Schadensregulierung nach Starkregen
70 Prozent der Hausbesitzer in Westfalen haben keine Elementarversicherung

Lengerich -

Wer in Lengerich am 10. Juli durch den Starkregen einen Schaden erlitten hat, wird nun dabei sein, ihn zu regulieren. Die wichtigste Frage: Zahlt die Versicherung?

Montag, 17.07.2017, 17:07 Uhr

Wasser aus dem Keller pumpen gehört nach einem Starkregen zu den Maßnahmen, mit denen die Folgeschäden begrenzt werden können.
Wasser aus dem Keller pumpen gehört nach einem Starkregen zu den Maßnahmen, mit denen die Folgeschäden begrenzt werden können. Foto: Jens Keblat

„Das zahlt ja die Versicherung.“ Wem der Starkregen am Montag der vergangenen Woche Schäden zugefügt hat, wird so denken. Ein weit verbreiteter Irrglauben. „90 Prozent der Leute glauben, sie wären in so einem Fall versichert“, zitiert Thomas Wiggers aus einer entsprechenden Statistik. Die bittere Wahrheit: 70 Prozent der Hausbesitzer in Westfalen haben keine Elementarversicherung.

Genau auf die kommt es an, wenn beispielsweise nach Starkregen der Keller unter Wasser steht, möglicherweise Kühltruhe, Waschmaschine und Trockner kaputt sind. Ohne Elementarversicherung bleibt der Eigentümer auf den Anschaffungskosten für neue Geräte sitzen. Wenn es denn bei kaputten Maschinen bleibt. „Beim Starkregen im vergangenen Jahr sind zwei Häuser so in Mitleidenschaft gezogen worden, dass sie nicht mehr bewohnbar waren“, sagt der Leiter des Versicherungsservice der Stadtsparkasse im Gespräch mit den WN.

Unwetter in Lengerich

1/10
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat
  • Foto: Jens Keblat

Auch wenn 48 Prozent der Befragten glauben, dass in solchen Fällen der Staat einspringt – „das stimmt nicht“. Thomas Wiggers räumt gleich mit zwei weiteren Vorurteilen auf, die in der Umfrage auf hohe Prozentwerte gekommen sind. 90 Prozent sind der Auffassung, dass eine Gefahr äußerst gering sei, weil ja kein Fluss oder See in der Nähe sei. Und 78 Prozent sind der Auffassung, dass eine Elementarversicherung „extrem teuer“ ist.

„Wer seinen Versicherer fragt, wird das Gegenteil zu hören bekommen.“ Der Fachmann nennt ein Beispiel: Der Einschluss einer Elementarversicherung in der Wohngebäudeversicherung für ein Wohnhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche schlägt mit rund 70 Euro im Jahr zu Buche. Weitere etwa 30 Euro werden für die Einbeziehung einer Elementar- in die Hausratversicherung fällig. In der Regel mit einer Selbstbeteiligung von 1000 Euro.

Zum Thema

Infos gibt es beim eigenen Versicherer. Die Verbraucherzentrale Rheine (Auf dem Thie 34, 49431 Rheine) hat eine neue Info-Broschüre herausgegeben „Alles klar bei Starkregen?“

...

Abgesichert sind damit Schäden, verursacht durch Starkregen, Überschwemmung, Rückstau, Erdbeben, Erdsenkung, Erdrutsch und Schneedruck. Nach dem Starkregen in Münster im vergangenen Jahr hat die durchschnittliche Schadenssumme bei der Westfälischen Provinzial – nach eigenen Angaben größter regionaler Gebäudeversicherer – bei über 30.000 Euro gelegen.

Starkregen in Lengerich

1/21
  • Autofahrer hatten vielerorts Probleme mit überfluteten Straßen.

    Foto: Stefan Herringslack
  • Die Falken-Apotheke war zum wiederholten Male vom Starkregen betroffen.

