Steigende Nitraterte
Das sagt der WTL-Chef

Tecklenburger -

Es ging zuletzt durch die Medien: Laut Bundesumweltamt müssen die Verbraucher in Deutschland mit steigenden Wasserpreisen rechnen. Grund sei die Nitratbelastung, die zunehme. Zur Situation im Gebiet des Wasserversorgungsverbandes Tecklenburger Land äußert sich der Geschäftsführer Johann Knipper im Interview.

Donnerstag, 15.06.2017, 22:06 Uhr

Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Wenn 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser festgestellt werden, ist der Grenzwert überschritten. Im Tecklenburger Land wurde der höchste Wert mit 20 Milligramm in Brochterbeck gemessen.
Trinkwasser ist das wichtigste Lebensmittel. Wenn 50 Milligramm Nitrat pro Liter im Grundwasser festgestellt werden, ist der Grenzwert überschritten. Im Tecklenburger Land wurde der höchste Wert mit 20 Milligramm in Brochterbeck gemessen. Foto: dpa

Die Trinkwasserpreise könnten in NRW pro Kubikmeter bis zu 45 Prozent steigen. Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass dann eine vierköpfige Familie rund 134 Euro im Jahr mehr bezahlen muss. Grund ist die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat. Die Ursache: zu viel Düngereinsatz. Wie sieht es im Tecklenburger Land aus? Redakteurin Sabine Plake hat darüber mit Johann Knipper , Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Tecklenburger Land (WTL), gesprochen.

In der Studie heißt es, dass in 27 Prozent der Grundwasservorkommen die Grenzwerte von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten werden. Wie sieht das hier aus?

Johannes Knipper: Der Wasserversorgungsverband hat fünf Wassergewinnungsgebiete. In Brochterbeck liegen wir bei 20 Milligramm Nitrat pro Liter. In Dörenthe bei 15 Milligramm, in Lehen bei einem Milligramm, im Schöllbruch bei einem Milligramm und in Westerkappeln bei sieben Milligramm. Die Werte sind seit Langem konstant. Und es gibt keinen Trend nach oben oder unten. Das ist für uns sehr wichtig. Also haben wir hier keine akuten Sorgen.

In der jüngsten Zeit wurde der Wasserpreis erhöht. Warum?

Knipper: Ja, die Wasserpreise sind zum 1. Januar 2017 von 1,51 Euro auf 1,55 Euro pro Kubikmeter gestiegen, also um vier Cent. Zudem haben wir die Grundgebühr für den kleinsten Wasserzähler von 9,10 auf 9,90 Euro pro Monat erhöht. Die Erhöhung hat mit den anstehenden Investitionen zu tun. Dabei handelt es sich um zwei große Projekte, nämlich die bereits verlegte Hauptleitung von Dörenthe bis zum Rochus (neun Millionen Euro) und den Neubau des Wasserwerks Dörenthe (23 Millionen Euro). Damit fangen wir 2018 an. Zudem wird der Hochbehälter im Rochus für 2,7 Millionen Euro erneuert. Der Preis für Wasser könnte in den nächsten Jahren noch steigen, aber wie viel, das kann ich jetzt nicht sagen.

Im Vergleich zu anderen Gebieten: Ist das Wasser im Tecklenburger Land teuer oder günstig?

Knipper: Im Kreis Steinfurt, würde ich sagen, liegen wir im gesunden Mittelfeld.

Einzige Ursache für zu viel Nitrat im Boden – so sagt das Umweltbundesamt – ist die intensive Landwirtschaft und zu viel Dünger.

Knipper: Wer das bestreitet . . . Ja, die Landwirtschaft ist verantwortlich für das Nitrat im Boden. Da kann man aber den Landwirten nicht immer einen Vorwurf machen. Wenn es immer schön regnet, haben wir kein Problem. Problematisch sind die Jahre, die sehr trocken sind.

Kann da der WTL etwas tun? Wirkt er auf Landwirte ein?

Knipper: Seit 25 Jahren haben wir eine kreisweite Kooperationsvereinbarung mit den Landwirten. Dazu gehören die sechs Wasserversorger und rund 600 Landwirte. Diese beinhaltet Fördermaßnahmen und Beratung. Die Wasserversorger bezahlen drei Stellen bei der Landwirtschaftskammer. Diese beraten die Landwirte hinsichtlich des Schutzes des Wassers. Dazu gehören Themen wie das Pflanzen von Zwischenfrüchten und die Güllelagerung. Zudem pachten oder kaufen wir Flächen, die dann nur noch als extensives Grünland genutzt werden, insbesondere in der Nähe von Brunnen. So ist das Wasserschutzgebiet Brochterbeck 1670 Hektar groß, davon haben wir 240 Hektar angepachtet oder gekauft. Wir sehen die Kooperation als Erfolg, weil der Nitratgehalt nicht angestiegen ist.

Wie viel kostet die Kooperation?

Knipper: Das sind 280 000 Euro pro Jahr, die wir als WTL bezahlen. Das sind circa drei Cent pro Kubikmeter für den Verbraucher. Aber die sind gut investiert. Die Aufbereitung des Wassers ist die letzte Möglichkeit. Und die ist teuer.

Die Düngeverordnung soll verschärft werden. Reichen Ihnen die Verschärfungen aus?

Knipper: Wir als Wasserwerker haben andere Vorstellungen. Momentan darf der Landwirt 170 Kilogramm organischen Stickstoff pro Jahr pro Hektar ausbringen. Das halten wir für zu hoch. Wasserverträglich finden wir 120 Kilogramm auf Ackerland und 160 Kilogramm auf Grünland. Das wäre der Wunsch der Wasserwirtschaft. Für die Landwirte, die in der letzten Zeit investiert haben, ist das schwer umsetzbar. Die sind auf die große Menge ausgerichtet. Für den ein oder anderen würde das vermutlich das Aus bedeuten.

Nicht ganz einsehbar ist aber, warum der Verbraucher das bezahlen soll, oder?

Knipper: Das Verursacherprinzip wird hier nicht durchgezogen.  | Titelseite

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