Di., 14.11.2017

Raubtier Hat ein Wolf in Lengerich ein Schaf gerissen?

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Wolf (hier ein Tier im Allwetterzoo) das Schaf in Lengerich getötet hat.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Wolf (hier ein Tier im Allwetterzoo) das Schaf in Lengerich getötet hat. Foto: Gunnar A. Pier

Lengerich - 

In Lengerich hat ein Wolf möglicherweise ein Schaf gerissen. Die Überreste des toten Tieres waren am Montagabend von den Besitzern gefunden worden. Am Dienstag wurde der ­Kadaver von einer Tierärztin und einem Wolfsberater des Landes in Augenschein genommen.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Ist in Lengerich ein Schaf von einem Wolf gerissen worden? Es spricht offenbar einiges dafür, dass genau das auf einer Weide an der Poststraße passiert ist. Die Nutztierhalter Doerthe Dzielak und Norbert Klar sind überzeugt, dass eines der sich seit Jahren in Deutschland wieder ausbreitenden Raubtiere für den Tod ihres ostfriesischen Milchschafes verantwortlich ist. Und auch Tierärztin Natascha Schwake aus Ladbergen sagt beim Blick auf den Kadaver: „Das ist typisch für einen Wolf.“

Zurückhaltender äußert sich Jan-Dirk Hubbert. Der Förster aus Nordwalde ist einer der Wolfsberater des Landes. Er wurde von Doerthe Dzielak und Norbert Klar verständigt und schaute sich am Dienstagvormittag das tote Tier an, befragte die Halter und ging auf Spurensuche. „An Spekulationen beteilige ich mich nicht“, machte der Fachmann klar, dass er zur Frage „Wolf oder kein Wolf?“ keine Einschätzung abgeben würde. Seine Aufgabe sei es allein, das Geschehen, das sich wohl in der Nacht von Sonntag auf Montag abgespielt haben dürfte, zu dokumentieren.

Video: Der Wolf wird wieder heimisch

Weitere Untersuchungen sollen nun Klarheit bringen. Dabei, so Hubbert, gehe es darum, nach Möglichkeit den genetischen Nachweis für einen Wolf zu erbringen. Bis die Ergebnisse vorliegen, könne es aber durchaus einige Wochen dauern. Indizien, ob ein Wolf ein Tier gerissen hat oder nicht, gebe es. So werde die Beute von dem „professionellen Jäger“ mit einem Biss in die Kehle getötet. Und die Menge Fleisch, die von einem Wolf gefressen werden könne, sei für einen Hund nicht zu schaffen. „Das sind auch schon mal acht Kilo.“

Fotostrecke: Gutachten zum Wolf in Westfalen vorgestellt

Von dem getöteten Lengericher Schaf ist nicht mehr viel übrig. Nur noch Teile vom Kopf, die Wirbelsäule, Fell, einige Hautfetzen und Reste von Innereien liegen auf der Weide. Genau das ist der Grund, warum Tierärztin Schwake an ihrer Sicht der Dinge keinen Zweifel aufkommen lässt. „Ein Hund macht so etwas nicht“, ist sie überzeugt. Und sie fügt gleich auch noch hinzu, woher der Wolf ihrer Meinung nach gekommen sein könnte: „Über den Teuto.“ Dort, im Osnabrücker Land, war erst vor Kurzem ein Wolf aufgetaucht. Jäger hatten Bilder von ihm im Kalkrieser Moor bei Bramsche und im Belmer Ortsteil Icker mit einer Fotofalle gemacht.

Das gerissene Schaf.

Die Überreste des gerissenen Schafes werden möglicherweise darüber Auskunft geben können, ob ein Wolf in Lengerich gejagt hat. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Auf dem Grundstück an der Poststraße, das direkt an ein Wohnhaus angrenzt, sind noch mehr Schafe untergebracht. Sie kamen mit heiler Haut davon. „Wir haben hier verschiedene kleine Parzellen“, erklärt Klar. Dahin hätten sich die Tiere wohl geflüchtet, die auf ihn nun einen „leicht verstörten Eindruck“ machten.

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Er und Doerthe Dzielak haben zwei Schutzhunde. Angeschafft wurden die, nachdem vor ein paar Jahren einige ihrer Schafe auf der Weide von Unbekannten getötet und geschlachtet worden waren. Zuletzt seien sie an anderer Stelle im Einsatz gewesen. Doch nun sollen sie wieder auf das Gelände zurückgebracht werden. Den finanziellen Verlust schätzt Doerthe Dzielak auf etwa 200 Euro.

Der hiesige Landwirtschaftsverband und der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden haben den Wolf bereits im Blick: Im August stellten sie in Münster ein Gutachten vor zur Frage, wie die Region auf die sich abzeichnende Rückkehr des Raubtiers reagieren könne. Eine rigorose Jagd auf den Wolf war demnach ausdrücklich als Möglichkeit vorgeschlagen. „ Der Wolf passt nicht zu offener Weidehaltung. Und mir hat noch niemand gesagt, warum wir den Wolf hier brauchen“, sagte WLV-Präsident Johannes Röring.

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