Fr., 24.11.2017

Kulturforum: Lesung mit Peter Littger „Anglizitis“ ist weit verbreitet

Rasant war die Lesung mit Peter Littger – auch weil der beim Lesen ein ziemliches Tempo vorlegte.

Rasant war die Lesung mit Peter Littger – auch weil der beim Lesen ein ziemliches Tempo vorlegte. Foto: Nicole Degutsch

Lengerich - 

Begriffe aus dem Englischen haben in vielfältiger Form Einzug in den Sprachschatz der Deutschen gehalten. Doch nicht immer geht der Vermengung der beiden Sprachen gut. Beispiele dafür lieferte jetzt der Autor Peter Littger beim Kulturforum.

Von Nicole Degutsch

Kurzweilig und rasant, so war die Lesung mit Peter Littger, zu der am Donnerstagabend das Kulturforum eingeladen hatte. Der Autor, der unter anderem als Redakteur für „Die Zeit“ und „ Spiegel online“ gearbeitet hat, las aus dem zweiten Band seines Buches „The Devil lies in the Detail“ in der Stadtsparkasse.

Rund 80 Zuhörer waren gekommen, um sich über die Tücken der oft leichtfertig benutzten Anglizismen aufklären zu lassen, mit vielen Fallbeispielen, die Littger im Laufe der Zeit aufgeschnappt habe. Der skurrilste Satz, der ihm untergekommen sei, so Littger, war der eines bayrischen Flugkapitäns, der seine Gäste vor dem Start mit „Dear Ladies and Germans“ begrüßte. Tja, das Gegenteil von gut ist halt gut gemeint.

Und so gibt Littger viele Beispiele, bei denen die Deutschen im guten Glauben, perfekt Englisch zu sprechen, kein Fettnäpfchen auslassen. So hat er einen Satz wie „I have a flat“, die eine Mitreisende im Zug (im Zug hat er auch das erste Kapitel seines Buches geschrieben) englischen Sitznachbarn stolz mit Blick auf ihr Mobiltelefon verkündet, aufgeschnappt, der auch im Publikum zur allgemeinen Heiterkeit führt. Als Littger nämlich aufdröselt, dass zwar in Deutschland damit das Telefonieren zu einem bestimmten Tarif gemeint ist, bei den Briten es aber bedeutet, dass sie „eine Wohnung oder einen platten Reifen“ hat.

Sehr bizarr auch die Bestellung im „Boardrestaurant“ einer jungen Dame, die ohne mit der Wimper zu zucken ein „Mirror-Egg“, also „Spiegelei“ bestellt. Was natürlich wiederum den Kellner in Ratlosigkeit stürzt.

Rasant ist die Lesung auch nicht zuletzt deshalb, weil Littger ein ganz schönes Tempo vorlegt und es auch nach dem zaghaften Einwurf einer Zuhörerin, doch ein bisschen langsamer zu lesen, nur kurzfristig schafft,  seine Lesegeschwindigkeit zu drosseln. Doch das Publikum verzeiht es ihm, beantwortet die Fragen, die er zwischendurch in den Raum wirft, wenn es etwa darum geht, welche Präposition im Englischen wann benutzt wird. Und er ist erstaunt, wie gut die Lengericher parieren. „Wie viele Englischlehrer sind im Saal?“

Auch Fakten hat er im Gepäck. Die Krankheit, die er „Anglizitis“ nennt, sei in Deutschland weit verbreitet „etwa sieben Millionen Deutsche glauben, das sie die englische Sprache beherrschen“. Aber, so gibt er auch zu, manche Anglizismen klingen einfach besser, als die deutschen Wörter, so will wohl niemand ernsthaft „Prallkissen“ anstatt „Airbag“ sagen oder sein „Laptop“ als „Klapprechner“ bezeichnen. Als Littger in die Runde fragt „Wer findet, dass wir zu viele englische Lehnwörter in der deutschen Sprache haben?“, melden sich weniger als die Hälfte.

Also alles doch nur halb so wild, aber gut, dass wir mal drüber gesprochen haben. Der Teufel liegt halt im Detail und die Dosis macht das Gift.

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