Unwetter in Lengerich
Zurück bleiben Dreck und Schlamm

Lengerich -

Rund 50 Liter Regen auf den Quadratmeter – diese Wassermengen sind am Montagabend in Lengerich niedergegangen und haben zahlreiche Keller und Geschäfte geflutet, beim Unternehmen Windmöller & Hölscher einen Produktionsstopp erzwungen.

Mittwoch, 12.07.2017, 06:07 Uhr

Land unter hieß es am Dienstagmorgen noch bei Sport Dierker.
Eine Dreckschicht zeigte sich im Keller der Falken-Apotheke, als das Wasser abgepumpt war. Foto: Mareike Stratmann

Vollgelaufene Keller und Lagerräume, ein zwischenzeitlicher Produktionsstopp bei Windmöller & Hölscher und jede Menge Arbeit für die Freiwillige Feuerwehr : Der Starkregen am Montagabend bescherte den Einsatzkräften bis kurz nach Mitternacht mehr als 80 Einsätze im Stadtgebiet. Vor allem im innerstädtischen Bereich waren die rund 40 Wehrleute noch Stunden nach dem heftigen Platzregen, bei dem binnen weniger Minuten bis zu 50 Liter pro Quadratmeter runterkamen, unterwegs.

Heftig hatte es unter anderem die Firma Windmöller & Hölscher erwischt. Das Wasser war im Werk II in Teile der Produktion sowie im Werk III in Büroräume und den Sozialflügel eingedrungen und hatte sogar eine Brandschutztür herausgerissen. „Aus Sicherheitsgründen haben die 70 Kollegen der Spätschicht die Arbeit gegen 21 Uhr abgebrochen. Die Nachtschicht hat gar nicht stattgefunden“, schildert Unternehmenssprecherin Dominique Alhäuser. Und dennoch habe man Glück im Unglück gehabt. Große Schäden seien ausgeblieben. „Die Frühschicht hat den Betrieb normal aufgenommen.“

Starkregen in Lengerich

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  • Autofahrer hatten vielerorts Probleme mit überfluteten Straßen.

    Foto: Stefan Herringslack
  • Die Falken-Apotheke war zum wiederholten Male vom Starkregen betroffen.

    Foto: Jens Keblat
  • Bei der Feuerwehr liefen die Drähte heiß. Über 80 Mal rückten die Wehrleute aus.

    Foto: Jens Keblat
  • Bei Windmöller & Hölscher musste die Spätschicht angesichts der eindringenden Wassermassen unterbrochen werden. Die Nachtschicht fiel gar ganz aus. Foto: Jens Keblat
  • Im evangelischen Gemeindeamt lief der Heizungskeller voll und musste am Dienstagmorgen vom Wasser befreit werden.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Bei Rossmann mussten die Raumentfeuchter am Dienstag noch volle Arbeit verrichten.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Überflutete Straßen in ganz Lengerich: Für viele gab‘s kein Durchkommen mehr.

    Foto: Stefan Herringslack
  • Bei Sport Dierker stand ebenfalls der Keller unter Wasser. Mit reichlich Personal rückte man den Wassermassen am Dienstagmorgen zu Leibe.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Bei Sport Dierker stand ebenfalls der Keller unter Wasser. Mit reichlich Personal rückte man den Wassermassen am Dienstagmorgen zu Leibe.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Bei Sport Dierker stand ebenfalls der Keller unter Wasser. Mit reichlich Personal rückte man den Wassermassen am Dienstagmorgen zu Leibe.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Auch vor Büroräumen machten die Wassermassen nicht halt.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Trockner im Dauereinsatz: Die Rossmann-Filiale hatte es am Montagabend ordentlich erwischt.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Einige Kellerräume der Falken-Apotheke standen kniehoch im Wasser. Was am Dienstag bließ, waren regelrechte Schlammmassen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Ausgeweichter Boden: Bei Bonita war das Reinemachen am Dienstagvormittag noch im vollen Gange. Trotzdem hatte die Filiale geöffnet.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Eimer, Wischer und Gummiflitschen waren auch am Dienstag noch vielerorts zu sehen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Pumpen ohne Ende: Auch am Dienstag wurde die Lengericher Wehr noch zu vereinzelten Einsätzen gerufen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Nicht alles war zu retten: Bei Sport Dierker wurde auch manche Ware in Mitleidenschaft gezogen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Die Schillerstraße glich einem See.

