Die letzten Tage der Hauptschule
Unterrichten bis zum Ende

Lengerich -

In zwei Wochen der letzte Schultag, in vier Wochen der letzte Arbeitstag für die Lehrer – an der Gutenberg-Hauptschule heißt es langsam Abschied nehmen. Mit dem Ende des Schuljahres hört Lengerichs älteste Lehranstalt auf zu bestehen. Vor Jahren war das Aus beschlossen worden, weil zu wenige Kinder angemeldet wurden. Silke Hölters, kommissarische Schulleiterin, bedauert die Entwicklung.

Freitag, 15.06.2018, 05:00 Uhr

Die kommissarische Schulleiterin Silke Hölters vor einer Vitrine, in der sich Informatives über Schulnamensgeber Johannes Gutenberg findet.
Die kommissarische Schulleiterin Silke Hölters vor einer Vitrine, in der sich Informatives über Schulnamensgeber Johannes Gutenberg findet. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Das Ende rückt näher. In zwei Wochen, am 29. Juni, haben die noch verbliebenen Schüler ihren letzten Unterrichtstag. Weitere zwei Wochen später, am 13. Juli, packen auch die Lehrer ihre Sachen. Dann ist an Lengerichs Hauptschule nicht nur das Schuljahr vorbei, sondern auch das Dasein als Bildungseinrichtung.

Weil die Anmeldezahlen massiv sanken, war 2013 beschlossen worden, die Gutenberg-Hauptschule auslaufen zu lassen. Seinerzeit hätten nach dem Elternwillen gerade einmal sechs Kinder in der fünften Klasse starten sollen. 2003/2004 saßen noch 418 Schüler in den Klassen, 2011/2012 war ihre Zahl bereits auf 293 gesunken. Und jetzt zum Schluss unterrichteten neun Lehrer 45 Jugendliche.

Die, erzählt die kommissarische Schulleiterin Silke Hölters, seien nicht im Klassenverbund verblieben, sondern im Laufe der ersten Wochen des letzten Schuljahrs in vier Lerngruppen aufgeteilt worden. Dabei ging es zum Beispiel darum, sogenannte Jahrespraktikanten zusammenzufassen oder jene Schüler zu berücksichtigen, die erst in der neunten Jahrgangsstufe sind. Lehrer Ingo Münster hält das gewählte System für sehr gut. „Besser kann man es nicht haben“, sagt der Pädagoge, der seit fünf Jahren an der Schule ist und unter anderem Deutsch, Englisch und Biologie unterrichtet.

Er und Hölters betonen, dass das Lernumfeld für die Schüler bis zum Schluss stimme und sogar teilweise besser sei als in den Jahren zuvor, weil man von der neuen Gesamtschule im selben Gebäude profitiere. So stünden beispielsweise deren Mikroskope auch an der Hauptschule zur Verfügung. Und die jungen Gesamtschul-Fünftklässler sorgten dafür, dass die Älteren von nebenan noch wirkliches Schulleben erleben könnten. Das Zusammensein beider Schulen läuft aus ihrer Sicht besser als gedacht.

Das ist die positive Seite. Doch sie berichten auch, dass es für ihre Schützlinge nicht immer einfach sei im sich wandelnden Umfeld. Von außen erführen sie ohnehin oft eine Stigmatisierung, „da gelten sie oft als ,Asi-Schüler‘“, sagt Münster. Und nun sähen sie, wie in der Gesamtschule Geld für Neues da ist, für Renovierungen, für eine bessere Mensa. Da sei es nicht immer einfach, das zu erklären.

Er und Hölters sind ungeachtet der Entwicklung, dass die Hauptschule schließt und auch andernorts ihr Ende bevorsteht, Befürworter dieser Schulform. Ihrer Überzeugung wird es immer Kinder und Jugendliche geben, für die sie der ideale Lernort ist, weil andere Systeme zu groß und unübersichtlich sind und sie dort nicht den individuellen Zuspruch bekommen könnten, wie er für sie nötig sei. Ihrer Überzeugung nach ist die Hauptschule in der Vergangenheit nicht an mangelnder Qualität gescheitert, sondern wurde „kaputtgeschrieben und kaputtgeredet“.

Die Zukunft an der Gutenberg-Schule sei mittlerweile für fast alle Betroffenen geklärt, erzählt Hölters. Die letzten Lehrer hätten Anfang/Mitte Mai erfahren, wie und wo es weitergeht. Von den Schülern würden etwa zehn eine Lehre beginnen, viele andere zu Berufskollegs nach Ibbenbüren und Münster wechseln, einige auch zur Hauptschule nach Tecklenburg. Die Jugendlichen erhalten am 29. Juni ihre Abgangszeugnisse. Dann ist für sie das Kapitel Gutenberg-Schule beendet. Die Lehrer haben danach 14 Tage Zeit klar Schiff zu machen – unterbrochen von einer „Abriss-Party“, zu der am 6. Juli ehemalige Lehrer eingeladen sind. „40 Anmeldungen haben wir schon“, bilanziert Hölters sichtlich zufrieden.

Obwohl sie lediglich eineinhalb Jahre in Lengerich war, ist ihr die Schule ans Herz gewachsen. Wie eng die Beziehung zu manchen Schülern war und ist, macht sie mit einer kleinen amüsanten Anekdote deutlich. Eine Schülerin habe im Unterricht einmal versehentlich „Mama“ zu ihr gesagt. Das Mädchen habe sich erschrocken und entschuldigt, doch für die Pädagogin war es ein Zeichen dafür, dass es stimmt zwischen ihr und den Schülern.

Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5820084?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F175%2F
Kein Hinweis auf Defekt bei Technik
 
Nachrichten-Ticker