Serie: Was ich immer schon mal machen wollte!
Mit Tempo 200 Richtung Erde

Tecklenburger Land/Damme -

Pläne gibt es vielleicht viele, Träume auch. Aber warum nicht einfach mal das machen, was man eigentlich immer schon mal machen wollte? Die WN-Redaktion hat sich daran gemacht, die eigenen Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen.

Mittwoch, 16.05.2018, 17:05 Uhr

Ein gutes Gesicht zu machen ist ganz schön schwer, wenn der Wind mit Tempo 200 entgegenkommt.
Ein gutes Gesicht zu machen ist ganz schön schwer, wenn der Wind mit Tempo 200 entgegenkommt.

„Ich habe einen Gutschein gewonnen“, freut sich Kumpel Tobias: „Für einen Tandem-Fallschirmsprung.“ Uff. „Kannst ja mitspringen. Dann sind wir vier“, wird hinterhergeschoben. Schluck. Es rattert in meinem Kopf: Den Kick braucht man doch besonders als junger Mensch. Und die 20 Lenze, die ich auf dem Buckel habe, sind nun wirklich nicht zum Verkriechen: Nicht lange nachgedacht, der erste Handschlag symbolisiert den Flug auf 4000 Metern Höhe. Denn so hoch geht es mit der Cessna 208 Caravan in die Luft. Sie zählt elf Jahre und mindestens so viele Flüge wie Stas. Wer ist Stas? Natürlich meine „Begleitung“ für heute. Der, der nach 1500 Metern hoffentlich unseren Fallschirm öffnet. Kraft dazu hat er: Fast zwei Meter groß, ein Bizepsumfang wie Wladimir Klitschko. Heißt ja auch Fallschirm-Sport: „Insgesamt bin ich bestimmt schon 1000 Mal da runtergesprungen.“ Beruhigt erstmal.

Also stehen wir vier da auf der grünen Wiese – irgendwo, in Damme – und winken der Maschine hinterher. Aus ihr springen gleich die Ersten an diesem „Super-Sommer-Tag“, wie Stas ihn nennt. Wohlwissend, dass nur eine halbe Stunde später auch wir den Sprung aus dem Flugzeug machen werden. Die eigene Fan-Kurve ist auch dabei: Oma, Eltern und Geschwister – beim Pulsmessen brauche ich ja Unterstützung. Apropos Puls: Der nähert sich auf dem Weg in den Flieger dem einer Rennmaus an – ist normal, meint Stas. Mittlerweile sehen wir vier ziemlich albern aus: Der babyblaue Sprunganzug ist mindestens eine Nummer zu groß, aber genau so Pflicht wie die Schutzbrille – sie ist dazu noch an einem weiß-blauen Spitzhelm befestigt. Einweisungen gibt es natürlich auch: Stas macht – damit wir gut und sicher runterkommen – vieles, aber ein bisschen mithelfen kann ich natürlich auch. Nach der Einweisung gehts zum Flieger. Der ist mittlerweile gelandet, die ersten Springer sind heile unten. Wäre ich nur auch schon auf sicherem Boden! Klagen gibts nicht, der Puls schlägt nach oben – Zeit für ein Stoßgebet. Eng an eng steigen wir in die Luft, auch der Pilot hat einen Rettungsschirm – Beruhigend irgendwie. Nach einem 15-Minuten-Flug zeigt mir Stas auf seiner Höhenuhr die 4000 Meter-Marke: Zeit zum Absprung. Die Tür wird geöffnet, der Wind pfeift uns um die Ohren und die ersten Profis springen aus dem Flieger. Dank Adrenalinanstiegs merkt man die 0 Grad dort oben nicht. Langsam robben wir nach vorne, an die Kante des Fliegers: Glück ist jetzt ganz fern. Und weiter gehts. Stas: „Zum Glück hast du heute so super Wetter.“ Na ja, auch das kleinste Haus ist jetzt zu erkennen. Und an alle Skeptiker: Die Erde ist wirklich keine Scheibe, die Erdkrümmung zeigt es mir noch einmal ganz deutlich. Der Blick, der geht jetzt aber erstmal nach untern: An meinen baumelnden Beinen blicke ich 4000 Meter in die Tiefe. In meinem Kopf: „Können wir es uns nicht doch noch anders überlegen?“ Ich habe es nicht ausgesprochen, drauf gehört hätte man wohl auch nicht: Los gehts. Wir stoßen uns kräftig ab und sausen mit Tempe 200 in Richtung Erde: Was für ein Gefühl: Ein richtiger Kick. Und – einmal in der Luft – sind die Sorgen davongeflogen: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Dass uns nun auch noch kein Schirm hält, ist mir in diesem Moment egal – den Emotionen lasse ich freie Bahn.

Passende Bilder zum Sprung illustrieren diese Seite. Gemacht wurden sie bei höchster Geschwindigkeit: „Einmal lächeln“, meint Stas zu mir – gar nicht so einfach, wenn das Atmen auch mal leichter war: Viele der Bilder sehen auch genau so aus. Ich soll die Arme ausbreiten – lasse ich mir nicht zweimal sagen. Unsere Landestation ist noch nicht zu sehen. Durchatmen. Puls: okay. Nach 1500 Metern öffnet Stas unseren rot-gelb-blauen Schirm. Ich merke: Wir werden langsamer. Ist auch gut so, jetzt kann man die Aussicht einmal richtig genießen. Und lenken darf ich auch: Rechts ziehen geht es nach rechts, links geht es nach links: Ganz easy. Langsam gleiten wir dahin, Zeit für ein paar Fotos – jetzt ohne Brille – ist auch drin. Und so langsam erreichen wir unser Ziel: Die Landewiese ist markiert, von oben gut zu sehen. Wer es nicht sieht, hört es in diesem Moment: Meine Mutter scheint mich erkannt zu haben, ist völlig aus dem Häuschen. „Beine anwinkeln“, heißt nun der letzte Stas-Befehl: „Wir landen jetzt.“ Man, wie schnell ging das jetzt, denke ich. Und auf dem Boden aufsetzen: Geht auch ganz easy, leicht landen wir auf grünem Rasen, jubeln einmal laut und machen ein „Heil-angekommen-Foto“. Neben mir landet Tobi – sieht wie früher aus. Und von Weitem jubelt schon die ganze „Fan-Schar.“ Auch meine beiden anderen Freunde landen wenig später neben uns. Die Urkunde und eine CD mit Bildern folgt noch: Das gemeinsame Foto ist auch klar. Danke Stas.

Fazit: Heile angekommen, Eine Wiederholung schließe ich nicht aus.

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