Sa., 31.12.2016

Segelflieger Klaus Reinhold berichtet von Südamerika-Reise Über den Anden

Auch aktive Vulkane wurden während der Flüge mehrfach passiert.

Auch aktive Vulkane wurden während der Flüge mehrfach passiert. Foto: Klaus Reinhold

Lengerich - 

Klaus Reinhold ist während seiner Jahrzehnte währenden Segelflieger-Karriere schon in vielen Ecken der Welt gewesen. Nun ging er von Argentinien aus in die Luft – und war begeistert.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Der Wind bläst, die Außentemperaturen sind tief im Keller, so um die -30 Grad. Es ist kalt im Segelflugzeug auf einer Höhe zwischen 6000 und 8000 Metern. Doch darauf ist Klaus Reinhold eingestellt, dick eingepackt sitzt er im Cockpit. Bis zu 15 Stunden am Stück hat er bei diesen Bedingungen im Segelflugzeug verbracht und ist über die argentinischen und chilenischen Anden geflogen. „Großartig“, nennt der Lengericher das, was er in Südamerika erlebt hat.

Im November und Dezember war der 77-Jährige vor Ort. Seine Segelflugfreunde, mit denen er die Expedition unternommen hat, hängen noch ein paar Wochen dran. Dank der akribischen Vorbereitung, die vor allem in den Händen von Klaus Reinhold lag, sind sie bestens ausgestattet.

Als der Lengericher von seinen Erlebnissen berichtet, beginnt er mit dem Teil, der nicht ganz planmäßig lief: In Chile – die Gruppe reiste über die Hauptstadt Santiago an und der Seecontainer mit dem Equipment wurde auch dorthin transportiert – habe der Zoll gestreikt. 14 Tage Zwangspause. Die Segelflieger aus Deutschland machten das Beste daraus. Die Gegend wurde erkundet. Klaus Reinhold erzählt von einem Flug mit einem Doppeldecker, der unter anderem zu einer der größten Kupferminen der Welt geführt habe. „Das war wunderschön.“ Dass, als die Weiterreise endlich starten konnte, auch noch der argentinische Zoll Schwierigkeiten machte, konnte die Deutschen nicht mehr wirklich erschüttern.

Im Städtchen Zapala wurde Quartier bezogen, der Flugplatz lag etwa zehn Kilometer außerhalb. Am Tag nach der Ankunft sei es direkt losgegangen, sagt Klaus Reinhold. Am Ende hätten fast 7000 Flugkilometer zu Buche gestanden, annähernd 70 Stunden sei er in der Luft gewesen.

Die Region ist aufgrund der stabilen Wetter- und der Windverhältnisse ideal für weite Segelflüge. Das sogenannte Wellenreiten, ähnlich dem beim Surfen auf dem Wasser, macht es möglich, im Idealfall Strecken von über 2000 Kilometern zurückzulegen. Klaus Reinhold erreicht 1636, dafür braucht er 15 Stunden und 15 Minuten. „Ich bin nicht rekordversessen“, sagt er über sich. Und, fügt er hinzu, die Bedingungen seien zwar gut gewesen, „aber es war kein Weltrekordwetter“.

Geflogen ist der 77-Jährige immer zusammen mit einem seiner Kompagnons im Doppelsitzer. Die langen Flüge seien anstrengend und erforderten ein hohes Maß an Konzentration, da wolle er kein unnötiges Risiko eingehen, schildert er. Klaus Reinhold verweist auf die Kommunikation mit der Flugaufsicht, die aufgrund des stetig steigenden Passagierflugverkehrs immer wichtiger werde und zunehme. Und er erklärt, dass die Sauerstoffversorgung in den großen Höhen ein wichtiges Thema sei. Und sollte es bei der Probleme geben, sei das bei zwei Personen im Cockpit besser zu meistern.

Die viele Zeit in der Luft hat dem Lengericher natürlich auch viele grandiose Aus- und Einblicke gewährt. „Menschenleer“ sei die Landschaft, sagt er. Es ging über hohe schneebedeckte Gipfel und aktive Vulkane, über Seen und Gletscher. „Eine tolle Landschaft“, schwärmt Klaus Reinhold. Und wenn die Sonne schien, was sie oft getan habe, dann ließ es sich im Cockpit trotz der eisigen Temperaturen gleich ein bisschen besser aushalten.

Ob er noch einmal nach Südamerika aufbricht? Das könne er noch nicht sagen, so der passionierte Segelflieger. Aber es sei schon aufwendig und da er Spanisch nicht sehr gut spreche, sei die Verständigung nicht immer einfach. Seine konkreten Pläne gehen momentan in eine andere Richtung: Einmal rund um die Ostsee fliegen, das habe er schon seit Längerem im Hinterkopf, und das könnte 2017 im Sommer Realität werden. Eine Alternative wären die Rocky Mountains. Den Gebirgszug in Nordamerika würden Klaus Reinhold gerne in Angriff nehmen. Beginnend im Süden der USA und endend in Kanada. „Das sind die Träume, die ich mit meinen 77 Jahre noch habe.“

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