Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg
Es gelten klare Regeln

Lengerich -

Ein Mobiltelefon hat fast jeder Schüler. Nur, darf es in der Schule genutzt werden? Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund ums Thema Handy haben die Medienkompetenztage den Fünftklässlern der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg gegeben.

Freitag, 18.05.2018, 06:05 Uhr

Fragen zum Nutzungsverhalten des eigenen Smartphones durch die Medien-Scouts der beiden Realschulen waren nur ein Themenkomplex bei den Medienkompetenztagen der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg.
Fragen zum Nutzungsverhalten des eigenen Smartphones durch die Medien-Scouts der beiden Realschulen waren nur ein Themenkomplex bei den Medienkompetenztagen der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg. Foto: Gesamtschule Lengerich/Tecklenbur

Die überwiegende Zahl der Schüler hat heute ein Mobiltelefon. Dessen Nutzung in der Freizeit ist die eine Sache, die Verwendung an der Schule eine andere. Ein striktes Verbot samt Sanktion – wer sich nicht daran hält, dessen Smartphone wird einkassiert und erst zum Unterrichtsende wieder herausgegeben – „funktioniert nicht“. Sagen Dr. Werner Peters und Wilhelm Rinschen, Leiter beziehungsweise Schulsozialarbeiter und Medienpädagoge an der Gesamtschule Lengerich/Tecklenburg.

Dort wird seit wenigen Wochen ein anderer Weg beschritten. Eine Handy-Ordnung und ein dazugehöriger Handy-Führerschein geben den Nutzungsrahmen fürs Mobiltelefon während der Schulzeit vor. Basis für diese Regelung waren Medienkompetenztage für die Fünftklässler. Das Ziel bringen Werner Peters und Wilhelm Rinschen auf einen einfachen Nenner: Verantwortungsbewusster Umgang mit dem Handy und sozialen Medien.

Bis zu dieser Veranstaltung galt an der Gesamtschule ein Handy-Verbot. „Aber wie will man etwas verbieten, was trotzdem getan wird?“ Für den Schulleiter eine rhetorische Frage. Die Antwort liegt für ihn, wie auch für Wilhelm Rinschen, auf der Hand: verantwortlicher Umgang mit sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co. Als Beispiel, wie man das angeht, dient die Bodelschwingh-Realschule, deren Leiter Werner Peters war.

„Bevor wir den Handy-Führerschein und die Handy-Ordnung eingeführt haben, ging es dort auch wild zu.“ Eine Aussage, die er mit einem Lächeln begleitet. „Nicht mehr, als anderswo auch“, relativiert er. Nach den Kompetenztagen, verbunden mit der Schulung von Medien-Scouts aus den Reihen der älteren Schüler, sei dauerhaft Ruhe eingekehrt bei dem Thema.

Was die beiden Männer schon vor den Kompetenztagen erfahren hatten: „Viele Schüler haben selber Regeln für den Umgang mit dem Handy in der Schule gefordert.“ Was darin mündete, dass es beim Auftakt des Seminars „viele Aha-Effekte bei den Schülern gab“, erinnert sich Wilhelm Rinschen. Wie öffentlich soziale Medien sind, sei längst nicht allen bewusst gewesen. „Ein Foto im Klassenraum ist schnell gemacht, ohne dass es einer mitbekommt, und ebenso schnell gepostet“, nennt er ein Beispiel.

Handyordnung

► Das Handy darf mit in die Schule gebracht werden.

► In den Pausen darf das Handy genutzt werden.

► Während des Unterrichts ist das Handy lautlos in der Tasche zu halten.

► Insbesondere die Nutzung von elektronischen Geräten während der Klassenarbeiten ist verboten und gilt als Täuschungsversuch.

► Hat ein Lehrer den Verdacht, dass ein Schüler in Besitz von Mobbing- oder Gewaltvideos und so weiter ist, wird das Handy von ihm eingezogen und an den Schulleiter weitergegeben.

► Lehrer dürfen ohne Einwillung des Schülers nicht das Handy durchsuchen.

► Bei einem Verstoß gegen unsere Handyordnung wird das Handy bis zum Unterrichtsende eingezogen.

► Im Wiederholungsfall wird das Handy eingezogen und muss von den Eltern in der Schule abgeholt werden.

► Bei einem weiteren Verstoß gegen unsere Handyordnung entscheidet die Schulleitung.

...

Dass damit nicht nur Persönlichkeitsrechte verletzt werden, sondern auch Mobbing der fotografierten Person die Folge sein können, „haben viele gar nicht gewusst“. Inzwischen gelten die Klassenräume an der Gesamtschule als „geschützter Raum, das haben alle Schüler akzeptiert“.

Aus Sicht des Medienpädagogen ist der Umgang mit Apps ein weiteres wichtiges Thema. „Welche Apps einen Zugriff aufs Handy ermöglichen, ohne dass der Nutzer etwas davon weiß, ist für viele unvorstellbar gewesen.“ Bei den Kompetenztagen sei auch darauf eingegangen worden. In einem sind sich Werner Peters und Wilhelm Rinschen einig: Die Medien-Scouts der Bodelschwingh- und der Bonhoeffer-Realschule seien sehr hilfreich gewesen. „Die kommen ganz anders bei den Schülern an“, so der Schulleiter.

Noch fehlt es an der Gesamtschule an älteren Jahrgängen, aus denen Schüler diese Funktion übernehmen könnten. „In Klasse 7 oder 8 werden wir damit anfangen“, versichert Werner Peters. Und eine weitere Personengruppe wird die Schule im Blick behalten: die Eltern. Knapp 40 Eltern seien zu einem entsprechenden Info-Abend gekommen. „Wir wollen sie für ihre Verantwortung beim Umgang ihrer Kinder mit dem Handy sensibilisieren“, nennt Wilhelm Rinschen das Ziel.

Die Prüfung zum Handy-Führerschein am Ende der Kompetenztage haben nicht alle Fünftklässler bestanden. „Einige sind durchgefallen, die dürfen ihr Handy jetzt nicht nutzen“, nennt Wilhelm Rinschen die daraus resultierende Konsequenz. Eine Nachprüfung ist möglich, um den „Lappen“ doch noch zu erhalten – am Ende des Schuljahres.

Dass der eingeschlagene Weg der richtige zu sein scheint, machen die beiden Männer an ihren Beobachtungen im Schulalltag fest. Erst wenn es zur Pause geklingelt hat und die Schüler auf den Schulhof kommen, werden Mobiltelefone aus der Tasche gezogen. Längst nicht von allen. „Klassische Pausenspiele wie beispielsweise Fußball sind wieder mehr angesagt“, freut sich Wilhelm Rinschen. Auch das wertet er als Indiz für ein gutes Nutzungsverhalten.

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