    Foto: Frank Hollmann
  • Immer noch 30 Zentimeter: Der Heizungskeller im Gemeindeamt stand einen halben Meter unter Wasser.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Überall dasselbe Bild: Mit Wischern und Gummiflitschen ausgerüstet, machten sich die Lengericher ans Aufräumen und Trockenlegen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Wie hier entlang der Bodelschwinghstraße stand das Wasser zentimeterhoch auf der Straße.

    Foto: Mareike Stratmann

Ein ähnliches Bild bot sich in der Falken-Apotheke, in deren Kellerräumen das Wasser teils kniehoch gestanden hatte, als die Feuerwehr am späten Abend eintraf. Zu jenem Zeitpunkt waren die Mitarbeiter bereits im Dauereinsatz. Und auch am Dienstag waren sie seit 5 Uhr wieder auf den Beinen, um Klarschiff zu machen. Trotzdem herrschte vor Ort auch etwas Erleichterung. Denn weder Labor noch Medikamente waren in Mitleidenschaft gezogen worden. Einzig Dreck und Schlamm und einige durchnässte Hilfsmittel erinnerten noch an die böse Überraschung des Vorabends.

Reißender Strom in der Altstadt

Pumpen, Trockner, Raumentfeuchter, dazu Gummiflitschen und Eimer: Beim Gang durch die Fußgängerzone herrschte in vielen Geschäften am Dienstagvormittag das gleiche Bild. Bei Rossmann, in dessen Filiale die Trocknergeräte vormittags noch auf Hochtouren liefen, hatte sich das Wasser vom Lager aus auf die gesamte Ladenfläche ausgebreitet. Trotzdem wurde pünktlich geöffnet. Schräg gegenüber bei Bonita konnten die Kundinnen ebenfalls „in Ruhe“ stöbern, während die Mitarbeiterinnen noch fleißig mit Wischern und Aufnehmern hantierten.

Wie ein reißender Strom waren die Wassermassen, denen die Kanalisation nicht mehr gewachsen war, durch die Straßen der Altstadt geflossen und hatten unter anderem im evangelischen Gemeindeamt den gesamten Heizungskeller und bei Sport Dierker Lager und Büroräume in eine regelrechte Seenlandschaft verwandelt. Dort wurden die Räume Dienstagvormittag erst leergepumpt.

Land unter hieß es am Dienstagmorgen noch bei Sport Dierker.

Land unter hieß es am Dienstagmorgen noch bei Sport Dierker. Foto: Mareike Stratmann

Das waren die letzten Einsätze der Feuerwehr. Bis kurz nach Mitternacht sei die Wehr im Dauereinsatz gewesen, schildert deren Leiter Hartwig Hübner am Dienstagmittag. Ab etwa 19.15 Uhr waren am Montag die ersten Notrufe – auch aus dem Altenheim Haus Widum – eingegangen. Umgehend tätig wurde die Feuerwehr immer dann, wenn die Lage akut war, der Schutz wichtiger Dokumente, Medikamente oder Gefahrgut höchste Priorität hatte.

Weitaus länger dauerte es, bis auch kleinere Einsätze, vor allem die Pumpeinsätze in den Kellern zahlreicher Wohnhäuser, abgearbeitet werden konnten. Teils mehrere Stunden mussten einige Anrufer auf Hilfe warten oder sich anderweitig behelfen. Die Einsatzleitung um den stellvertretenden Wehrführer Thorsten Budzinski hatte Mühe und Not, die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und Mannschaften den Prioritäten nach zu disponieren. Wegen der Vielzahl der Einsätze, die später als Unwetterlage von der Feuerwehr zusammengefasst wurden, hatte auch Kreisbrandmeister Raphael Ralph Meier in der Feuer- und Rettungswache den Kameraden bei der Bewältigung der vielen Anrufe geholfen.

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