Di., 21.03.2017

Jugendpolitik in Lengerich Engagement Ja – Formalitäten Nein

Lang ist es her, dass die Skateranlage auf dem Gelände der LWL-Klinik stand. Diese Aufnahme ist vor sechs Jahren entstanden.

Lang ist es her, dass die Skateranlage auf dem Gelände der LWL-Klinik stand. Diese Aufnahme ist vor sechs Jahren entstanden. Foto: Marius Untiet

Lengerich - 

Engagieren wollen sich Jugendliche in Lengerich. Themen- oder Projektbezogen sind sie bereit, mit anzupacken. Was sie nicht wollen, ist ein formelles Korsett, in das sie gezwungen würden. Dazu gehört auch ein Jugendbeirat, wie ihn die SPD fordert.

Von Michael Baar

Für Thomas Brümmer hat das Jugendforum extra eine klare Erkenntnis geliefert. „Projekt- und themenbezogene Arbeit interessiert die Jugendlichen mehr als ein formeller Überbau“, berichtet der Leiter des Jugendzentrums im Ausschuss für Soziales, Jugend und Sport. Informationen, feste Ansprechpartner und Rückmeldung. Auf diesen kurzen Nenner bringt er die Wünsche an Politik und Verwaltung.

Die Enttäuschung in der Stimme von Andreas Kuhn ist nicht zu überhören: „Ist ein Jugendbeirat klar abgelehnt worden?“ Dass Projektarbeit bei Jugendlichen hoch im Kurs steht, ist dem SPD-Fraktionsvorsitzenden klar. Dennoch hält er Struktur, Mitsprache und Beteiligung für unverzichtbar, wenn es um die Einbindung Jugendlicher in die Kommunalpolitik geht.

Der Satz von Thomas Brümmer – „Ein Jugendbeirat ist momentan nicht gewünscht“ – hallt nach. Ein Rederecht im Jugendausschuss und/oder Schulausschuss sei den Jugendlichen wichtiger, ergänzt er.

Skateranlage: Anderer Fördertopf?

Leader-Fördergelder für die Skateranlage Lengerich? Ein entsprechender Antrag ist gestellt worden, wohl ohne Erfolg, wie Jörg Hesselmann im Ausschuss für Soziales, Jugend, Sport mitteilte. Der Vorstand der lokalen Aktionsgruppe Tecklenburger Land hat jetzt darauf hingewiesen, dass diese Projekt „eine hohe Mittelbindung verursachen würde. Geld, das dann für andere Projekte nicht mehr zur Verfügung stehen würde, die den Leader-Ansatz „umfassender aufgreifen und einen regionalen Ansatz verfolgen“.

Mit dem Investitionspaket Soziale Integration im Quartier gäbe es eine Förderalternative, die mit einer 90-Prozent-Förderung für Lengerich interessanter sein dürfte. Die Möglichkeit einer Förderung im Sinne dieses neuen Förderprogramms werde die Verwaltung kurzfristig prüfen, teilte der Mitarbeiter des Fachdienstes Schule, Sport, Kultur mit.

Wolfgang Janssen vom Kreisjugendamt, der ebenfalls am Jugendforum extra teilgenommen hat, versucht zu vermitteln. Ein Jugendbeirat sei nicht explizit abgelehnt worden. Eine Struktur müsse in den Köpfen der Jugendlichen Gestalt annahmen, bevor sie realisiert werde, rät er zu Geduld. „Die Jugendlichen wissen gar nicht, was käme mit einem Jugendbeirat auf sie zu.“

Einen Ansatz sieht Bärbel Brengelmann-Teepe (Bündnis 90/ Die Grünen), wenn sich die Politik bewege „und einfacher formulierte Sitzungsvorlagen nutze“. Was Stefan Zimmermann (CDU) zu der spontanen Bemerkung veranlasst, „das gilt auch für andere Gruppen.“

Doch Andreas Kuhn lässt nicht locker. Der Weg als Ziel, das sei zu wenig. „Ich will wissen, wo es hingeht“, stellt der Sozialdemokrat fest. Er betont den Willen seiner Fraktion, einen Jugendbeirat einzurichten, „damit Jugendliche eine Chance haben, sich einzubringen“. Projektarbeit sei ihm persönlich zu wenig, fügt er hinzu.

Doch auch Anika Kuypers von der Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hat beim Jugendforum extra nichts in dieser Richtung gespürt. „Ein Jugendbüro oder ein Ansprechpartner als Anfang ist gefragt, kein Jugendbeirat. Dafür fehlt die Grundlage.“

Doch Andreas Kuhn will eine Zielvereinbarung. „Bei der Vehemenz der SPD machen die Jugendlichen doch sofort dicht“, befürchtet Bärbel Brengelmann-Teepe. Die Warnung von Christdemokrat Hans-Jürgen Busch – „Wir können den Jugendlichen nichts aufoktroyieren, was die nicht wollen“ – veranlasst Andreas Pätzholz (SPD) zu der Vermutung, die Jugendlichen würden vielleicht nicht wissen, was ein Beirat ist. „Es könne ja sein, dass sie ihn wollen, wenn sie ihn kennen.“

Die Stadtverwaltung soll, gemeinsam mit dem Jugendzentrum und der Jugendstelle, eine weitere Veranstaltung Jugendforum extra durchführen um auszuloten, wie die Jugendlichen sich beteiligen wollen. Dieser Vorschlag von Stefan Zimmermann findet im Ausschuss eine Mehrheit. Die vier Sozialdemokraten enthalten sich der Stimme.

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