Behörde unter anderem für Lengerich, Ladbergen, Lienen und Tecklenburg.

Von Frank Klausmeyer

Zugegeben, als ehrlicher Steuerbürger sieht man solche Erfolgsmeldungen mit gemischten Gefühlen, hat man doch irgendwie das Gefühl, Vater Staat zieht einem zu viel aus der Tasche. Andererseits bedeuten hohe Steuereinnahmen auch, dass die öffentliche Hand grundsätzlich mehr zu verteilen hat. Und davon profitieren alle. Fakt ist: Das Finanzamt Ibbenbüren hat noch nie so viele Steuern eingenommen wie im vergangenen Jahr.

Nach Angaben von Michael Spielmann, Vorsteher, also Chef des Finanzamtes, haben seine Leute 2015 insgesamt 877,4 Millionen Euro kassiert. „Das ist ein neues Rekordergebnis.“

Die Steuereinnahmen – zumindest die aus dem Zuständigkeitsbereich des Ibbenbürener Finanzamtes – scheinen schneller zu wachsen als die deutsche Wirtschaft allgemein. Legte das Bruttoinlandsprodukt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vergangenes Jahr nur um 1,7 Prozent zu, stiegen die Einnahmen des Finanzamtes Ibbenbüren gegenüber 2014 um 65 Millionen Euro oder acht Prozent – im Bereich der Oberfinanzdirektion Münster waren es 6,2 Prozent. Wie üppig die Steuerquellen sprudeln, zeigt auch der Zweijahresvergleich: plus 28 Prozent.

Die Lohnsteuer, die Arbeitnehmern direkt vom Gehalt abgezogen wird, macht mit knapp 318 Millionen Euro den größten Einnahmeposten beim Ibbenbürener Finanzamt aus. Gegenüber dem Vorjahr gab es ein Plus von 6,7 Prozent. Spielmann führt dies neben der starken Wirtschaftskraft der Region vor allem auf eine Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zurück.

Die Einkommensteuer machte – relativ betrachtet – mit einem Plus von 20,5 Prozent einen noch größeren Satz nach oben. Rund 137 Millionen Euro kamen zusammen. Diese Summe berechne sich im Wesentlichen aus dem Ergebnis der Rückerstattungen und Nachzahlungen im Zuge der Einkommensteuererklärungen, die die meisten Arbeitnehmer vornehmen müssten, erläutert Sachgebietsleiter Bernhard Peters. Steuern nachzahlen müssten oft Ehepartner mit unterschiedlichen Steuerklassen – vor allem III und V – oder infolge von weiteren Einkünften beispielsweise aus Vermietung und Verpachtung.

Nicht natürliche Personen wie GmbHs und andere Kapitalgesellschaften zahlen keine Einkommen-, sondern Körperschaftssteuern. Hier gab es 2015 beim Finanzamt Ibbenbüren Einnahmen in Höhe von 33,7 Millionen Euro, was einem Zuwachs von mehr als 35 Prozent entspricht.

Dass dagegen das Steueraufkommen auf Kapitalerträge um elf Prozent geschrumpft ist, sei angesichts der niedrigen Zinsen nicht verwunderlich, sagt Peters. 2,1 Millionen Euro kamen zusammen, vor zwei Jahren war es noch mehr als das Doppelte.

Leicht (-0,1 Prozent) rückläufig war auch die Umsatzsteuer, die mit 293,4 Millionen Euro aber den zweitgrößten Einzelposten beim Gesamtaufkommen darstellt. Auf den ersten Blick ist dieses Minus angesichts der boomenden Wirtschaft irritierend. Peters führt dies jedoch darauf zurück, „dass viel investiert wird“. Die Unternehmen zögen die ihnen von anderen Firmen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer wieder als Vorsteuer ab. „Das verfälscht das Bild ein wenig.“

Noch ein Wort zur Einkommensteuer: 15 Prozent des Gesamtaufkommens geht an die Kommunen zurück. Das bedeutet aber nicht, dass das Finanzamt Ibbenbüren von seinen Einnahmen 20,5 Millionen Euro auf die Städte und Gemeinden in seinem Bereich verteilt. Das Geld wird erst einmal an den Bund überwiesen und fließt dann über den Länderfinanzausgleich und das Gemeindefinanzreformgesetz über einen bestimmten Schlüssel, der sich an der Finanzkraft der Bürger eines Ortes orientiert, wieder ins Tecklenburger Land zurück. Alles ziemlich kompliziert.

Das muss – rein nominal betrachtet – aber kein Nachteil sein. 2015 waren im Haushalt der Stadt Lengerich fast 7,7 Millionen Euro als Anteil an der Einkommensteuer veranschlagt. Das ist mehr, als hätte das Finanzamt in Ibbenbüren 15 Prozent der dort eingegangenen Gelder direkt verteilt.

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