    Foto: Jens Keblat
  • Bei der Feuerwehr liefen die Drähte heiß. Über 80 Mal rückten die Wehrleute aus.

    Foto: Jens Keblat
  • Bei Windmöller & Hölscher musste die Spätschicht angesichts der eindringenden Wassermassen unterbrochen werden. Die Nachtschicht fiel gar ganz aus. Foto: Jens Keblat
  • Im evangelischen Gemeindeamt lief der Heizungskeller voll und musste am Dienstagmorgen vom Wasser befreit werden.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Bei Rossmann mussten die Raumentfeuchter am Dienstag noch volle Arbeit verrichten.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Überflutete Straßen in ganz Lengerich: Für viele gab‘s kein Durchkommen mehr.

    Foto: Stefan Herringslack
  • Bei Sport Dierker stand ebenfalls der Keller unter Wasser. Mit reichlich Personal rückte man den Wassermassen am Dienstagmorgen zu Leibe.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Bei Sport Dierker stand ebenfalls der Keller unter Wasser. Mit reichlich Personal rückte man den Wassermassen am Dienstagmorgen zu Leibe.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Bei Sport Dierker stand ebenfalls der Keller unter Wasser. Mit reichlich Personal rückte man den Wassermassen am Dienstagmorgen zu Leibe.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Auch vor Büroräumen machten die Wassermassen nicht halt.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Trockner im Dauereinsatz: Die Rossmann-Filiale hatte es am Montagabend ordentlich erwischt.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Einige Kellerräume der Falken-Apotheke standen kniehoch im Wasser. Was am Dienstag bließ, waren regelrechte Schlammmassen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Ausgeweichter Boden: Bei Bonita war das Reinemachen am Dienstagvormittag noch im vollen Gange. Trotzdem hatte die Filiale geöffnet.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Eimer, Wischer und Gummiflitschen waren auch am Dienstag noch vielerorts zu sehen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Pumpen ohne Ende: Auch am Dienstag wurde die Lengericher Wehr noch zu vereinzelten Einsätzen gerufen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Nicht alles war zu retten: Bei Sport Dierker wurde auch manche Ware in Mitleidenschaft gezogen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Die Schillerstraße glich einem See.

    Foto: Frank Hollmann
  • Immer noch 30 Zentimeter: Der Heizungskeller im Gemeindeamt stand einen halben Meter unter Wasser.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Überall dasselbe Bild: Mit Wischern und Gummiflitschen ausgerüstet, machten sich die Lengericher ans Aufräumen und Trockenlegen.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Wie hier entlang der Bodelschwinghstraße stand das Wasser zentimeterhoch auf der Straße.

    Foto: Mareike Stratmann

Eine Rückstau-Vorrichtung im Keller ist nicht Pflicht, „sollte aber im Eigeninteresse vorhanden sein“, sagt Thomas Wiggers. Ist ein Schadensfall eingetreten, sollte man das mit Fotos dokumentieren, zügig Schadensbegrenzung betreiben – Wasser und Schlamm abpumpen, Räume lüften – und die Versicherung informieren.

Mehr zum Thema

Unwetter in Lengerich: Zurück bleiben Dreck und Schlamm  [12.07.2017]

Vollgelaufene Keller: Feuerwehr im Dauereinsatz  [11.07.2017]

...

Bleibt noch des Deutschen „liebstes Kind“: Wird das Auto von einem der genannten Ereignisse in Mitleidenschaft gezogen, übernimmt die Teilkaskoversicherung den Schaden. Eines gilt es nach Ansicht des Versicherungsfachmanns in die Überlegungen einzubeziehen: „Das Risiko, von Schäden betroffen zu sein, wächst, weil Wetterextreme immer häufiger auftreten.“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5017080?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Warmes Wetter lässt Wasserverbrauch steigen
Stadtwerke Münster: Warmes Wetter lässt Wasserverbrauch steigen
Nachrichten-Ticker